Kleiner Teil der Ben-Ali-Gelder fliesst zurück

Die Schweiz überweist 40 Millionen Dollar an Tunesien. Das nordafrikanische Land braucht das Geld dringend zur Finanzierung des Beamtenapparats. Ist es die Rettung in der Not oder nur ein Tropfen auf den heissen Stein?

Eine Frau mit Kopftuch hält auf der Strasse ein Poster von Ben Ali in der Hand (Bild von 2009).

Bildlegende: Das Vermögen von Ben Ali und seiner Entourage wird auf mehrere Milliarden geschätzt. Keystone/Archiv

Die Schweiz will erstmals einen Teil der blockierten Gelder des Clans des früheren Machthabers Zine el-Abidine Ben Ali an Tunesien zurückgeben. Es handelt sich dabei um rund 40 Millionen US-Dollar, wie die Bundesanwaltschaft am Freitag bekanntgab. Nun stellt sich die Frage, ob der tunesische Staat die freigegebenen Gelder auch rechtmässig verwenden wird.

Maghreb-Spezialist Beat Stauffer ist zuversichtlich, dass die Gelder nicht zweckentfremdet werden. «Der tunesische Staat hat gegenwärtig ein sehr grosses Liquiditätsproblem. Er hat Schwierigkeiten, die Löhne von Hunderttausenden von Funktionären zu bezahlen.» Er gehe deshalb davon aus, dass ein grosser Teil dieser Gelder hierzu verwendet werde – und zur Subvention von Lebensmitteln und Treibstoff.

Wo ist das restliche Vermögen des Diktators?

Dass die Gelder aus der Schweiz an Tunesien zurückgehen, ist erst der Anfang. Noch sind längst nicht alle Gelder, die der Ben-Ali-Clan von Tunesiens Wirtschaft abgezweigt hat, lokalisiert. Man geht davon aus, dass mehrere Milliarden in arabischen Ländern, in Südamerika und in Frankreich versteckt sind.


Gespräch mit SRF-Maghreb-Korrespondent Beat Stauffer

5:44 min, aus SRF 4 News aktuell vom 12.04.2014

Doch werden diese wohl kaum in absehbarer Zeit nach Tunesien zurückfliessen. «Solange die wichtigsten Figuren des Clans immer noch im Ausland sind – vor allem Ben Ali selber und seine Gattin –, kann man nicht davon ausgehen, dass diese Milliardenvermögen nach Tunesien zurückgeführt werden können», sagt Stauffer.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Der ehemalige tunesische Diktator Ben Ali mit seiner Frau Leila. Die Gelder des Ben-Ali-Clans auf Schweizer Konten gehen zurück an Tunesien.

    Freigabe der Gelder des tunesischen Ben-Ali-Clans

    Aus Rendez-vous vom 11.4.2014

    Die Bundesanwaltschaft gibt die blockierten Gelder des Clans des ehemaligen tunesischen Diktators Ben Ali frei. Das bestätigte Bundesanwalt Michael Lauber gegenüber Radio SRF.

    Erstmals gehen damit Potentatengelder aus dem Arabischen Frühling ins Ursprungsland zurück: Tunesien erhält 40 Millionen Dollar.

    Philipp Burkhardt