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Schweiz Klimaabkommen: Mit der Unterschrift ist es nicht getan

Zur Unterzeichnung des Klimaabkommens von Paris reisen rund 150 Staatschefs und Minister an den UNO-Sitz in New York. Was die Unterschrift von Umweltministerin Doris Leuthard wert ist, wird sich erst später im Schweizer Parlament zeigen. Denn wie die Ziele erreicht werden sollen, ist weiter offen.

Mit der Unterschrift der Umweltministerin in New York verpflichtet sich die Schweiz, den CO2-Ausstoss in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts unter dem Strich auf null zu reduzieren. So will es das im Dezember vereinbarte Klimaabkommen von Paris.

Klimaabkommen wird unterzeichnet.
Legende: Was sind die hehren Ziele von Paris wert? Viel, doch sie müssen umgesetzt werden. Keystone

Patrick Hofstetter, Leiter Klima und Energie beim WWF, bezweifelt, dass die Schweiz dies schafft: «Wenn sie so weitermacht, und jedes andere Land nur gerade auch so viel macht wie die Schweiz vorhat, reicht es bei weitem nicht, die Ziele zu erreichen.» Insbesondere beim Heizen und Autofahren werde in der Schweiz noch viel zu viel CO2 ausgestossen. Da müsste die Politik nach seinen Worten viel energischere Massnahmen ergreifen.

Lieber freiwillig als Zwang

Besser als politischer Zwang sei Freiwilligkeit, glaubt dagegen Kurt Lanz. Der Verantwortliche für Umwelt und Energie beim Wirtschaftsdachverband economiesuisse betont, dass die Wirtschaft mit ihrem Modell der freiwilligen Massnahmen bereits Einsparungen von 25 Prozent erzielt habe.

Die Schweiz stosse pro Kopf bereits heute vergleichsweise wenig CO2 aus, ergänzt Lanz und weist auf die innovativen Firmen hin, die effizient Technologien produzierten und global verkauften und damit multiplizierten: «Sie erzielen damit deutlich grössere Effekte als die Schweiz als kleines Land mit Einsparungen dies je könnte.»

Hier stimmt WWF-Vertreter Hofstetter zu: Auf Technologie im Ausland setzen sei richtig. Sich deshalb beim Klimaschutz im Inland weniger anzustrengen, sei aber völlig falsch.

Parlament hat das letzte Wort

Der aktuelle Fahrplan sieht vor, dass die Schweiz die CO2-Emissionen bis 2020 um rund zwei Prozent pro Jahr reduziert. Dass es nach 2020 im Inland nur noch rund ein Prozent sein soll, versteht Hofstetter überhaupt nicht und ist überzeugt, dass sich dies mit den Pariser Zielen nicht verträgt: «Es ist die falsche Reaktion und die falsche Richtung. Es muss ambitiöser werden und nicht weniger ambitiös.»

Die feierliche Unterzeichnung des Klimaabkommens ist also nur der Anfang. Frühestens im nächsten Jahr soll das Parlament das Abkommen ratifizieren. Anschliessend muss auch das CO2-Gesetz für die Zeit nach 2020 angepasst werden. Dann erst wird klar werden, was die heutige Unterschrift von Doris Leuthard konkret bedeutet.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von A Züger (zua)
    Schlagzeile gestern: "Abzocken ist Gift für Gesellschaft". Stimmt genau, kann man zu diesem "Klimaabkommen" nur sagen. Wieder eine Gelegenheit für Minister samt Beamtenstab per 1.Klasse in der Weltgeschichte rumzureisen, für massiv staatlich alimentierten "Non-Govermental-Organizations" NGOs, ihre Geschäftsfeld auf Kosten der steuerzahlenden Gesellschaft breitzumachen, und für korrupte Politiker in "Opferländern", sich zu bereichern. Für Bevölkerungen bleibt nichts Nutzbringendes übrig.
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    1. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ A Züger: Ich glaube, Ihre Ängste haben nichts mit dem Problem des Klimawandels zu tun. Der Staatsapparat hat immer die Tendenz, sich aufzublasen. Die Erderwärmung ist aber eine Folge des von Menschen verursachten Treibhausgasausstosses. Opfer sind wir alle, die einen mehr (z.Bsp. Gebirgsländer mit auftauendem Permafrost), die anderen weniger. Es geht also schlicht und einfach um die Zukunft von uns und unsren Nachkommen. Das ist der Nutzen, den uns eine CO2-Reduktion bringt.
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    2. Antwort von A Züger (zua)
      @T.Leu: Bis heute gibt es keine faktische Reduktion des CO2 Ausstosses, nicht mal DE mit Energiewende, durch Ersatz von AKW- durch Kohlestrom ist Ausstoss sogar noch leicht angestiegen. Industriestaaten haben mit CO2-Abgaben nur auf Papier weniger CO2 ausgestossen, sie haben nur Geld in ärmere Länder geschickt (wie bei Ablasshandel im Mittelalter, Verfehlungen waren nicht ungeschehen, es war nur Freikauf). Bessere Autos, Heizungen, Effizenzen, die haben was gebracht, ohne staatliches CO2-Geld.
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    3. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ A Züger: Da haben Sie Recht. Wenn der CO2-Ausstoss nicht drastisch reduziert wird, gerät das ganze aus dem Ruder. Das sehen inzwischen auch Nicht-Klimaforscher an den immer neuen Temperaturrekorden, dem beschleunigten Abschmelzen der Gletscher, des Grönlandeises und der Polkappen. Nur wenn CO2 nicht mehr gratis in die Luft gepustet werden kann, wird sich eine dauerhafte Reduktion einstellen. Wie wir alle wissen, existieren ja die "besseren" Autos auch nur auf dem Papier. Leider!
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Dank dem WWF sollen in der Schweiz ganze Wälder abgeholzt werden, um darin Windräder aufzustellen. Dank dem vom WWF unterstützten Ausstieg aus der Kernkraft bläst Deutschland soviel CO2 in die Luft wie seit 1990 nicht mehr. Ganze Hügel wurden abgeholzt und mit Strassen versehen, um Windräder aufzustellen. Tausende von Vögel getötet, Fledermausarten ausgerottet. Und noch eine Bemerkung: Der Privatverkehr ist lediglich für 3% des weltweiten CO2 Ausstosses verantwortlich.... etc.
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    1. Antwort von René Balli (René Balli)
      Herr Ducrey, haben Sie die Herstellung und Entsorgung der Fahrzeuge, den Bau der Strassen und Tunnels und deren Landverschleiss, den Abrieb der Pneus, Massnahmen gegen Lärm....etc. mit einberechnet? Sicherlich nicht! Sie sind nicht der einzige der meint, dass der Brennstoffverbrauch eines Fahrzeuges die einzige Belastung ist. Der Energiebedarf für die Herstellung eines Kleinwagens (Rohstoffe, Veredelung, Bearbeitung,Transport) entspricht etwa der Menge von 10'000 Liter Benzin!
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    2. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Balli: Sie haben in gewissem Sinne recht, aber Ihr Gedankengang ist nicht ganz richtig. Die Industrie (von der ein erheblicher Teil für den Privatverkehr produziert) wird in der CO2 Statistik auch ausgewiesen und zur Kasse gebeten. Das ganz einfach darum, weil etwa die Produkte eines Stahlproduzenten diverse Abnehmer finden. So hat selbst das Messer in Ihrer Schublade eine gewisse CO2 Bilanz, sie müssen aber deswegen keine CO2 Abgabe zahlen, wenn Sie Tischbesteck kaufen.
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    3. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Balli: Insofern ist einer der besten Umweltmassnahmen, die man als Privatperson ergreifen kann, das Sorgetragen zu seinen Gegenständen. Etwa ein Auto zu fahren, solange es geht und eine Abkehr von der Wegwerfkultur. Betreffend Automobil ist derzeit aber diese Wegwerfkultur auszumachen, insbesondere bei den Elektromobilen, die weggeworfen werden, sobald die Batterie am Ende ist (ähnlich den Mobiltelefonen).
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    4. Antwort von marlene Zelger (Marlene Zelger)
      Dieser Vorschlag, Wälder abzuholzen für Windräder kommt nicht nur vom WWF. Auch die grüne Regula Rytz schlug vor, Windräder in den Wald zu stellen, um die Landschaft nicht zu verschandeln. Da bleibt einem doch der Verstand still. Der WWF mischte sich damals, als es um die Abstimmung zur ECOPOP-Initiative ging, mit und empfahl, diese abzulehnen - der WWF !!!! Umgehend kündigte ich die Mitgliedschaft bei diesem unglaubwürdigen Naturschutzverein.
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    5. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Zelger: Konkret kommt der Vorschlag vom Grünen Genfer Nationalrat Robert Cramer (Postulat 10.3722, vom Bundesrat gut geheissen am 10.10.2012). Wälder abholzen, um darin Industrieanlagen aufzustellen.... (es gibt viele Linke und Grüne, die verdienen viel Geld mit Windkraftanlagen, etwa die Firma ADEV...) Ich empfehle zudem das Buch "Das Grüne Paradoxon: Plädoyer für eine illusionsfreie Klimapolitik" von Hans-Werner Sinn. Econ Verlag, 2008, ISBN 978-3-430-20062-2.
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  • Kommentar von D. Schmidel (D. Schmidel)
    Befindet sich dieses tolle Industriegebiet am Murtensee?
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