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Schweiz Kommandant erhält Geldstrafe wegen übertriebenem Soldaten-Ritual

Die Militärjustiz büsst einen Kompaniekommandanten: Er autorisierte ein Ritual, wonach Soldaten unter anderem Katzenfutter und vergorenen Fisch essen mussten.

Legende: Video Katzenfutter für Soldaten abspielen. Laufzeit 3:04 Minuten.
Aus 10vor10 vom 27.06.2013.

Die Militärjustiz hat den damaligen Kommandanten einer Panzergrenadier-Einheit zu zu einer bedingten Geldstrafe von sechs Tagessätzen zu 160 Franken verurteilt. Die Probezeit beträgt zwei Jahre. Zudem brummte es ihm eine Busse von 500 Franken auf.

Der Grund ist ein Ritual an einem Kompanieabend. Im September 2011 führten Soldaten auf dem Waffenplatz im jurassischen Bure die sogenannte «Hamburgertaufe» durch. Die Taufe ist ein Aufnahmeritual für Soldaten, die ihren ersten Dienst absolvieren.

Vergorener Fisch und viel Alkohol

Die neuen Soldaten mussten unter anderem Katzen-Trockenfutter, vergorenen Fisch essen und Alkohol trinken. Manche Soldaten haben sich übergeben. Ausserdem mussten die Männer teilweise in Unterwäsche den anderen Kompanieangehörigen das Abendessen servieren. Von diesem Ritual gelangten Ton- und Bildaufnahmen an die Öffentlichkeit.

Vor dem Kompanieabend genehmigte der Kommandant das Konzept, das ihm die organisierenden Soldaten vorgelegt hatten. Er informierte auch seine Vorgesetzten. Diese schärften ihm ein, sie wollten keine Schikanen und keine Trinkereien.

Verteidigung: Die Truppe will solche Anlässe

Die Anklage verlangte einen Schuldspruch in allen Punkten. Auch wenn der Anlass von der Mannschaft organisiert worden sei, hätte der Kompaniekommandant Einfluss auf das Geschehen nehmen können. Mit dem Ritual sei die Armee in ihrem Ansehen geschädigt worden.

Die Verteidigung plädierte hingegen auf Freispruch. Solche Rituale gebe es auch in anderen Gruppen und seien im Rahmen des Üblichen zulässig. Die Truppen wollten solche Anlässe, sie würden sie sogar erwarten. Das gehöre zu einer solch eingeschworenen Gruppe dazu.

Nicht in allen Punkten schuldig

Das Militärgericht kam zum Schluss: Der Kompaniekommandant habe Dienstvorschriften nicht eingehalten. Allerdings sprach es den Mann auch in verschiedenen Anklagepunkten frei, etwa vom Vorwurf des Ungehorsams. Es räumte ein, dass die Vorgaben seiner Vorgesetzten nicht klar gewesen seien.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von O. Toneatti, Bern
    Dieser Vorfall zeigt wieder einmal deutlich, was für seltsame, sexuell gestörte oder sonst abartige Personen sich in unserer Armee befinden. Wer unter dem Gruppendruck zu solchen widerlichen Sachen gezwungen wird, ist zu bedauern. Wo ist jetzt der Aufschrei der Frauen in diesem Forum, die jungen Männern das Kriegshandwerk (das Töten von Menschen) und solche grausigen Vorfälle als Selbstverständlichkeit zumuten? Warum müssen junge Frauen nicht auch solche "schönen" Sachen erleben? Warum?
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    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      @O.Toneatti/Glaube nicht,dass diese Art von"Störungen"ausschliesslich in der Armee zu finden sind.Dort offenbaren sie sich möglicherweise auf eine bestimmte Weise und in einer direkt wahrnehmbaren Form.Naiv wäre zu glauben,dass diese Störungen nicht in der gesamten Gesellschaft vorhanden sind.Junge Frauen,überhaupt das weibliche Geschlecht,stehen da in keiner Weise hinten nach.Dieses Geschlecht lebt seine"Nöte" ebenso"pervers"nur vielleicht etwas"versteckter"aber nicht minder"gefährlich"aus.
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  • Kommentar von Albert Planta, Chur
    Stimmt es, dass der Murer von der besten Armee der Welt diese Informationen aus den Massenmedien entnahm?
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    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      @A.Planta/Könnte schon sein.Offensichtlich existiert trotz"Datenwahn"noch keine einschlägige Liste über neurotisch-psychopatische profilierungssüchtige Bubis die ihren post-pubertären Hormonstürmen,ferngesteuert ausgeliefert sind.Wenn schon ein Waffenregister,dann eines,welches den Einklang zwischen Verantwortungsbewusstsein,geistiger Reife und Effizienz des Denkvermögens evaluiert und berücksichtigt.In diesem Bereich hat unsere Gesellschaft ein hohes Nachhol- bzw.Entwicklungspotential.
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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    Einerseits wird ein riesiger Aufwand bez.Gesundheit und Gesundheitsprävention betrieben.Anderseits wird die Gesundheit auf die widerlichste und primitivste Art gefährdet.Neben den möglichen,gesundheitlichen Folgen/Spätfolgen(trägt danach das Umfeld/Gesellschaft),werden hier die niedrigsten Bereiche der menschlichen Profilierungssucht gefördert.Jene mit dem geringsten Würdepotential,bringen es offenbar immer wieder fertig,über Gruppendruck,ein menschliches"unter Null-Niveau"zu erzeugen.
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