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Schweiz Kommt jetzt die Aufsichtsbehörde für die Rohstoffhändler?

Schweizer NGOs fürchten um den guten Ruf des Landes. Im Visier: Schweizer Firmen, die im Rohstoffhandel tätig sind. Das Werkzeug dazu: Eine neue Aufsichtsbehörde im Stil der Schweizer Finanzmarktaufsicht.

Legende: Video Schweizer Rohstofffirmen haben in Drittweltstaaten viel Freiraum abspielen. Laufzeit 04:07 Minuten.
Aus 10vor10 vom 01.09.2014.

In der Schweiz tätige Rohstofffirmen sollen einer umfassenden Regulierung unterstellt werden. Das fordert die Erklärung von Bern (EvB). Sie schlägt die Schaffung einer Rohstoffmarktaufsicht (Rohma) vor. «Die Rohma wäre Garantin für einen verantwortlichen und wettbewerbsfähigen Rohstoffplatz», schreibt die Organisation.

Es handle sich um einen visionären Vorschlag, präzisiert Andreas Missbach im Gespräch mit SRF. Er ist Leiter der Abteilung Rohstoffe bei der EvB. «Wir wissen, dass wir das nicht in der nächsten Zeit erreichen können.» Die EvB hoffe aber, mit der fiktiven Schaffung der Rohma eine Debatte anzustossen, in der die Option einer Regulierung auf dem Tisch bleibe.

Die Ähnlichkeit mit Namen und Logo der Finanzmarktaufsicht Finma ist gewollt. Die EvB habe sich von der Finma inspirieren lassen, sagt Missbach. Sie sei das am weitesten ausgearbeitete Beispiel einer Sektorregulierung. Der Rohstoff- und der Finanzsektor seien aber zu unterschiedlich, als dass die Finma einfach auch noch die Aufgaben einer Rohstoffmarktaufsicht übernehmen könnte.

Umfassende Sorgfaltsprüfungen für die Firmen

Die EvB schlägt vor, dass die Rohma Firmen lizenziert und beaufsichtigt, die Rohstoffe fördern oder handeln. Auch Goldraffinerien sollen der Behörde unterstehen. Die Firmen müssten umfassende Sorgfaltsprüfungen vornehmen.

So soll sicher gestellt werden, dass die Firmen ihre Zulieferkette und ihre Geschäftspartner kennen, erklärt Missbach. Die EVB ist überzeugt: So könnten Menschenrechtsverletzungen oder die Missachtung von Umweltnormen verhindert werden.

Einen Verwaltungsrat hat die Rohma bereits. Er ist mit Experten besetzt, die den Vorschlag der EvB unterstützen. Verwaltungsratsmitglieder sind unter anderen der frühere Tessiner FDP-Ständerat Dick Marty und Monika Roth,
Compliance-Expertin und Professorin für Finanzmarktrecht in Luzern.

Bundesrat macht Wettbewerb geltend

Der Bundesrat hatte Ende Juni bekanntgegeben, sich an den internationalen Transparenzvorschriften für die Rohstoffbranche orientieren zu wollen. Schweizer Unternehmen dürften nicht im Nachteil sein gegenüber Firmen an anderen bedeutsamen Wirtschaftsstandorten, machte er geltend.

Die Transparenzbestimmungen will die Landesregierung in die Aktienrechtsrevision aufnehmen. Wie sie genau aussehen werden, will der Bundesrat Ende Jahr bekanntgeben. Für diesen Zeitpunkt kündigte er eine Vernehmlassung an. Ins Visier nehmen will er vorerst börsenkotierte und grosse in der Rohstoffförderung tätige Firmen.

Rohma-Website

Bei der Rohma handelt es sich um eine – vorläufig – fiktive Aufsichtsbehörde in Anlehnung an die real existierende Finanzmarktaufsicht Finma. Sie ist komplett bestückt mit Verwaltungsrat und eigener Website. Mehr erfahren Sie hier.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Briner, Neerach
    Wenn ich nur schon Bern höre sträubt's mir mittlerweile die Nackenhaare - jenseits der Wertschöpfung stehende Menschen beraten dort; ausser noch mehr Steuern und Gebühren, noch mehr hohle Gesetze und solche Juristen, noch mehr ausführende Beamtete die ja nur ihren Job machen, und immer mehr dieser subventionierten NGO's!
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  • Kommentar von Jens Brügger, Schaffhausen
    Und diese Behörde wird dann von einem Ex-Rohstoffhändler geführt, wie bei den Banken. Lachhaft.
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    1. Antwort von M.Müller, Zürich
      Diese Behörden sind ja auch nicht zur Kontrolle sonder zur Beruhigung der kochenden Volksseele. Oder haben Sie etwas anderes erwartet?
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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Eines ist klar. Würden wir die realen Gestehungskosten bezüglich sozialer, politischer, ökologischer und ökonomischer Aspekte jedwelcher Produkte auf Erden FAIR bezahlen, sähe unser Wohnzimmer und Lebenswandel saumässig bescheiden aus. Die Wohlstandsgesellschaft lebt klar auf Kosten dritter! Lässt man freie Marktwirtschaft schleifen, betreibt sie Raubbau. Wir brauchen Eckpfeiler, wie wir mit uns selber und unserem Raumschiff Erde umgehen. Geht mal "Coltan" auf Euren Smartphones googeln.
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