Zum Inhalt springen

Schweiz Kontingente oder vor Ort helfen?

In die Flüchtlingspolitik kommt Bewegung. Kaum eine Partei, die nicht mehr für die Flüchtlinge tun will. Nun fordern Flüchtlingsorganisationen gar die Aufnahme von 100'000 syrischen Flüchtlingen. Kann das gehen?

Legende: Video Schweizer Politik streitet über die Aufnahme von Flüchtlingen abspielen. Laufzeit 3:26 Minuten.
Aus 10vor10 vom 06.01.2015.

Angesichts der weltweiten Tragödien, insbesondere in Syrien, muss mehr für die Flüchtlinge getan werden: Darin herrscht in der politischen Schweiz weitgehend Einigkeit. Doch über die Zahl und die Umsetzung gibt es unterschiedliche Meinungen, konkrete Rezepte gibt es keine.

Die Schweiz könne und müsse mehr tun, sagte Amanda Ioset von Solidarité sans frontières. Die Flüchtlingsorganisationen fordern deshalb die Aufnahme von 100'000 syrischen Flüchtlingen. Bereits im Herbst 2013 hatte der Bundesrat beschlossen, innerhalb von drei Jahren ein Kontingent von 500 besonders verletzlichen Flüchtlingen aufzunehmen. Derzeit lässt die Landesregierung im Auftrag des Nationalrates prüfen, mit welchen Massnahmen deutlich grössere Flüchtlingsgruppen aufgenommen werden könnten.

«Schlichtweg unmöglich»

Gemäss den aktuellen Zahlen des Bundesamtes für Migrationen BFM leben gegenwärtig rund 10'000 Syrer mit unterschiedlichstem Status in der Schweiz. Weitere 100'000 syrische Flüchtlinge unterzubringen, sei bei den gegenwärtigen Strukturen von Bund, Kantonen und Gemeinden schlichtweg unmöglich, sagt Marcel Suter Präsident der Vereinigung der Kantonalen Migrationsbehörden (VKM). Selbst wenn die Unterbringung gelöst sei, bräuchten die Flüchtlinge eine entsprechende Betreuung. Hierfür gäbe schlichtweg nicht genügend Personal.

Wer wählt denn die Leute aus, die das Glück haben, in die Schweiz zu kommen? Wer erklärt den übrigen Hilfsbedürftigen, dass sie dort bleiben müssen?
Autor: Adrian AmstutzSVP-Nationalrat

Schon die normalen Asylverfahren von 25'000 bis 30'000 Gesuchen pro Jahr seien für viele Behörden eine Herausforderung. Unterirdische Anlagen müssten teilweise zur Unterbringung aktiviert werden. Um zusätzlich noch 100'000 syrische Flüchtlingen unterbringen zu können, müssten die Kapazitäten deutlich erhöht werden, so Suter weiter.

SVP: Das Vorhaben ist zynisch

SVP-Nationalrat Adrian Amstutz sieht derweil noch ein weiteres Problem, wie er gegenüber SRF erklärt: «Wer wählt denn die Leute aus, die das Glück haben, in die Schweiz zu kommen? Wer erklärt den übrigen Hilfsbedürftigen, dass sie dort bleiben müssen und wir das Geld hier in der Schweiz für die Asylindustrie einsetzen, statt ihnen zu helfen?».

Für Amstutz ist der Vorschlag schlicht zynisch. Man müsse das Geld aus dem Budget der Entwicklungshilfe nun prioritär rund um Syrien herum einsetzen. «Damit kann man die desolate Situation vor Ort verbessern, ohne die Leute in die Schweiz zu holen», glaubt Amstutz.

Private Unterbringung harzt

Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli hingegen betont: «Wir wollen keine juristische Diskussion anzetteln. Unser Vorschlag wären Kontingentsflüchtlinge, die das UNO-Flüchtlingshilfswerk auswählt». Man könnte dabei auch Prioritäten setzten, wie beispielsweise für Familien mit Kindern.

Im vergangenen Sommer propagierte die Schweizerische Flüchtlingshilfe die private Unterbringung von syrischen Flüchtlingen. Doch auch dieser Vorschlag ist noch kein Erfolgsrezept. Bislang konnte ein knappes Dutzend Flüchtlinge platziert werden. Trotz des harzigen Starts – von einem Misserfolg will die Flüchtlingshilfe nicht sprechen. Das Ziel bleibt. Bis Ende 2015 sollen 30 Flüchtlinge privat platziert werden.

65 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von alfred tanner, biel
    100'000 syrische Flüchtlinge können dann in der CH aufgenommen werden, wenn bis 200'000 illegale und Sans-Papier ausgereist sind!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Kurt E. Müller, Zürich
    Was ist eigentlich mit Glättli los? Er ist doch in der Grünen Partei und hätte also für den Erhalt und Schutz der Schweizer Umwelt zu sorgen. Stattdessen setzt er sich praktisch nur noch für den unsinnigen Massenimport von Multikulti Flüchtlingen ein, die hier bei uns zwar extrem viel kosten, aber der Umwelt ganz sicher nichts bringen. Im Gegenteil, jeder zusätzliche Mensch bei uns verbraucht doch viel mehr Resourcen, als wenn ihm vor Ort im Ausland geholfen würde
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von W. Balmer, Busswil
    Die Nachbarn Türkei und Ägypten verfügen über mehrere Hundert nicht ausgelasteter Ferienhotels zweiter Klasse, in welchen Syrische Flüchtlinge untergebracht und versorgt werden könnten. Die Schweiz könnte sich an einer solchen Hilfsaktion finanziell beteiligen, anstatt die Leute in die Schweiz zu holen, wo Kultur und Religion noch zu unterschiedlich sind. Aber eben, daran verdient weder die Migros noch SRF (Bilag) und auch der Apparat der Staatsangestellten kann nicht weiter aufgebläht werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen