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Schweiz Kopftuch-Verbot auf der Schulbank

Zwei somalische Mädchen wurden vom Schulunterricht ausgeschlossen, weil sie mit einem Kopftuch erschienen. Denn an der Primarschule im St. Gallischen Heerbrugg gilt ein Kopftuchverbot. Eine Regelung für die ganze Schweiz fehlt.

Legende: Video Wegen Kopftuch von der Schule gewiesen (10vor10) abspielen. Laufzeit 04:17 Minuten.
Aus News-Clip vom 06.06.2013.

Die Eltern wurden vorgewarnt: Die somalische Flüchtlings-Familie mit sieben Kindern wurde von der Schulleitung informiert, dass die Schule keine Kopftücher dulde. Als die zwei Mädchen und zwei Jungen erstmals zum normalen Klassenunterricht erscheinen, tragen die beiden Schülerinnen trotzdem Kopftücher. Und werden vom Lehrer prompt nach Hause geschickt.

An der Schule in Heerbrugg (SG) gilt ein Kopftuchverbot: So ist es in der Schulordnung festgehalten. «Wir haben eine Weisung vom Bildungsdepartement, die ein Kopfbedeckungsverbot empfiehlt. Das setzen wir in unserer Schulordnung um», so Walter Portmann gegenüber «10vor10». Der Schulratspräsident der Primarschule Au-Heerbrugg sagt, dass diese Regeln schon länger gelten. «Wir haben bisher gute Erfahrungen damit gemacht.»

Hilfswerk Heks ist empört

Für Tilla Jacomet von der Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende des Hilfswerks Heks hingegen ist es untragbar, Schülerinnen wegen eines Kopftuches von der Schule zu weisen. «Für die Integration ist es katastrophal, dass die Mädchen von der Schule ausgeschlossen sind. Regeln müssen verhältnismässig sein und den Menschen berücksichtigen. Sonst sind die Regeln falsch.»

Der Fall lanciert die Diskussion, ob ein Kopftuchverbot in der Schule rechtens ist. In der betroffenen Schulgemeinde Au-Heerbrugg werden nun Gespräche geführt, wie sinnvoll die strikte Umsetzung im vorliegenden Fall ist. Das sagte Schulratspräsident Portmann. Man denke darüber nach, den Mädchen ein Jahr Zeit zu geben, um dann nochmals über die Situation zu sprechen.

Bisher gibt es kein schweizweit gültiges Gerichtsurteil, welches den Umgang mit Kopftuch tragenden muslimischen Schülerinnen regelt.

In einem Fall aus dem Kanton Thurgau sprach das Verwaltungsgericht zwei albanischen Mädchen das Recht zu, im Unterricht Kopftücher tragen zu dürfen. Es gebe keine gesetzliche Grundlage, ihnen dies zu verbieten. Der Fall liegt derzeit vor Bundesgericht.

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42 Kommentare

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  • Kommentar von Gugelmann, Giswil
    Das HEKS liegt voll daneben. Die Integration wird dadurch gefährdet, dass Ausländer sich gegen unsere Sitten und Rechtsordnung stellen.
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  • Kommentar von Ueli Fankhauser, Bern
    Böse, ignorante, egoistische Kommentare, einander nachgeplappert. Wahrscheinlich ähnlich wie Ende 30er gegen die Juden. Die Schweizer dürfen so eine harte Rethorik fahren, weil sie nie für ihre Verbrechen im 2. Weltkrieg geradestehen mussten. Geradestehen können die Schweizer eh nur wenn es um schwächere geht, wie Minderheiten ohne Schutz. Auf die kann man einfach reinschlagen, das machen frustrierte Schwächlinge so. Bei den Grossen zieht man dafürden Schwanz ein.
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  • Kommentar von Lucas Kunz, Sallneck
    Rechtlich steht die Schulordnung auf tönernen Füssen. Seit 1874 ist die allgemeine Schulpflicht in der Bundesverfassung verankert - also Bundesrecht. Selbiges steht aber über Kantonsrecht, und natürlich über Schulordnungen und Anordnungen von SVP-Schuldirektoren. So ein Sofflappen soll höher gewichtet als die Schulpflicht sein?
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