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Schweiz Krankenkassen-Prämien steigen 2016 um 4 Prozent

Nun ist klar, wie sich die Krankenkassen-Prämien im nächsten Jahr entwickeln werden: Für Erwachsene steigen diese durchschnittlich um 4 Prozent. Das ist etwa gleich stark wie 2015. Gleichzeitig verkündete Gesundheitsminister Alain Berset Optimierungen im Gesundheitssystem.

Auch nächstes Jahr steigen die Krankenkassen-Prämien wieder. Bundesrat Alain Berset mahnte zur Geduld. «Wir brauchen Zeit», wiederholte er mehrmals vor den Medien. Die Gesundheitskosten stiegen vorerst weiter an – und damit die Prämien. Die Gründe, die er dafür nannte sind bekannt: Der technologische Fortschritt kostet, ebenso wie die Alterung der Bevölkerung. Es brauche Zeit, bis Reformen im Gesundheitswesen sich in den Kosten niederschlügen.

Wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in Bern erklärte, steigen die Prämien für Erwachsene durchschnittlich um 4 Prozent. Das ist etwa gleich stark wie 2015. Auch die Prämien für junge Erwachsene steigen – allerdings mit 3,6 Prozent etwas weniger stark. Der Anstieg für die Kinderprämien beträgt 3,9 Prozent.

Neuenburg am stärksten betroffen

Am stärksten steigen die Prämien über alle Altersklassen hinweg im Kanton Neuenburg: Erwachsene müssen dort im Schnitt 8,2 Prozent mehr bezahlen für eine Grundversicherung mit 300 Franken Franchise und Unfalldeckung. Junge Erwachsene zwischen 19 und 25 Jahren zahlen 7,7 Prozent mehr. Die Kinderprämien steigen sogar um 14,1 Prozent.

Am wenigsten stark steigen die Prämien im Kanton Appenzell Innerrhoden, wo Erwachsene künftig 2,2 Prozent mehr und junge Erwachsene 0,1 Prozent mehr bezahlen müssen. Die Kinderprämien sinken als einzige schweizweit, und zwar um 2,1 Prozent.

Erwachsene zahlen in Basel-Stadt am meisten

Die Appenzell Innerrhoder zahlen auch übers Gesamte gesehen am wenigsten für ihre Grundversicherung – und zwar über alle Altersgrenzen hinweg. Erwachsene bezahlen dafür im Schnitt 326,70 Franken pro Monat. Am höchsten sind die Prämien in Basel-Stadt mit 545,61 Franken.

Unter vier Prozent liegt der durchschnittliche Prämienanstieg neben dem Kanton Appenzell Innerrhoden in den Kantonen Bern, Basel-Stadt, Glarus, Obwalden, St. Gallen, Thurgau, Uri, Zug und Zürich. In den Kantonen Appenzell Ausserrhoden, Jura, Neuenburg, Nidwalden und Solothurn beträgt die Erhöhung über 5 Prozent, in den restlichen elf Kantonen zwischen vier und fünf Prozent.

Moderatere Erhöhung für Junge

Nachdem die Prämien für junge Erwachsene in den vergangenen Jahren stets stärker angestiegen sind als jene für Erwachsene, fällt die Erhöhung von 3,6% für 2016 moderater aus.

Hingegen steigen die Prämien für Kinder fast so stark an wie diejenigen für Erwachsene: 2014 lag die Erhöhung noch bei 2,4 Prozent, 2015 bei 3,8 Prozent und im kommenden Jahr nun bei 3,9 Prozent.

Seit Einführung des Krankenversicherungsgesetzes im Jahr 1996 erhöhte sich die Standardprämie um durchschnittlich 4,6 Prozent pro Jahr. In den vergangenen zehn Jahren lag der Anstieg im Schnitt bei 3,4 Prozent, wie das BAG schreibt.

Allerdings ist zu beachten, dass sich nur wenige Personen mit dem Standardmodell versichern. Viele Versicherte bevorzugen alternative Prämienmodelle etwa mit höheren Franchisen oder dem Hausarztmodell. Gerade beim Hausarztmodell steigen laut BAG die Prämien 2016 überdurchschnittlich stark.

Mehr Transparenz für 2016

Gesundheitsminister Alain Berset kündigte gleichzeitig weitere Optimierungen im Gesundheitssystem an. «Nächstes Jahr tritt das Krankenversicherungsaufsichtsgesetz (KVAG) in Kraft. Dieses Gesetz bringt mehr Transparenz für die Versicherten.», so Bundesrat Berset, «Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) kann damit auch übermässige Prämien senken.»

Legende: Video Einschätzungen von SRF-Korrespondent Hanspeter Trütsch abspielen. Laufzeit 01:51 Minuten.
Aus Tagesschau vom 24.09.2015.

Einen Ausblick auf das Jahr 2017 machte der Bundesrat ebenfalls. Dann soll es nur noch vier Franchisen geben. Die tiefste Franchise (300 Franken) und die teuerste Franchise (2500 Franken) sollen aber auch in Zukunft erhalten bleiben. Das mache das System, gemäss Berset, übersichtlicher. Und auch die Rabatten sollen angepasst werden, damit die Solidarität zwischen den Gesunden und den Kranken erhalten bleibe.

Keine einfache Lösung in Sicht

Die Schuld für die stetig steigenden Prämien nur bei der Politik zu suchen, das sei zu kurz gegriffen, meint SRF-Korrespondent Hanspeter Trütsch. «Alle seien für tiefere Prämien, ein einfaches Rezept dazu gibt es aber nicht.» Zu viele Interessengruppen mit unterschiedlichen Konzepten seien im Gesundheitswesen involviert.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Maurer (MassderDinge)
    Wie viele Millionen oder gar Milliarden werden wohl von den KK bezahlt, an Menschen, die hier zwar volle Betreuung bekommen, aber selber keinen Stutz in die Kasse zahlen? Von oben dem brauchbaren Steuerzahler als Pflicht verordnet, ohne, das dieser sagen kann, ob er das unterstützen will! Und noch werden laufend mehr von denen geholt! Musst neulich sogar im Wartezimmer hinter schwarzen Mami mit 4 Kindern warten! Geht es eigentlich noch? Zurück, zu gesunder Buchhaltung!
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  • Kommentar von Rosa Rot (Rosarot)
    Sehr gut wäre eine Bewertung des Arztes vom Patienten, damit der Patient angeben kann was er als unsinnig oder überflüssig empfunden hat. Besonders Psychiater oder Therapeuten müssten da einmal umdenken! Eine Grippe zu Hause kurieren und nicht heldenhaft an die Arbeit gehen nur um präsent zu sein und dabei alle andern anstecken.
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  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    Ganz aktuell: Das Medikament Daraprim gibt es seit Mitte der 1950er Jahre und wird bei geschwächtem Immunsystem eingenommen. Sowohl AIDS-, wie auch Krebspatienten und Marlariaerkrankte sind häufig auf die Arznei angewiesen, um die bei ihnen auftretende Infektionskrankheit Toxoplasmose zu behandeln. In den USA kostete eine Tablette bisher 13,50 $. Der ehemalige Hedgefonds-Manager Martin Shkreli hat jetzt die Rechte von Daraprim gekauft, jetzt kostet eine Tablette 750 $ was das 55 fache ist!
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