Krankenkassenprämien: «Beruhigungspille» beruhigt niemanden

Die Beiträge steigen wieder an. Nicht alle finden, dass der Anstieg verkraftbar ist. Einen Rückgriff auf die Reserven der Kassen hat das Bundesamt für Gesundheit aber nicht gestattet.

Hohe Gesundheitskosten drücken auf das Gesundheitssystem. Das bekommen auch die Prämienzahler zu spüren: 2,2 Prozent steigen die Prämien nächstes Jahr im Schnitt. Moderat sei das, findet Gesundheitsminister Alain Berset.

Da ist – allen voran – die SP, die Partei des Gesundheitsministers: Sie bezeichnet den Prämien-Anstieg als «Beruhigungspille». Angesichts der negativen Teuerung ist es aber eine wirkungslose Pille.

Diese Argumentation teilt auch FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Egerszegi, die Aargauer Ständerätin: «Das ist nicht schlecht, aber alles, was über dem Teuerungsausgleich liegt, ist eigentlich zu viel.»

Auch für Carlo Conti, den Präsidenten der Gesundheitsdirektoren-Konferenz, sind die 2,2 Prozent Prämiensteigerung zu hoch. Er verwies auf die Reserven der Krankenkassen, die zumindest für seinen Kanton Basel-Stadt eine tiefere Prämienrunde zugelassen hätte.

Zwingend kostendeckende Prämien

Das Bundesamt für Gesundheit hat dies aber nicht erlaubt. «Bereits im Vorfeld der Genehmigungsprozesses haben einzelne Versicherer mitgeteilt, die Prämien tief halten zu wollen und dafür ihre Reserven zu vewenden. Dies können wir nicht akzeptieren», hat BAG-Chef Pascal Struppler klargemacht. Die Prämien müssten die Kosten decken können.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Die Prämien steigen. Besonders hart trifft es jene Leute, die eigentlich sparen möchten, z.B. mit dem Hausarztmodell.

    Höhere Prämien für Hausarzt- und HMO-Modelle

    Aus Echo der Zeit vom 26.9.2013

    Wer bei den Krankenkassen-Prämien sparen will, erhöht die Franchise oder wechselt in ein Managed-Care-Modell. Nun hat aber Bundesrat Berset angekündigt, die Prämien für die Hausarzt- und HMO-Modelle überdurchschnittlich anzuheben.

    Die Kassen befürchten, damit falle der finanzielle Anreiz weg, um auf Managed Care umzusteigen.

    Monika Zumbrunn

  • Gesundheitsminister Alain Berset äussert sich zur Entwicklung der Krankenkassenprämien für das Jahr 2014, am 26. September 2013 in Bern.

    Kinder und junge Erwachsene zahlen mehr für Krankenkasse

    Aus Echo der Zeit vom 26.9.2013

    Krankenkassenprämien steigen durchschnittlich um 2,2 Prozent. Der Bundesrat spricht von einem «moderaten» Anstieg - er liegt unter dem langjährigen Durchschnitt. Mit weit höheren Aufschlägen müssen aber Kinder und junge Erwachsene rechnen.

    Rafael von Matt