Kritik an Golddrehscheibe Schweiz

Das Hilfswerk Fastenopfer stellt den Edelmetallverarbeiter Metalor an den Pranger. Der Abbau des von der Firma importierten Goldes führe in Burkina Faso zu Umweltschäden und Menschenrechtsverletzungen. Metalor weist die Vorwürfe zurück.

Ein Minenarbeiter hält ein Goldnugget in die Kamera.

Bildlegende: Die Schweiz ist ein grosser Goldumschlagplatz. 90 Prozent des Edelmetalls aus Burkina Faso landet hier. Reuters

Die Schweiz ist die wichtigste Golddrehscheibe der Welt. Zwei Drittel der weltweiten Produktion wird hierzulande raffiniert. Im letzten Jahr wurde Rohgold im Wert von rund 68 Milliarden Franken importiert. Immer wieder wird die Herkunft des Edelmetalls in Frage gestellt – diesmal vom Hilfswerk Fastenopfer im Falle einer Mine in Burkina Faso.

Fastenopfer: «Menschenrechtsverletzungen»

Doro Winkler, Autorin der Studie, sagt: «Für diesen industriellen Goldabbau wurden 14'000 Menschen umgesiedelt. Diese mussten ihre Dörfer verlassen und wurden an neuen Orten mit schlechteren und trockenen Böden angesiedelt.» Auch seien die Menschen für ihr Land teilweise nicht voll entschädigt worden. Zudem habe der schwierigere Zugang zu Wasser ihre bereits prekäre Lebenssituation weiter verschlechtert.

«  14'000 Menschen wurden an Orte mit schlechteren Böden umgesiedelt und teilweise nicht voll entschädigt. »

Doro Winkler
Fachverantwortliche Menschenrechte und Wirtschaft bei Fastenopfer

Branche weist Vorwürfe zurück

Das Gold dieser Mine wird von der Neuenburger Raffinerie Metalor verarbeitet Daher sei Metalor mitverantwortlich für diese Menschenrechtsverletzungen, stellt das Hilfswerk fest. Metalor weist die Vorwürfe nur schriftlich zurück. Fastenopfer zeichne ein komplett falsches Bild der Lage vor Ort.

Mit einer gewissen Regelmässigkeit wird die Schweizer Goldraffinerie-Branche mit dem Vorwurf konfrontiert, «schmutziges Gold» zu verarbeiten. Und mit derselben Hartnäckigkeit dementieren dies die Schweizer Goldraffineure.

Laut der Schweizer Gesetzgebung sind die Goldraffinerien nicht verpflichtet, abzuklären, ob das Gold, das sie einkaufen, menschenrechtskonform gefördert wurde.

Die Edelmetallverbeiter täten dies aber auf freiwilliger Basis, sagt Christoph Wild, Vize-Direktor des Branchenverbands der Edelmetallverarbeiter: «Wir besuchen die Partner und klären ganz genau ab, woher das Gold kommt, wie es abgebaut wird und wie es auf einer transparenten Wertschöpfungskette in die Schweiz kommt.»

«  Wir besuchen die Partner und klären ganz genau ab, woher das Gold kommt. »

Christoph Wild
Branchenverband der Edelmetallverarbeiter, Vize-Direktor

Diese brancheninternen Kontrollmechanismen seien sehr effektiv, betont Wild. Er verweist auch auf den Markt: «Wenn sich ein Teilnehmer nicht an diese Richtlinien hält, wird er in Kürze aus dem Markt herausgekickt. Dann hat er keine Chance.»

Bundesrat kündigt Bericht an

Bisher hat die Marktmacht allerdings nicht gespielt. Zudem beeinflussen die Berichte von Nichtregierungsorganisationen die Geschäfte der Goldraffinerien nicht negativ. Denn 2015 sind die Goldimporte in die Schweiz erneut gestiegen – um rund 300 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr.

Die Lage im Schweizer Goldsektor hat aber die Politik bereits auf den Plan gerufen. So erachtet es der Bundesrat als «richtig, verantwortungsvoll und nützlich, einen klaren Überblick über die Situation des Goldsektors in der Schweiz zu haben». Er wird darüber einen Bericht erarbeiten lassen.