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Schweiz Kritik an Lockerung der Herkunftsbezeichnung für Lebensmittel

Der Pferdefleisch-Skandal in Europa ruft auch den Konsumentenschutz in der Schweiz auf den Plan. Er warnt, dass die Deklarationspflicht bei Lebensmitteln auf keinen Fall gelockert werden dürfe. Doch genau das plant der Bundesrat.

Der aktuelle Skandal um nicht deklariertes Pferdefleisch in tiefgefrorenen Fertiggerichten zeigt die Problematik: Die Tiere wurden offenbar in Rumänien geschlachtet und die Fertiglasagne dann im Auftrag einer französischen Firma in Luxemburg hergestellt. Schliesslich gelangte das Produkt in Grossbritannien in den Verkauf.

Fertigpizza
Legende: Fertigpizza: Geht es nach dem Bundesrat, muss die Herkunft der Zutaten womöglich schon bald nicht mehr angegeben werden. Keystone

Gerade bei stark verarbeiteten Lebensmitteln (Convenience-Food) ist die Herkunft der einzelnen Lebensmittelbestandteile manchmal eine komplizierte Angelegenheit. Josianne Walpen von der  Stiftung für Konsumentenschutz sagt: «Die aktuelle Problematik zeigt, dass der Produktionsprozess immer komplexer wird.»

Mit Unbehagen schauen die Konsumentenschützer deshalb der Frühlingssession des Nationalrates entgegen. Dort ist die Revision des Lebensmittel-Gesetzes traktandiert: Der Bundesrat und die vorberatende Kommission wollen die Deklarationspflicht lockern.

Pflicht zur Herkunftsbezeichnung aufweichen?

Demnach soll der Bundesrat in Zukunft verfügen dürfen, dass bei stark bearbeiteten Lebensmitteln das Produktionsland nicht mehr oder nicht mehr so genau deklariert werden muss. Damit will die Politik der Schweizer Lebensmittel-Branche entgegenkommen.

Derzeit seien die Deklarations-Regeln in der Schweiz viel strenger als in der EU, sagt Lorenz Hirt. Er ist Co-Geschäftsführer der Föderation der Schweizer Nahrungsmittel-Industrien. «Wir müssen gleichwertige Regeln haben, sonst kommt es zu Hindernissen im Handel», betont er. Es gehe also darum, dass die Schweizer Nahrungsmittel-Industrie konkurrenzfähig bleibe.

Branchenvertreter Hirt versucht zu beruhigen: Die vom Bundesrat und von der vorberatenden Kommission angestrebte Lockerung werde nicht so dramatische Folgen haben. Betroffen seien allenfalls Produkte wie Speiseeis. In solchen Fällen müsste dann nicht mehr jede Zutat bis zu ihrem Herkunftsort zurückverfolgt werden können.

Um Fleischprodukte geht es seiner Ansicht nach nicht. Und überhaupt: Mit dem aktuellen Skandal aus Grossbritannien habe das nichts zu tun, denn da gehe es offensichtlich um einen Betrugsfall.

Konsumentenschutz ist besorgt

Doch mit diesen Aussagen kann Hirt die Konsumentenschützer nicht beruhigen. Sie befürchten, den Konsumenten könnten die Herkunftsinformationen von immer mehr Fertigprodukten verschwiegen werden. Josianne Walpen: «In den letzten Jahren wurden bereits die Bestimmungen bei den Rohstoffen immer schwächer.» Nun wolle man auch noch bei der Herkunftsdeklaration des Produktionslandes schrauben. Darüber zeigt sie sich besorgt.

Im Frühling muss also der Nationalrat über die Deklarationspflicht entscheiden. Dabei könnte sehr wohl eine Rolle spielen, ob auch die Schweiz vom aktuellen Lebensmittel-Skandal tangiert wird oder nicht.

(snep)

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Leider Picken unsere Politiker immer nur die negativen Punkte der EU für uns raus. Egal wohin man sieht, Vorteile entstehen für uns dadurch nicht. Warum z.B. sind bei uns bedenkliche Hilfs- und Zusatzstoffe noch erlaubt, obwohl die in der EU bereits verboten sind? Warum sind unsere Preise nicht der EU angepasst? Warum haben wir keinen freien Zugang zum EU Markt? Usw. Die Antwort: so würde niemand mehr auf unsere Kosten absahnen. Das quersubventionierte Kartellsystem Schweiz würde einbrechen...
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  • Kommentar von Erich Frisch, Rällikon
    Ich bin mir nicht sicher ob Fleisch aus der Schweiz gesünder ist. Ich traue dem schweizer Bauer und Schweinemäster nicht.
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Suchen Sie sich doch einen ansprechenden, direktvermarktenden Biohof in Ihrer Nähe, wo Sie sehen können, wie die Rinder, Schweine, Schafe etc. gehalten und wovon sie gefüttert werden und reduzieren Sie den Fleischkonsum auf 2-3x pro Woche, damit SIe es sich leisten können. Solche Höfe verkaufen meist auch noch Eier, Käse, Obst, Nüsse, Mehle, Most, Saisongemüse, haben einen Milchautomaten etc.
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  • Kommentar von Frodo Beutler, Auenland
    Und was passiert, wenn dann gewisse Deklarationspflichten wegfallen? Dann haben wir im Speiseeis plötzlich Pferdefleisch oder was? Schrecklich was man uns alles andreht in letzter Zeit und unser Bundesbern macht bei diesem Wahnsinn auch noch mit statt den Bürger zu schützen. Wenn wir dann alle krank sind, geben sie wieder Millionen für Kampagnen aus um uns auf vitaminreiches, nachhaltes Essen aufmerksam zu machen. So verlogen das alles.
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