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Schweiz Kritik an SBB wegen mangelnden Schienenunterhalts

Die SBB hat ihre Infrastruktur nicht im Griff. Dies das Fazit eines Berichts, welcher dem Bundesamt für Verkehr vorliegt. Nun will der Bund Massnahmen ergreifen. Die SBB ihrerseits fordert mehr Subventionen.

Legende: Video Infrastruktur vernachlässigt: Milliardenaufwand für die SBB abspielen. Laufzeit 01:49 Minuten.
Aus Tagesschau vom 14.01.2016.

Der Bund will gegen den teils schlechten Zustand der Bahninfrastruktur ankämpfen. Mit mehreren Massnahmen sollen die vergangenen Versäumnisse beim Unterhalt ausgemerzt werden.

Mehr Züge, grösserer Schienenverschleiss, aber weniger Pflege: In den Nullerjahren sind die SBB und die Privatbahnen beim Unterhalt ihrer Infrastruktur in Rückstand geraten. Das kostet den Steuerzahler und Bahnfahrer künftig viel Geld.

Gemäss der im vergangenen September verabschiedeten Leistungsvereinbarung 2017-2020 stockt der Bund die Subventionen an die SBB für Betrieb, Erhalt und Erneuerung der Infrastruktur in diesem Zeitraum um 15 Prozent auf rund 7,6 Milliarden Franken auf.

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) will die stetig steigenden Kosten nun aber in den Griff bekommen. In einem Bericht wurden deshalb Empfehlungen und Massnahmen dargelegt, mit welchen die Lebensdauer der Infrastruktur verlängert und die zusätzlichen Kosten begrenzt werden soll.

Langsamere Güterzüge

«Wir müssen beispielsweise Anreize setzen, damit das bestehende Rollmaterial verbessert wird», sagte BAV-Direktor Peter Füglistaler an der Medienkonferenz des BAV. Aber auch die Bahnbetreiberinnen stünden in der Pflicht: Verbesserungspotenzial gebe es insbesondere bei der Zustandserfassung der Fahrbahn oder bei den Abnahmeprozessen nach Bauarbeiten.

Mittelfristig müssten auch Geschwindigkeitsreduktionen von Güterzügen und bei Fahrten über Weichenbereiche vor Bahnhöhen überprüft werden, sagte Füglistaler. Zudem müsse man die Lehren aus alten Fehlern ziehen. «Der Einfluss der hohen Geschwindigkeiten auf der Neubaustrecke zwischen Mattstetten und Rothrist wurden klar unterschätzt», sagte Thomas Lang, Sektionsleiter Bautechnik beim BAV. Der Verschleiss der Schienen sei dort deutlich höher als angenommen.

«Zu hohe finanzielle Forderungen der SBB»

Füglistaler will zwar nun nach vorne schauen, kritisiert aber trotzdem die SBB. Auf die Frage eines Journalisten, ob die SBB das Infrastrukturproblem nicht im Griff habe, sagte er: «Das ist so.»

Auch die finanziellen Forderungen der Bundesbahnen gehen Füglistaler zu weit: «Jede Eingabe der SBB ist zwanzig Prozent zu hoch.» Er bestreite den Nachholbedarf bei der Infrastruktur zwar nicht, jedoch brauche es dafür nicht so viel Geld. «Unsere Offerten sind sehr grosszügig und garantieren einen guten Zustand der Eisenbahn-Fahrbahn.»

Schienen mit einer Katze auf dem Trassee.
Legende: Die Schienen in der Schweiz sind zum Teil in einem schlechten Zustand. Nun will der Bund handeln. Reuters/Archiv

Mehrkosten von zwanzig Prozent ab 2021

Dies sieht die SBB freilich anders. Gemäss einem Bericht des Ingenieurbüros Ernst Basler+Partner, den die SBB den Zeitungen «Tages-Anzeiger» und «Der Bund» zur Verfügung gestellt hat, soll der Mittelbedarf für den Unterhalt ab dem Jahr 2021 nochmals «um rund 20 Prozent pro Jahr zunehmen». Die Kosten allein für Wartung und Erneuerung werden für die Periode 2021-2024 um 1,2 Milliarden Franken aufschlagen.

Der Ingenieurbericht stützt die Offerte der SBB zuhanden des Bundes. Er attestiert, dass die SBB beim Budget «erstmals konsequent einen bedarfsorientierten Ansatz verfolgt» hätte. Die eingesetzten Gelder entsprächen dem Zustand des Bahnnetzes und erfüllten «bezüglich Sicherheit, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit» die Ziele des Bundes.

Füglistaler sagte dazu, dass sein Bundesamt eine andere finanzielle Dimension sehe. Er zeigt sich aber zuversichtlich und man werde sich irgendwo finden.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von A Züger (zua)
    Mit 20 Bautrupps zu je 60 Gleisarbeitern würde man jedes Jahr eine grosse Anzahl Strecken-Kilometer sanieren können. Diese 1200 Gleisarbeiter würden jedenfalls sicher nicht mehr kosten wie die über 800 Zentralverwaltungs Manager und Bürolisten, die der SBB CEO Meyer seit 2007 zur Verdoppelung der Zentralverwaltung angestellt hat. Mit Gleisarbeitern kann er halt bei seiner Chefin nicht glänzen, die will grosse Auftritte bei breitspurigen Projekten.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    In der Tat all diese Investitionen kosten nicht nur wenn investiert bzw ausgebaut wird. Hinterher fällt dann halt auch der Unterhalt an. Daran denkt man beim Investieren leider eher weniger und vielleicht viel zu wenig. Immerhin, man realisiert diese Problematik nun endlich.
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  • Kommentar von Alfred Schläpfer (191.5yenokavan)
    Warum redet denn niemand Klartext? Weibel und Meier mit ihrer hörigen Entourage haben doch das gemacht, was in der Privatwirtschaft Gang und gäbe ist. Es müssen auf Teufel komm raus schwarze Zahlen her. Also spart man bei Investitionen, resp. Rückstellungen für den Erhalt und die Erneuerung der Infrastruktur (oder durch Personalabbau). Lässt sich alles durch renommierte Revisionsgesellschaften absegnen. Und rechtfertigt damit die exorbitanten Gehälter und Boni. Und unsere Politiker sind blind.
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