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Schweiz Kritik an Swisstransplant trotz Rekordzahlen

Nie zuvor haben in der Schweiz so viele Menschen Organe gespendet wie 2015. Und dennoch steht Swisstransplant unter Druck. Die Stiftung für Organspende und Transplantation sei ineffizient, kritisiert der renommierte Herzchirurg Thierry Carrel.

Legende: Video Herzchirurg Carrel kritisiert Swisstransplant abspielen. Laufzeit 03:58 Minuten.
Aus 10vor10 vom 05.01.2016.

Gemächlich tritt Josef Lohri in die Pedalen seines Hometrainers. Noch im vergangenen Frühling war das für ihn unvorstellbar. Der schwer herzkranke Patient bangte jeden Tag, ob er noch rechtzeitig ein Spenderherz erhalten würde. Dann kam Anfang April mitten in der Nacht der erlösende Anruf. Wie sich der pensionierte Lehrer erinnert, war er schon im Bett, als seine Frau ins Zimmer kam, um ihm zu sagen, dass er noch in dieser Nacht operiert würde. «Ich habe nur noch gejubelt.» Es sei eine absolute Befreiung gewesen, nach einer langen Zeit, die für ihn und seine Familie schwer gewesen sei.

Gesinnungswandel in der Bevölkerung

Dass Josef Lohri weiterleben konnte, ist nicht zuletzt auf die grössere Anzahl Menschen zurückzuführen, die bereit sind, nach dem Tod ihre Organe zu spenden. 2012 betrug die Zahl hirntoter Organspender noch 96. Seither sind es jährlich mehr geworden. Im vergangenen Jahr waren es 142, so viele, wie nie zuvor.

Eine Entwicklung, die Franz Immer mit Genugtuung zur Kenntnis nimmt. Der Direktor der Schweizerischen Stiftung für Organspende und Transplantation (Swisstransplant) sieht dafür mehrere Gründe: «Ich glaube, dass in den Spitälern, die hauptsächlich für diese Entwicklung verantwortlich sind, aber auch in der Bevölkerung ein Umdenken stattfindet. So wird die Organspende mehr und mehr auch in der Schweiz zur Regel wird, wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen erfüllt sind.» Zudem sei die Öffentlichkeitsarbeit des Bundes in diesem Bereich besser geworden.

«Ernüchterndes Resultat»

Und dennoch – die Nachfrage nach Organen bleibt in der Schweiz deutlich höher als das Angebot. Die Warteliste ist lang.

Säulengrafik Hirntote Organspender.
Legende: SRF

1382 Personen benötigten Ende 2015 eine Organspende. Nach wie vor sterben jede Woche mehr als zwei Menschen, während sie auf ein lebensrettendes Organ warten. Im europäischen Vergleich hat die Schweiz nach wie vor eine tiefe Organ-Spenderate. Das sorgt für Kritik.

Der renommierte Herzchirurg und Direktor der Klinik für Herz- und Gefässchirurgie des Inselspitals in Bern, Thierry Carrel, wirft Swisstransplant Ineffizienz vor. «Wenn man sieht, wie die Mittel von Swisstransplant in den letzten 20 Jahren massiv aufgestockt und das Personal ausgebaut wurde, dann ist das Resultat der Organspenden ziemlich ernüchternd», sagt Carrel.

Der CEO von Swisstransplant zeigt Verständnis für diese Kritik. «Wenn man als behandelnder Chirurg einen Patienten verliert, weil ein rettendes Organ nicht kommt, ist das sehr belastend.» Gleichzeitig weist er aber darauf hin, dass eine Steigerung der Zahlen eine gewisse Zeit in Anspruch nehme und die Entwicklung der letzten Jahre sehr positiv sei.

Spontanität ist zurück

Der herztransplantierte Josef Lohri geniesst derweil sein neues Leben. Vor der Operation hat er über Jahre nichts spontan unternehmen können. «Und jetzt sage ich meiner Frau: Komm lass uns einen Ausflug machen oder auch ein paar Tage Ferien!» Dieses Gefühl sei einfach wunderbar.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Es ist schrecklich, dass Menschen sterben (müssen). So liest sich der Text. Warum soll das derart schlimm sein? Das Geschäft mit den Medikamenten floriert extrem. Transplantationen scheinen die Kür zu sein fürs grosse Geld als Chirurg (Frauen, wo sind sie?). Nein danke. Mein Transplant-Ausweis bleibt wie er ist: NEIN zur Wiederverwertung meines Körpers und seiner Einzelteile. Eine Frage: Wieso kann man sein NEIN nicht einfach zentral abspeichern lassen, wieso nicht ankreuzbar auf den Ausweisen?
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    1. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      "Frauen, wo sind sie" Was meinen Sie damit?
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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    Argumente gegen Organspende sind keine Schauermärchen. Es gibt ausführliche Dokberichte über techn./menschl.Versagen, leider auch Manipulationen der Wartelisten od.an lebenserhaltenden Geräten/Monitoren usf, nicht die Rede von illegalen Entnahmen in gewissen Ländern. Organtransplantation, ein Mia-geschäft, Korruption vorprogrammiert. Uva zB ein Vorfall in Bremen. Dort bemerkte man erst in letzter Minute, dass vor Organentnahme beim Patienten die vorgeschriebenen Untersuchungen vergessen wurden.
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  • Kommentar von Stella Jung (vd)
    @Ineichen: ich spreche nicht von Nierentransplantationen, daran stirbt kein Mensch. Jahrzente lang besass ich auch einen Spenderausweis, bis ich mich wirklich informierte. Mir standen die Haare zu Berge, als Aerzte auspackten und sagten, was wirklich abgeht. Deshalb meine Bitte: INFORMIEREN SIE SICH ! Und Hirntote sind nicht tot, sonst würde das Herz nicht mehr schlagen und damit wären es keine potentielle Spender mehr !
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