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Schweiz Kritiker sehen sich bestätigt

Das Grippemedikament Tamiflu wirkt nur sehr schwach und hat bisher unterschätzte Nebenwirkungen. Zu diesem Schluss kommt ein Expertennetzwerk. Das Resultat markiert den Schlusspunkt eines jahrelangen Streits mit Roche um die Offenlegung aller Studienergebnisse. Der Pharmakonzern widerspricht.

Legende: Video Experten kritisieren schwache Wirkung – Roche widerspricht abspielen. Laufzeit 01:03 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 10.04.2014.

Bei der Schweinegrippe 2009 bunkerten viele Länder Millionen von Tamiflu-Packungen. Das Medikament war für viele Behörden und Gesundheitsorganisationen erste Wahl im Kampf gegen die Folgen einer Grippepandemie. Roche machte Milliardenumsätze.

Jahrelang bemühte sich das unabhängige Expertennetzwerk Cochrane Collaboration vergeblich um Roche-eigene Studienresultate. Nun konnten die Forscher erstmals sämtliche Daten analysieren.

Eignung im Pandemiefall angezweifelt

Und sie fanden ihren ursprünglichen Verdacht bestätigt: Tamiflu verkürze zwar die Grippe um einen halben Tag und könne, präventiv eingenommen, Grippesymptome verhindern. Doch verhindere es weder Komplikationen wie Lungenentzündungen noch vermindere es Spitaleinweisungen.

Dafür warte das Medikament mit bisher vernachlässigten Nebenwirkungen auf, sagt Studienmitautor Peter Doshi: «Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen sind häufig, seltener treten aber auch Depressionen und Nierenschäden auf.»

Vor diesem Hintergrund ruft die Cochrane Collaboration und mit ihr die Fachzeitschrift «British Medical Journal» die Behörden weltweit auf, in Bezug auf die Tamiflu-Lager für einen Pandemiefall über die Bücher zu gehen.

BAG: Zu früh für abschliessende Beurteilung

«Nur nichts überstürzen», sagt dazu Daniel Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit (BAG): Es sei zu früh, diese Cochrane-Analyse als letzten Schluss zu betrachten. Man müsse nun wirklich die Details analysieren.

Zumal die Herstellerfirma Roche den Schlussfolgerungen der Cochrane Collaboration in einer Stellungnahme «entschieden» widerspricht. Der Konzern betont, dass Tamiflu ein wirksames Arzneimittel zur Behandlung und Prävention der Grippe sei.

Nach dem Ringen um die Offenlegung der Daten folgt jetzt also jenes um die Interpretation. Und das dürfte noch eine Weile weitergehen.

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Tamiflu-Lager bleibt

Das Bundesamt für Gesundheit sieht momentan keinen Anlass, etwas an der Pflichtlagerhaltung für den Pandemiefall zu ändern. Das Pflichtlager umfasst ausreichend Vorräte des Medikamentes Tamiflu, um damit bis zu zwei Millionen Kranke behandeln zu können. Die Zweifel an der Wirksamkeit von Tamiflu würden nun mit Experten genau geprüft.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Wutz, Gerlafingen
    Nebst BAG steht natürlich auch die Swissmedic als Zulassungsstelle in der Verantwortung. Diese Behörde hat ihre Kontrollfunktion nicht wahrgenommen und wird dafür noch fürstlich entlöhnt. Ein kleines Pharmaunternehmen hätte die Zulassung jedenfalls gar nicht erst bekommen...Wäre die Swissmedic ein privatwirtschaftliches Unternehmen, müssten einige Leute den Hut nehmen und könnten sich nicht so einfach herausschnorren.
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  • Kommentar von U.E. Romer, Zuerich
    Also doch - die damaligen Zweifler hatten doch recht. Erstaunlich in welch kurzer Zeit die Pharmaindustrie dieses Medikament entwickelte und als Geldmaschine auf den Markt brachte. Die Hysterie von einem Teil der Bevölkerung, der Gesundheitsbehörden und der Politik hat den Prozess beschleunigt. Das nun tonnenweise gepunkerte Medikament wird bis zum Verfalldatum friedlich dahin schlummern - Vogelgrippe hin oder her...
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  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    Wieder Mal zeigt sich; Verschwörungstheoretiker sind Menschen, die früher und besser informiert sind als die Anderen :D
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Waren sie beim James Bond in der Lehre?
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