Zum Inhalt springen

Header

Video
Wallis wird zur Surfdestination
Aus Schweiz aktuell vom 27.04.2021.
abspielen
Inhalt

Künstliche Surfanlage Wellenreiten in den Schweizer Alpen – macht das Sinn?

Es ist die erste künstlich erzeugte Welle der Schweiz. Was sie kann und ob die Schweiz nun zur Surfnation wird.

Eine Welle, die immer kommt. Eine Welle, die stark genug ist, um darauf zu surfen. Und das in der Schweiz – dem Binnenland ohne Meer. Das gibt es seit diesem Jahr im Kanton Wallis in Sitten.

Die Alaia Bay – so heisst die Anlage – ist ein Projekt von jungen Surfbegeisterten. Sie erfüllen sich damit einen Traum. Und nicht nur sich: Bis jetzt mussten angefressene Surferinnen und Surfer ins Ausland, um ihren Sport auszuüben. Ein riesiger Pool ändert das jetzt.

So funktioniert der Pool

Pro Stunde produziert die Anlage zwischen 300 und 1000 Wellen – je nach eingestelltem Modus. Die Grösse, die Form, die Kraft und die Frequenz können per Knopfdruck geändert werden. Das ist einzigartig.

Besonders ist auch, dass auf einer Seite des Pools linksgerichtete Wellen kommen, auf der anderen Seite rechtsgerichtete. 24 bis 40 Surferinnen und Surfer gleichzeitig haben Platz.

Diese Anlage ist eine Revolution für die Schweizer Surfszene.
Autor: Benedek SarkanyPräsident Swiss Surfing Association

Was man auf dieser Welle nicht lernen könne, erklärt Benedek Sarkany vom Schweizer Surfverband, sei die Wellenselektion. Jede Welle ist surfbar – das ist im Meer natürlich anders. Dort muss man lernen zu erkennen, welche Welle gut ist. Aber: Die Walliser Anlage werde die Schweizer Surfwelt verändern.

X m X gross ist die Anlage in Sitten.
Legende: 100 Meter mal 100 Meter gross ist die Anlage in Sitten. Keystone

Da ist viel Geld im Spiel

Initiant Adam Bovin ist 25-jährig, war schon immer begeistert vom Ski- und Skateboard-Fahren. Später dann auch vom Surfen. Nur in den Ferien konnte er jeweils wellenreiten. Ihm reichte das nicht. Als er ein Video von einer künstlichen Anlage sah, die Wellen produziert, war es um ihn geschehen. Er gründete die Firma, die die Alaia Bay nun betreibt.

Adam Bovin im Porträt.
Legende: Der 25-jährige Unternehmer Adam Bovin will mit der Anlage Geld verdienen. Keystone

Bezahlt hat die Anlage nicht der Initiant selbst. Ein Teil wurde durch ein Crowdfunding finanziert, daneben gab es Investorinnen und Investoren. Insgesamt soll die Alaia Bay einen «zweistelligen Millionenbetrag» gekostet haben, genaue Zahlen verrät Adam Bovin nicht.

Keine Einsprachen gegen das Projekt

Box aufklappenBox zuklappen

Es gab erstaunlich wenig Widerstand gegen die Pläne in Sitten. Aus der Idee wurde innerhalb von fünf Jahren Realität. Einsprachen gab es keine, auch nicht von Umweltverbänden wie dem WWF.

Es sei nicht schwierig gewesen, Leute zu finden, die ihn mit seiner Idee unterstützten. Ganzjahrestourismus sei im Wallis ein lang gehegter Wunsch, in den viele investierten. Die Welle ist im Winter und Sommer surfbar.

Adam Bovin hat zudem ein gutes Netzwerk. Sein Vater, Mehrheitsaktionär der Investis, soll laut der Wirtschaftszeitung Bilanz über eine Milliarde Franken Vermögen besitzen. Der Sohn eifert nach: Im ersten Jahr rechnet er mit 100'000 Besuchen. 365 Tage soll Alaia Bay offen bleiben, im Sommer bis Mitternacht. Die ersten Wochen sind jedenfalls ausgebucht.

Ist das ökologisch?

Die künstlichen Wellen bräuchten etwa so viel Strom wie eine Sechser-Gondelbahn, so der Initiant. Wellenreiten im Wallis sei also vergleichbar mit Skifahren im Wallis. Zudem sei der Strom durch Wasserkraft erzeugt.

Die Surfanlage verbraucht etwa gleich viel Strom wie eine Gondelbahn. Skifahren und Surfen im Wallis ist also vergleichbar.
Autor: Adam BovinGründer Alaia Bay

Auch die Firma Wavegarden, die bereits vier andere solche Surfanlagen weltweit gebaut hat, betont die Nachhaltigkeit. Laut ihren Berechnungen ist der Besuch der Anlage dann umweltfreundlicher, als eine Reise mit dem Auto an den Strand, wenn der Strand mindestens fünfzehn Minuten weiter von zu Hause entfernt ist als die Surfanlage. Diese Voraussetzung ist im Wallis natürlich erfüllt. Das nächste Meer liegt in Italien, deutlich weiter als 15 Autominuten weit weg.

Die Hoffnung des Walliser Initianten ist es, dass Surferinnen und Surfer eher mal in der Schweiz ein Wochenende surfen gehen, anstatt an die Atlantikküste zu fliegen.

Karte mit Surfspots.
Legende: Besonders beliebte Surfspots: In Europa die Atlantikküste, weiter weg auch Australien, Mexiko, Bali, Südafrika. Datawrapper

Wird die Schweiz zur Surfnation?

«Diese Welle ändert tatsächlich viel für uns», sagt Benedek Sarkany, der Präsident des Schweizer Dachverbandes für das Surfen. Das Schweizer Surfen werde revolutioniert: Man könne den Breitensport fördern, den Leistungssport fördern, Jung und Alt könne auf dieser Welle surfen. In der Schweiz gibt es ungefähr 40'000 Surfbegeisterte, Tendenz steigend.

Die Schweiz sei bereits eine Brettsportnation: Man fahre Ski oder Snowboard. Sarkany meint, da passe Surfen bestens dazu.

«Es kann jetzt natürlich passieren, dass ein Walliser Kind Freude am Surfen bekommt», so Sarkany. Und werde dann irgendwann zum Profi. Heute gibt es noch keine wirklichen Profis aus der Schweiz. Nur Semiprofis, sagt Benedek Sarkany. Vom Surfen allein könne nur ein einziger Schweizer Surfer leben.

Zwei Surferinnen beurteilen die Welle

Die Schweizer Surf-Semiprofis sind eine etwas seltsame Gattung: Sie lieben einen Sport, den sie in ihrer Heimat nicht wirklich ausüben können. Alena Ehrenbold beispielsweise, eine Luzerner Gymnasiallehrerin, die ihre Heimat für das Surfen aufgegeben hat. Mehrere Jahre war sie als Nomadin unterwegs in der ganzen Welt.

Sie lebte teilweise durch Sponsoren und Werbeaufträge als Surferin, teilweise hat sie Surffilme produziert. Nun ist sie – coronabedingt – zurück in der Schweiz und unterrichtet wieder.

Sie war bereits auf der Walliser Welle. «Vom Surffeeling her war es sehr ähnlich wie im Meer», sagt die Surferin. Das habe sie überrascht, so etwas habe sie noch nie erlebt.

Video
Surferin Alena Ehrenbold reitet die Big Wave
Aus sportlounge vom 09.03.2015.
abspielen

Die künstliche Welle unterscheide sich aber in gewissen Dingen von echten Meerwellen: «Das Wasser ist natürlich nicht salzig. Dadurch trägt die Oberfläche nicht gleich gut.» Ebenfalls speziell: Man kann durch die Welle hindurch schauen. Es hat ja keinen Sand im Pool.

Ich wäre auch mit so einer Welle nicht in der Schweiz geblieben.
Autor: Alena EhrenboldSchweizer Surferin

Das Mitglied des Elite-Teams reiste mehrere Jahre von Meer zu Meer. Hätte es eine solche Trainingsmöglichkeit in der Schweiz damals schon gegeben, hätte das an ihren Plänen aber nichts geändert. «Der entscheidende Punkt für mich, weshalb ich so gerne surfe, ist das Naturerlebnis. Diese unglaubliche Ruhe auf dem Meer. Diese Unberechenbarkeit der Wellen. Und ein Alltag, der sich nach den Gezeiten und dem Wetter richtet. Das fällt bei der künstlichen Welle komplett weg. Aber natürlich ist das Training auf einer so perfekten Welle wie im Wallis optimal.»

An einem anderen Punkt ist aktuell Fabienne Sutter, sie ist im Schweizer Talent-Team, mit dem Ziel, eines Tages im Elite-Team dabei zu sein. «Als Schweizer Surferin hat man es nicht immer einfach ohne Meer», erklärt sie. Alle Ferien drehten sich ausschliesslich ums Wellenreiten. Städte- oder Kulturreisen kämen gar nicht infrage. Deshalb ist sie vor einem Jahr nach Galizien ans Meer gezogen, um öfters surfen zu können.

Fabienne Sutter im Porträt.
Legende: Fabienne Suter ist 29-jährig und sucht immer wieder nach der perfekten Welle. SRF

«Ich habe das Gefühl, das künftig viele auf Kurztrips ans Meer verzichten», sagt sie – und ergänzt: «Das hoffe ich zumindest.»

Die Zukunft des Sports – und der Welle

Alle Befragten – Sarkany, Sutter und Ehrenbold – glauben daran, dass die Walliser Anlage die Schweizer Surferinnen und Surfer besser macht. Gleichförmige, starke Wellen ermöglichen, dass man gewisse Bewegungsabläufe lernt. Dennoch ist es schwierig, vom Sport zu leben – im Fussball etwa steckt viel mehr Geld. Aber: Surfen ist 2021 erstmals eine olympische Disziplin. Das wird wohl die Wahrnehmung verändern und den Sport mehr ins Rampenlicht rücken.

So gut ist die Schweiz im internationalen Vergleich

Box aufklappenBox zuklappen

Es gibt Surf-Europameisterschaften und natürlich auch Surf-Weltmeisterschaften. Aktuell belegt die Schweiz im internationalen Ranking den 23. Platz von insgesamt 55 Nationen. Für ein Binnenland also gar nicht schlecht.

«Unser erste Ziel ist es, dass wir in die Top 20 kommen», so Benedek Sarkany. Das zweite Ziel sei die Teilnahme an der Olympiade 2024.

Das dürfte auch der Alaia Bay im Wallis entgegenkommen. Laut eigenen Angaben gibt es rund 3 Millionen Surfbegeisterte im Umfeld der Anlage, die innerhalb von drei Fahrstunden in Sitten sind. Für viele eine echte Alternative zur Fahrt ans Meer. Obwohl das Salz im Wasser fehlt: Das Wallis liegt jetzt ein bisschen am Meer.

Ein Surfer in der Welle.
Legende: Surfen ohne Gefahr durch Haie, Steine oder Riffs: Das ist im Wallis neu möglich. Keystone

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 27.04.21, 17:30 Uhr / Schweiz aktuell, 19:00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

17 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Marcel Lehmann  (Mike123)
    Das ist wirklich nett von SFR, dass man die Idee des Wellenreitens laufend in allen Kanälen immer wieder publiziert. Denn wer hat schon so tolle Ideen wie das risikofreudige Unternehmen. Damit haben die Bauherren natürlich auch eine grosse mediale Unterstützung verdient. Dass Kritiker meinen, es würden damit die Sendungen von SRF nur weiter mit Werbung zugestopft, zeigt das geringe Verständnis für gute Unternehmer der Schweiz.
  • Kommentar von Töbu Merz  (Saibot Zrem)
    Surfen in der Schweiz?
    Das ist doch grossartig! Am Morgen Ski-fahren und am Nachmittag auf der Welle reiten.
    Ob es ökologusch vertretbar ist?
    Nein! Nur da müsste man an einem anderen Ort anfangen!
    Es macht aber einen Riesenspass. Lassen wir doch die Spiessigkeit sein und geniessen das Leben!
    Ich finds toll
  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    Im Artikel steht: "Die Surfanlage verbraucht etwa gleich viel Strom wie eine Gondelbahn. Skifahren und Surfen im Wallis ist also vergleichbar." Für mich ist es nicht vergleichbar, da ja die Gondel nicht abgeschaltet wird, wenn die Surfanlage läuft, damit die Skifahrer, statt auf die Gondel, auf's Surfbrett gehen. Es ist einfach eine zusätzliche Ressourcenverschwendung für etwas, das, im Gegensatz zum Skifahren, keinerlei Tradition hat in der Schweiz. Die Surfer fliegen trotzdem weiter ans Meer.
    1. Antwort von Andy Gasser  (agasser)
      Gehen Sie mal nach Thun und schauen was sich dort an der Schleuse abspielt, auf einer Natürlichen Welle. Dort fanden schon Europameisterschaften im Surfen statt. Nur weil SIE es nicht kennen, heisst das noch lange nicht, dass es keine Tradition hat. Plus auf SRF Kommentare Schreiben braucht auch Strom und bringt nichts ;-)
    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Andy Gasser: Im Wallis ist aber keine natürliche Welle, sondern eine Welle, die Energie kostet, die wir eigentlich sparen sollten (CO2-Gesetz).