Kurs soll Flüchtlinge für Arbeitsmarkt fit machen

Asylsuchende sind oft schlecht in den Arbeitsmarkt integriert. Das kostet. Ein einjähriger Kurs soll sie von staatlichen Leistungen unabhängig machen, fordert die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe. «Die Investition lohnt sich», sagt ihr Co-Präsident Felix Wolffers.

Ein Flüchtling arbeitet in der Landwirtschaft als Erntehelfer.

Bildlegende: Bislang harzt es mit der Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen. Das soll ändern. Keystone

Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) ist besorgt über die grosse Zahl von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen, die während längerer Zeit arbeitslos sind. Nach Ablauf der Finanzierungszuständigkeit des Bundes müsste deren Existenz durch die kantonale und kommunale Sozialhilfe gesichert werden. Das führe zu erheblichen finanziellen Belastungen, so die SKOS.

Sie fordert deshalb: Neu sollen Asylsuchende deshalb einen einjährigen Kurs absolvieren müssen, der sie fit macht für den Schweizer Arbeitsmarkt. Spätestens zwölf Monate nach Ankunft in der Schweiz sollen sie zum Kurs antreten. Damit einhergehend fordert die SKOS einen raschen Asylentscheid, damit asylsuchende Personen möglichst schnell in den Arbeitsprozess integiert werden können.

«Die Investition lohnt sich»

«Was passiert, wenn man nichts macht?», so die rhetorische Frage von Felix Wolffers, Co-Präsident der SKOS, gegenüber SRF News. Das Programm sei eine sehr gute Investition, trotz der jährlichen Kosten von 125 Millionen Franken: «Pro Jahr belaufen sich die Sozialhilfekosten pro Person auf 25‘000 Franken. Der Kurs kostet etwa gleich viel.» Wenn es gelinge, die Sozialhilfeabhängigkeit zu verringern, rentiere sich der Kurs schon in einem Jahr, rechnet Wolffers vor.

Zentral ist für die SKOS eine rasche Qualifizierung der Asylsuchenden. Die meisten seien jung und arbeitsfähig, aber beruflich schlecht qualifiziert. Der mehrmonatige bis einjährige Berufseinführungskurs soll für die Flüchtlinge obligatorisch sein.

Konkurrenz für Schweizer Stellenlose?

Was aber, wenn sich ein Asylsuchender partout weigert, einen entsprechenden Kurs zu besuchen? Wolffers sieht darin kein dringliches Problem: «Man könnte etwa Leistungen kürzen, Nachteile beim Familiennachzug sind denkbar. Aber: Die meisten Leute wollen arbeiten, das stellen wir immer wieder fest.»

Umstritten ist, ob durch auf den Arbeitsmarkt drängende Asylsuchende nicht auch einheimische Arbeitslose konkurriert werden. Wolffers sieht «eine gewisse Konkurrenzierung». Entscheidend sei aber, dass auch bei den einheimischen Stellensuchenden die Qualifizierung vorangetrieben werde: «Damit auch sie eine Chance haben, eine Stelle zu finden.»

Die Wirtschaft steht in der Pflicht

Damit die Integration in den Arbeitsmarkt gelingt, brauche es die Unterstützung und aktive Beteiligung der Wirtschaft, so Wolffers: «Ich bin überzeugt, dass die Wirtschaft einen grossen Anteil an der Problemlösung leisten kann. Aber sie muss sich auch engagiert damit auseinandersetzen.» Denn in verschiedenen Branchen gebe es unbesetzte Lehrstellen; im Pflegebereich brauche es zusätzliche Arbeitskräfte: «Es ist nicht so, dass keine Arbeit gibt».

Wolffers sieht jedoch nicht nur die Wirtschaft der Pflicht: «Die Politik muss auch sagen, was sie von der Wirtschaft erwartet.» Schliesslich handle es sich um eine gemeinsame Aufgabe von Bund und Kantonen. Gerade letztere müssten ein Interesse an der Arbeitsmarktintegration von Asylsuchenden haben: «Denn irgendwann explodieren die Sozialhilfekosten, wenn es uns nicht gelingt.»

Die SKOS fordert deshalb den Bund, die Kantone und Gemeinden sowie die Wirtschaft und die politischen Parteien auf, an einem «Runden Tisch Arbeitsintegration» gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Skeptische Reaktionen auf den Vorstoss der SKOS

Helena Zaugg, Präsidentin des Pflegefachverbands SBK
«Wir sehen eine Integration der Flüchtlinge in die Pflege als sehr problematisch, oder eigentlich nicht möglich an. Menschen aus einer Kultur, die ganz anders mit körperlicher Nähe umgeht, können nicht nach kurzer Zeit als Pflegefachleute in der Schweiz arbeiten. Zudem sind die Menschen oft traumatisiert. Auch sind die Deutschkenntnisse nach einem Jahr nicht genügend gut. Der Fachkräftemangel wird sogar eher verschärft als gelindert. Denn die qualifizierten Fachkräfte müssen diese Personen anleiten; und gehen der direkten Pflege verloren.»
Reto Lindegger, Direktor des Gemeindeverbands
«Man muss aufpassen, dass nicht falsche Anreize gesetzt werden. Wenn etwa ein Obligatorium auf rechtlicher Basis entsteht, könnte daraus auch ein Recht abgeleitet werden – und der entsprechende Effekt entstehen, dass Leute für eine Ausbildung in die Schweiz kommen.»