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Label-Produktion nimmt ab Nicht jeder will für glückliche Schweine zahlen

Schweinefleisch ist beliebt. Doch möglichst billig soll es sein. Die Folge: Immer weniger Schweine haben Auslauf, die Zahl der «glücklichen» Schweine nimmt ab.

Legende: Audio «Schweinezucht ist keine Goldgrube» abspielen. Laufzeit 5:20 Minuten.
5:20 min, aus Rendez-vous vom 12.10.2017.

Ein grosser Bauernhof in der Zentralschweiz. Er ist von grünen Wiesen und Landwirtschaftsland umgeben. Hier leben rund 100 Mutterschweine und 500 Mastschweine. Ein paar von ihnen tummeln sich in der Sonne und wühlen mit ihren rosaroten Rüsseln im frischen Stroh. Ihre gedrehten Schwänzchen wippen fröhlich bei jedem Schritt.

Seine Schweine hätten Auslauf im Grünen, weil sich sein Hof ans Terrasuisse-Label halte, sagt Meinrad Pfister. Der Schweinehalter ist Präsident der Schweizer Schweinezüchter. «Die Schweine können raus, wann immer sie wollen», erklärt er. So sollen sie genügend frische Luft erhalten und auch mal Sonne oder Regen erleben.

Schweine stehen im Aussengehege herum.
Legende: Bei Bauer Pfister können die Schweine jederzeit nach draussen an die frische Luft. srf/rahel walser

Mehr Aufwand für den Bauern

Das Label gibt auch vor, dass es Streu auf dem Stallboden haben muss, die Schweine also nicht direkt auf dem harten Boden liegen müssen. Das bedeutet andererseits auch haufenweise Mehraufwand beim Ausmisten, wie Pfister erklärt.

Deshalb sei das Label finanziell nicht interessant – obschon der Erlös für die Label-Schweine etwas höher ist als für konventionell gehaltene. Aber wenn es den Tieren gut gehe, dann sei das auch für den Züchter eine Freude, so der Bauer.

Schweine liegen und sitzen im Stroh.
Legende: Genügend Platz, Stroh am Boden und jederzeit Auslaufmöglichkeit: Label-Schweine haben's besser. srf/rahel walser

Gerne würden mehr Produzenten nach den Label-Vorgaben produzieren, sagt der Schweineverbandspräsident. «Die Produzenten stehen Schlange.» Deshalb sei es ärgerlich, dass nicht mehr Schweinezüchter mitmachen könnten. Der Grund: Die Konsumenten sind wenig an Label-Schweinefleisch interessiert – und damit auch nicht die Detailhändler.

Meist wird bloss nach Tierschutzgesetz produziert

Tatsache ist, dass die Zahl der Höfe, die sich bei der Schweinezucht an ein Label halten, in den letzten Jahren gesunken ist. Der Trend geht zurück in Richtung konventionelle Haltung. Das bedeutet, dass das Tierschutzgesetz als Minimalstandard gilt. Dieses schreibt für die Tiere aber keinen Auslauf vor, auch keine frische Luft oder Streu auf dem Boden.

Schweinchen, daneben liegt eine Muttersau.
Legende: Der Start ins glückliche – wenn auch meist kurze – Schweineleben ist geglückt. srf/rahel walser

Züchter Pfister ist überzeugt, dass das schlechte Image des Schweinefleischs der Hauptgrund für die schleppende Nachfrage nach Fleisch von «glücklichen» Schweinen ist. Es gelte als Billigfleisch, und diese Assoziation sei bei vielen Konsumenten vorherrschend. Deshalb sind sie auch kaum bereit, für Schweinefleisch in Bio-Qualität mehr zu bezahlen, so wie sie das bei anderen Produkten sind.

Schweine hinter Gatter, ein SRF-Mikrofon vor der Nase.
Legende: «Wie geht's so im Stroh, Frau Schwein?» srf/rahel walser

Vor allem billig muss es sein

«Die Konsumenten reagieren sehr preissensibel beim Schweinefleisch», sagt Pfister. Wird dieses also nur wenig teurer, folgt sogleich eine Nachfrageschwäche.

Hinzu kommt, dass Schweinefleisch vor allem in Kantinen und in Restaurants gegessen wird: Dort spiele der Preis eine noch grössere Rolle als bei den Privathaushalten, so der Züchter.

Keineswegs minderwertig

Sein Verband will nun vor allem auf Aufklärung setzen und die Konsumenten dafür sensibilisieren, dass Schweinefleisch nicht minderwertig ist. Und gute Tierhaltung soll auch bei den Schweinen ihren Preis haben dürfen.

Bereits sei der Verband gezielt auf Kantinen und Gastronomiebetriebe zugegangen, um diese zu motivieren, beim Schweinefleisch wieder mehr Wert auf Labels zu legen, sagt Pfister. Ziel sei es, dass künftig wieder mehr Schweine an die frische Luft können.

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35 Kommentare

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  • Kommentar von E. Waeden (E. W.)
    "Nicht jeder will für glückliche Schweine zahlen". Hauptsache der Billigfleisch-Fresser ist glücklich. Grad so gut könnten sie aber auch ein Glas Wasser trinken, denn Billigfleisch besteht aus ganz viel Wasser. Das wäre dann noch billiger.
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  • Kommentar von Luca Dietiker (Luca Dietiker)
    Wir kaufen ausschliesslich CH-Bio-Fleisch. Wenn es das nicht gibt (sehrr oft z.B. Bei Poulet der Fall) dann gibt es halt kein Fleisch. Das ist nicht nur für das Tier, sondern auch für meinen Körper ein Win! Und wer das Argument der Armut vieler Bürgerinnen und Bürger bringt: Fair enough - aber würden diese Menschen statt 7x halt nur 2-3 mal die Woche Fleisch essen, läge auch Bio drin. Aber ein nachhaltige, gesundes Leben muss es einem halt wert sein.
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  • Kommentar von Stephan Jaun (Stephan Jaun)
    Schön, können die Schweine - wie im Beitrag geschildert - nach draussen. Aber Auslauf ist noch keine Weide. Wir halten Bio-Freilandschweine (neun Schweine auf 4000 m2 Wiese). Wenn die Ferkel zum ersten Mal auf die Weide kommen, beginnen sie sofort mit dem Rüssel zu graben. Ist ihnen zu heiss, gehen sie in die Suhle. Auf der Weide essen sie viel Gras. Diese Haltung ist nur möglich, weil unsere Kunden das wertschätzen und bereit sind fürs Mischpaket Bioweidesäuli 33 Franken pro Kilo zu bezahlen.
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Was mich interessiert ist: Z. B. in Deutschland ist es trotz Tierschutzgesetz immer noch erlaubt, die Ferkel ohne jede Betäubung zu kastrieren. Ist es hier in der Schweiz verboten?
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