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Schweiz Lassen sich Ärzte von Pharma-Zahlungen beeinflussen?

Neue Zahlen zeigen: Die Pharmaindustrie zahlt jährlich rund 140 Millionen Franken an Ärzte und Gesundheitsorganisationen. Lassen sich Ärzte dadurch beeinflussen? Unser Wissenschafts-Quiz klärt auf.

Legende: Video Das Sponsoring der Pharmabranche abspielen. Laufzeit 1:56 Minuten.
Aus Tagesschau vom 06.08.2016.

Die Pharmaindustrie sponsert das Gesundheitswesen jährlich mit rund 140 Millionen Franken. Das zeigen neue Zahlen, die SRF Data ausgewertet hat. Rund ein Zehntel davon geht direkt an einzelne Fachpersonen, in erster Linie an Ärzte. Dabei handelt es sich um Honorare für Referate, Beiträge für die Teilnahme von Kongressen, Kostenübernahmen von Reisen, Spesen oder Weiterbildungen.

Während die durchschnittliche Zahlung por Jahr an einen Arzt rund 1350 Franken beträgt, gibt es aber grosse Ausreisser. So bekam der Westschweizer Onkologe Matti A. Aapro im Jahr 2015 Zahlungen im Wert von fast 100’000 Franken, der Basler Gynäkologe Johannes Bitzer immerhin 53’000 Franken. Welche Effekte können solche Sponsorings auf die Ärzte haben? Die wichtigsten Studien im Überblick.

Was sagt die Wissenschaft? Testen Sie Ihr Bauchgefühl.

Ein grosser Vorwurf der Kritiker solcher Zahlungen ist, dass sich Ärzte dazu verleiten lassen, mehr Original-Medikamente an Stelle von Generika zu verschreiben. Diese kosten mehr Geld – und belasten so die Kosten des Gesundheitssystems. Was weiss die Wissenschaft dazu?

Eine weitere Angst von Kritikern ist der sogenannte blinde Fleck: Dass Forscher bei Firmen, die ihnen Geld bezahlen, weniger kritisch sind. Was ist an diesem Vorwurf dran?

Solche Zahlungen könnten auch auf die Entstehung von Fachwissen Einfluss haben, sagen Kritiker. Nur: Wie genau?

Viele Ärzte wehren sich gegen den Vorwurf der Beeinflussung. Auch dazu wurde eine Studie gemacht. Gesundheitsforscher der University of California haben Ärzte befragt, wie sie die Beeinflussung durch Pharma-Zahlungen einschätzen. Was kam dabei heraus?

FMH sieht keine Probleme

Marcel Sennhauser, Sprecher des Verbands ScienceIndustries, glaubt nicht, dass sich Ärzte von solchen Zahlungen beeinflussen lassen. «Wir sind überzeugt davon, dass die Pharmaindustrie und die Ärzte und Spitäler zur Entwicklung neuer Medikamente und Behandlungsmöglichkeiten zusammenarbeiten sollen», sagt er gegenüber SRF.

Auch Jürg Schlup, Präsident vom Ärzteverband FMH, sieht keine Probleme: «Unsere Standesordnung regelt die Zusammenarbeit der Ärzteschaft mit der Industrie. Dort sind auch Sanktionen bei Verstössen vorgesehen. Solche Verstösse sind aber sehr selten.»

Für den Gesundheitsökonomen Heinz Locher müssen die Zahlungen von Fall zu Fall angeschaut werden. «Es muss davon ausgegangen werden, dass es sich nicht um Schenkungen handelt, sondern eine Gegenleistung erwartet wird. Die Frage ist: Sind diese Schenkungen im Interesse von Patientinnen und Patienten oder finden da Verzerrungen statt. Zum Beispiel dass Medikamente verschrieben werden, die sonst nicht abgegeben worden wären.»

14 Kommentare

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  • Kommentar von René Balli (René Balli)
    In vielen ärmeren Ländern ist bei einen Bruchteil der Gesundheitskosten, der allgemeine Gesundheitszustand der Bevölkerung besser als bei uns oder in den USA! Davon will natürlich die Krankheitsindustrie nichts wissen, früher oder später werden wir aber darüber nachdenken müssen sonst wird unsere Krankenkasse bald Fr.1'000/Monat kosten ohne dabei gesünder zu sein. Stellen Sie sich vor, wir würden 80 Milliarden in die Gesundheit anstatt in Krankheiten investieren!
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    1. Antwort von Walter Starnberger (Walter Starnberger)
      Ein falscher Vergleich, Herr Balli. In Aegypten beispielsweise ist die Bevölkerung im Durchschnitt 25 Jahre alt. Die sind nicht gesünder, sondern deutlich jünger. Wenn diese sogenannten "ärmeren Länder" dieselbe Bevölkerungsstruktur hätten wie die Schweiz, hätten sie eine einzige gesundheitliche Katastrophe !
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    2. Antwort von René Balli (René Balli)
      Meinen Sie, Herr Starnberger, eine teure Krankenkasse würde die Lebensbedingung in Ägypten verbessern? Genau darüber schreibe ich ja, gesunde Lebensbedingungen sind die Voraussetzung des Gesundheitszustandes eines Volkes, sicherlich nicht hohe Reparaturkosten! Ägypten ist ein gutes Beispiel dafür: extremer Dichtestress, schlechte Luft, schlechtes Trinkwasser (Ringwürmer), unausgewogene Ernährung, zuwenig Bewegung (in Ägypten hat es auch viele Übergewichtige). Tansania wäre ein besseres Beispiel!
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ich bin überzeugt, dass die meisten Ärzte nicht mit Geld zu irgendetwas verleitet werden können. Es braucht hier starke Politiker, die differenziert denken + auch handeln können. Man muss die "schwarzen Schafe" beim Namen nennen und deren Gehabe veröffentlichen. Das braucht aber auch ein "Gegensteuer" gegen die "übermächtige" Pharma-Industrie. Leider lassen sich die meisten Politiker auch von dieser Industrie "erpressen". Wir brauchen neue starke Politiker, wie Trump in den USA, May in GB usw.
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  • Kommentar von Alexander Bernard (abernard)
    Im Artikel über das Pharma-Sponsoring der Ärzte stimmt alles nicht. Kann von Ihnen als nationaler Informaionsquelle nicht erwartet werden, dass jounalistische Sorgfaltspflicht eingehalten wird? Seit Jahren ist es der Ärzteschaft untersagt, geldwerte Geschenke anzunehmen. Und dem Pharma-Vertreter ist es untersagt, weitergehende Angebote anzubieten. Auch wenn ein Vertreter der Santésuisse für Ihre publizistisch attraktive Meinung zu haben war, ändert das nichts an den gesetzlichen Bestimmungen.
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