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Seit Jahrhunderten können Schwinger Tiere gewinnen
Aus Regionaljournal Ostschweiz vom 12.10.2021.
abspielen. Laufzeit 05:09 Minuten.
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Lebendpreise im Schwingen Ein Stier für den Sieger: Ist dieser Brauch noch zeitgemäss?

Im Schwingen ist es Tradition, dass der Sieger einen Muni geschenkt bekommt. Viele kassieren aber lieber das Geld.

Schwingen, der Nationalsport der Schweiz, hat auch an der grössten Landwirtschaftsmesse des Landes seinen festen Platz. Das Olma-Schwinget findet alle drei Jahre statt, am Sonntag ist es wieder so weit. 90 Schwinger haben sich angemeldet, darunter auch sechs Eidgenossen. Und wie es die Tradition will, wird der Beste nach dem Schlussgang einen Stier mit nach Hause nehmen können.

Doch woher kommt die Tradition der sogenannten Lebendpreise? Wie steht es um das Tierwohl? Und ist die Tradition überhaupt noch aktuell?

Diese Fragen stellen sich nicht nur Tierschützerinnen und Tierschützer, sondern vermehrt auch die Schwinger selber. Klar ist: Lebendpreise haben im Schwingen eine lange Tradition. Sie lässt sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Schon damals habe es für die besten Schwinger Naturalpreise gegeben, erklärt Rolf Gasser, Geschäftsführer des Eidgenössischen Schwingerverbands.

Es ist schon so, dass der Stier, oder eben der Muni, ein Symbol für männliche Kraft ist.
Autor: Rolf Gasser Geschäftsführer des Eidgenössischen Schwingerverbands

Mit der Zeit seien die Preise aber immer grösser, schwerer und wertvoller geworden. 1926 habe der Sieger des Eidgenössischen noch ein Schaf gewonnen. 1961 sei für Schwingerkönig Karl Meli ein Rind bereitgestanden. «Siegermuni Kolin», den es am letzten Eidgenössischen in Zug zu gewinnen gab, wog 1.2 Tonnen und war 25'000 Franken wert.

Lieber das Geld als den Stier

«Es ist schon so, dass der Stier, oder eben der Muni, ein Symbol für männliche Kraft ist», sagt Gasser. Das sehe man auch in anderen Kulturen so. Gerade im asiatischen Raum gebe es im Ringsport oft Lebendpreise zu gewinnen. Ein Beispiel sei Ssireum in Südkorea, eine alte Form des Ringens. «Auch dort erhält der Sieger einen Stier.»

In der Schweiz sind Lebendpreise heutzutage weitgehend symbolischer Natur. Nicht einmal 10 Prozent von ihnen werden am Ende wirklich abgegeben. Da die Schwinger kaum mehr als Landwirte arbeiten, nehmen sie lieber den Gegenwert als Geld. So auch der dreifache Schwingerkönig Jörg Abderhalden. Er hat in seiner Karriere rund 80 Tiere gewonnen: «Mit nach Hause genommen habe ich kein einziges. Die gingen alle zurück an den Züchter.»

Einer von 80
Legende: Einer von 80 Der dreifache Schwingerkönig Jörg Abderhalden posiert 2007 am Eidgenössischen mit Siegermuni «Dobi». Keystone

Für Abderhalden gehören die Lebendpreise trotzdem zum Schwingen dazu. Die Sponsoren etwa hätten so eine Möglichkeit, sich zu repräsentieren. Die Tiere dürften aber nicht unter Stress gesetzt werden, betont Abderhalden.

Im Stall laut Radio hören

Das bedeutet vor allem, den Tieren den Gang durch die Arena zu ersparen. Sie bleiben während des Wettkampfs ausserhalb in einem Gehege und posieren am Schluss kurz mit den Siegern und den Sponsoren für ein Foto. Für Christian Manser vom landwirtschaftlichen Zentrum Flawil ist zudem wichtig, dass man die Tiere richtig vorbereitet. Vor allem müssten sie an Lärm und Leute gewöhnt werden. «Das geht am besten, indem man zu Hause im Stall laut Radio hört. Damit gewöhnt man die Tiere an fremde Geräusche.»

Grundsätzlich denke ich, dass lebende Tiere keine Geschenke sein sollten.
Autor: Julika Fitzi-Rathgen Tierschutzverein Stadt St. Gallen und Umgebung

Dass die Tiere nicht mehr zwingend in die Arena müssen, kommt auch den Forderungen des Tierschutzes entgegen. Trotzdem: Für die Tiere bedeute ein Ausflug an ein Schwingfest fast immer Stress, sagt Julika Fitzi-Rathgen vom St. Galler Tierschutz. «Grundsätzlich denke ich, dass lebende Tiere keine Geschenke sein sollten.»

Stier «Sämi» wartet derweil im Olma-Stall auf den Sieger des Olma-Schwinget. Am Sonntag steht der Gewinner fest. Wird dieser das Tier nach Hause nehmen?

Regionaljournal Ostschweiz, 13.10.21, 12.03 Uhr;

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28 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community. Wir schliessen die Kommentarspalte an dieser Stelle und bedanken uns für Ihre Kommentare und interessanten Diskussionen. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Hanspeter Flueckiger  (Hpf)
    Solche Diskussionen - eindeutige Anzeichen von zunehmender Wohlstandsverwahrlosung. Wie hat mal einer, oder auch eine - ich weiss nicht wer - gesagt: "Da sie sich für Weise hielten, sind sie zu Narren geworden."
  • Kommentar von Emil Bonderer  (Emil)
    Zeitgemäss, allein das Wort wird für jeden Unsinn missbraucht. Man muss nicht Geschichtsprofessor sein um zu wissen, was uns die Geschichte lehrt. Eines ist sicher, jede Gesellschaft die sich nur noch auf das Zeitgemässe konzentriert hat, ihre eigene Geschichte vergisst nicht mehr pflegt, eben alles dem Zeitgemässen unterwirft, taucht ab ins Verderben. Die Geschichte beweist das, hört endlich mit diesem Unwort auf, schaut was der Allgemeinheit dient und nicht ein paar Besserwisser oder Fanatiker
    1. Antwort von Patrick Steiner  (vb22)
      Voll und ganz bei Ihnen. Ein Kuchenrezept von Grossmutter wird auch nicht mit zeitgemässen ruiniert.
      Der heutige Zeitgeist ist aber halt leider so, dass das Junge, die moderne Mitte und das schamerfüllte Alter die Geschichte und die Tradition ausblendet und nur noch mit eigener Zukunftsfantasie in die Gegenwart schaut. Könnte der Entwicklung zum Narzisst und Egozentriker zu verdanken sein.