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Rauchen am Steuer Legale Hanf-Zigaretten können zu Anzeige führen

Legende: Video Wirkungen einer Cannabis-Zigarette abspielen. Laufzeit 02:28 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.08.2017.

An den Kassen von Schweizer Detailhändlern leuchten aus dem Zigarettenregal grün die Pakete mit den Hanf-Zigaretten hervor. Sie bestehen neben Tabak auch aus Hanf. Dieser enthält nur wenig von dem berauschenden Wirkstoff THC, jedoch umso mehr Cannabidiol (CBD).

Der Substanz wird eine beruhigende Wirkung nachgesagt. Marc Augsburger, Toxikologe an der Universität Lausanne, ist skeptisch gegenüber diesen neuen Zigaretten. Die Wirkung des CBD sei nicht genügend erforscht, deshalb habe es im Strassenverkehr nichts zu suchen: «Ich empfehle als Vorsichtsmassnahme, nach dem Konsum nicht mehr Auto zu fahren. Auch wenn die genauen Effekte heute noch nicht bekannt sind, kann man vermuten, dass es potentiell riskant ist.»

THC – illegal am Steuer

Wer sich nach dem Konsum der Hanf Zigaretten dennoch ans Steuer setzt, geht nicht nur das Risiko der unbekannten Wirkung des CBD ein. Auch der kleine Rest an THC könnte ausreichen, um die Fahrfähigkeit zu beeinflussen, bestätigt Augsburger. «Es hat tatsächlich eine gewisse Dosis an THC, und die ist nicht vernachlässigbar. Bei dieser Menge kann nicht ausgeschlossen werden, dass es eine Auswirkung auf das Fahrvermögen hat.»

Hinzu kommt, dass diese Menge an THC auch schon genügen könnte, um durch den Drogentest der Polizei zu fallen. So könnte aus der Hoffnung auf Entspannung eine strafrechtliche Verspannung werden. Der Mediensprecher der Kantonspolizei Bern, Dominik Jaeggi, erklärt: «Das Gesetz sagt ganz klar: Wenn im Blut THC nachgewiesen werden kann, dann liegt eine Fahrunfähigkeit vor. Dabei spielt es keine Rolle, welche Substanz diesen THC-Wert verursacht hat.» Ob das THC im Blut von legalen Hanf-Zigaretten kommt oder von einem illegalen Joint, könne nachträglich unmöglich nachgewiesen werden.

Wie viel ist zu viel?

Beim Bundesamt für Gesundheit BAG ist man sich der Problematik um die Hanf-Zigaretten bewusst. «Es gilt: Wer Hanfprodukte konsumiert, fährt nachher nicht», sagt Michael Anderegg, der beim BAG für Tabak- und Hanfwaren zuständig ist. Gerne würde man die Hersteller verpflichten, einen entsprechenden Hinweis auf die Packung zu drucken, jedoch fehlt hierzu die gesetzliche Grundlage. Die Hersteller würden dies aber schon auf freiwilliger Basis tun. Auch ein Fahrverbot nach dem Konsum der Zigaretten ist momentan keine Option.

Doch wie viel Hanf-Zigaretten sind zu viel? Dies könne man nicht pauschal beantworten, meint der Toxikologe. Eine Faustregel für die Fahrtüchtigkeit wie beim Alkohol gebe es nicht, denn jeder reagiere anders auf die Wirkstoffe.

Verbot für ÖV-Chauffeure

Die Risiken der Hanf-Zigaretten sind auch öffentlichen Transportunternehmen bewusst. Auf Anfrage geben SBB, Postauto und Swiss an, ihren Mitarbeitern den Konsum solcher Zigaretten im Dienst zu verbieten.

Regelungen grosser ÖV-Unternehmen

SBB:
«Für unser Personal in sicherheitsrelevanten Bereichen wie Fahrdienstleiter, Lokführer, Zugpersonal etc. gilt die Nulltoleranz.»
Postauto:«Bei der Sicherheit gibt es bei Postauto eine Nulltoleranz, die Fahrtüchtigkeit ist oberstes Gebot, auch bei der Einnahme von anderen Substanzen wie zum Beispiel Medikamenten.»
Swiss«Es gibt keine konkrete Regelung bezüglich Hanf-Zigaretten. Gemäss unserem Medizinischen Dienst gehören sie aber im Rahmen unserer No Drugs Policy implizit dazu. Das heisst, Suchtmittel wie Alkohol, Drogen und Medikamente mit Abhängigkeitspotential sind im Flugdienst aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt.»

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26 Kommentare

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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Gottseidank kennen wir die 0.5-Promille-Grenze. Sie grantiert das heilige Schweizer Sauf-Brauchtum und garantiert, dass man sich so auch noch mit Restalkohol ans Steuer setzen darf.
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  • Kommentar von August Meier (And007)
    Rauchen während der Fahrt sollte sowieso verboten sein. Ich bin eigentlich gegen zu viele Verbote aber Telefonieren, SMS schreiben, Essen und Trinken sind ja im Rahmen "alles was vom Fahren ablenkt ist verboten" auch nicht erlaubt. Was unterscheidet Rauchen so von den anderen Tätigkeiten ausser das der Staat bei jeder Zigi abkassiert?
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    1. Antwort von James Wright (Rationalist)
      Das ist genau diese Schweizer Verbotsmentalität, die völlig inadäquat ist. Ich selbst rauche nicht, aber wenn jemand Auto fährt und gleichzeitig rauch UND er oder sie es kann, dann braucht es sicher kein verbot. Nur weil gewisse Leute gewisse Dinge unter bestimmten Umständen nicht können, müssen diese Umstände nicht gezwungenermassen reglementiert werden – denn genau das bläst den Bürokratieapparat ins Unermessliche auf.
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    2. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Verbotsmentalität der Schweizer? Wer z. B. nach Deutschland will & am Zoll mit Hanfzigaretten erwischt wird, zahlt eine Busse, weil sie u. a. in Deutschland verboten sind.
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Das aktuelle Hanfgesetz und die Toleranzwerte sind veraltet und diskriminierend. So kann sich ein Säufer nach einem durchzechten Wochenende verkatert ans Steuer setzen, aber ein CBD Hanf Gelegenheitsraucher ist quasi für immer ein potentieller Verbrecher. Ich bin absolut dagegen, besoffen oder bekifft zu fahren. Doch nach dem aktuellen Gesetz darf man weder einen schluck Trinken noch etwas rauchen, auch nicht Tage zuvor. Das ist eine Hexenjagd und kein vernünftiges Denken!
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