Legionärskrankheit: Hoteliers gegen strengere Bäder-Vorschriften

Der Bundesrat hat der Legionärskrankheit den Kampf angesagt. Mit strengeren Vorschriften für Bäder und Duschanlagen will er die Infektionen mit Legionellen eindämmen. Die Hotelbranche kritisiert die geplanten Massnahmen.

Ein Swimming Pool mit Whirlpool in einem Hotel.

Bildlegende: Die Sanierung aller Hotelbäder in der Schweiz würde laut einer Studie rund 14 Millionen Franken kosten. Reuters

Legionellen, stäbchenförmige Bakterien, leben im Wasser. Eine Infektion mit ihnen kann beim Menschen zur Legionärskrankheit führen. Um die Zahl der Ansteckungen zu senken, will der Bundesrat das Dusch- und Badewasser neu dem Lebensmittelgesetz unterstellen. Damit würden die Vorschriften für Bäder und Duschanlagen strenger.

Betroffen wären auch zahlreiche Hotelschwimmbäder. Für Christophe Hans vom Branchenverband Hotelleriesuisse gehen die neuen Vorschriften zu weit: «Die Umsetzung wäre zu teuer – und das in einer Zeit, in der die Hoteliers unter dem starken Franken leiden.»

Kosten von 14 Millionen Franken

Der Bund will unter anderem die Grenzwerte für Legionellen verbindlich festlegen. Ausserdem dürften zum Beispiel die Filter von Badeanlagen nur noch mit desinfiziertem Wasser und von Hand gespült werden.

Ein Mann in einem weissen Kittel hält eine Petrischale in der linken und ein Stäbchen in der rechten Hand.

Bildlegende: Legionellen können schwere Lungenentzündungen verursachen. Reuters

Wegen der neuen Vorschriften müssten mehr als die Hälfte aller Hotelbäder saniert werden. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie. Kosten würden die Sanierungen rund 14 Millionen Franken. «Das ist sehr viel Geld im Verhältnis zum Wert der Bäder», sagt Christophe Hans.

Lebensgefährliche Krankheit

Was die Sanierung der Duschanlagen kosten würde, dazu gibt es keine Schätzungen. Christophe Hans von Hotelleriesuisse ist überzeugt: Das Problem löse sich in ein paar Jahren von selbst, wenn die Hoteliers ihre Anlagen aus Altersgründen ohnehin erneuern müssten.

Ein bunt beleuchteter Swimming Pool in einem Hotel.

Bildlegende: Die neuen Vorschriften hätten zur Folge, dass über die Hälfte aller Hotelbäder in der Schweiz saniert werden müssten. Reuters

So lange will man beim Bund aber nicht warten. Denn Legionellen können sich in Wasserleitungen ansiedeln, und wenn sie zum Beispiel beim Duschen eingeatmet werden, kommt es häufig zu schweren Lungenentzündungen. «Wenn man sich mit Legionellen ansteckt, riskiert man sein Leben», sagt Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit. «Das Problem muss man deshalb in der öffentlichen Gesundheit ernst nehmen.»

Mehr als doppelt so viele Fälle

Die Zahl der Fälle von Legionärskrankheit hat sich in der Schweiz in den letzten 14 Jahren mehr als verdoppelt: Während es 2001 noch 125 Fälle gab, waren es letztes Jahr 280. Bei fünf Fällen erfolgte die Ansteckung in einem Hotel oder auf einem Campingplatz. Der Bund will die Vorschriften deshalb verschärfen – für Hotels, Campingplätze und alle anderen halböffentlichen und öffentlichen Anlagen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Die Macht der Hotel-Buchungsplattformen

    Aus Echo der Zeit vom 11.10.2015

    Viele Leute, die derzeit in die Herbstferien verreisen, haben ihr Hotelzimmer auf einer Buchungsplattform im Internet gebucht. Für die Hoteliers sind diese Plattformen Fluch und Segen zugleich. Zwar bringen sie neue Gäste, aber sie werden immer mächtiger und erheben teils hohe Gebühren.

    Denise Schmutz

  • Angst um Traditionshaus

    Aus Schweiz aktuell vom 7.10.2015

    Das Luzerner 5-Sterne-Hotel Palace steht zum Verkauf: Die Besitzerin Credit Suisse sucht nach einem Käufer, was nicht einfach ist. Die Stadt ist alarmiert und hofft auf einen Investor, der das Hotel auch tatsächlich weiterführen will.