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Schweiz Lehre im Pflegewesen? Leider ausgebucht – trotz Fachkräftemangel

Die Nachfrage ist gross: Mittlerweile rangiert eine Lehre im Gesundheitsbereich ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Doch viele Interessenten bleiben auf der Strecke. Es gibt zu wenige Lehrstellen – trotz prekärem Fachkräftemangel.

Legende: Video CVP für mehr Berufsförderung abspielen. Laufzeit 1:50 Minuten.
Aus Tagesschau vom 09.08.2014.

Die Gesundheitsbranche klagt seit Jahren über einen Mangel an qualifizierten Pflegefachkräften. Bis 2030 müssten 120'000 bis 190'000 Personen rekrutiert werden, gab die ODA Gesundheit Bern, eine Vertreterin der Arbeitgeber im Gesundheitswesen, kürzlich an einer Medienkonferenz bekannt.

Stellen wurden geschaffen – aber nicht genug

Die Branche blieb nicht untätig: Seit 2006 hat sich das Lehrstellenangebot im Gesundheitswesen fast verdoppelt. Doch auch dies reicht bei Weitem nicht, um die Nachfrage zu decken.

Das bestätigt Monika Weder von Curaviva, dem Schweizer Verband der Heime und sozialen Institutionen: «Wir haben sehr viele zusätzliche Lehrstellen in Vergangenheit geschaffen. Aber es reicht noch nicht ganz. Das heisst: Man könnte durchaus noch zusätzliche Lehrstellen schaffen.»

Auch auf der Seite der Lernenden genügt das Angebot nicht. Denn auch die Beliebtheit von Lehrstellen im Gesundheitswesen steigt an: Rund 4000 Jugendliche fangen dieser Tage die Ausbildung zur Fachfrau oder zum Fachmann Gesundheit (Fage) an. Die Lehre nimmt Platz drei auf der Beliebtheitsskala der Lehrstellen ein. Weitere 1500 beginnen die kürzere Attest-Lehre. Dazu gibt es weitere Lehren im Gesundheits- und Pflegebereich.

Aufwändige Ausbildungen

Warum gibt es nicht noch mehr Lehrstellen? Das Angebot lasse sich nicht auf einen Schlag massiv erhöhen, die Ausbildung sei aufwändig, sagt Urs Sieber, Geschäftsführer von ODA Gesundheit Bern: «Da kann man nicht einfach mal ein bisschen üben. Fachfrauen und Fachmänner Gesundheit müssen ihre Kompetenzen am Patientenbett anhand von realen Situationen erwerben. Jede Handlung muss von einer Ausbildungsverantwortlichen begleitet werden.»

Damit die Zahl der Lehrstellen weiter steigt, hat man in mehreren Kantonen Ausbildungsverpflichtungen für Spitäler und Heime eingeführt. Vorreiter dafür war der Kanton Bern, der damit gute Erfahrungen gemacht hat.

Millionen für die Förderung

Das bestätigt die Leiterin des Berner Spitalamtes, Annamarie Müller Imboden: «Wir haben das vor allem bei Fage gesehen, dass die Zahl der Lehrlinge nochmals sprunghaft angestiegen ist, seit wir diese Ausbildungsverpflichtung haben.» Dies habe aber seinen Preis: Einen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr wende der Kanton Bern auf, um die Ausbildung im Gesundheitswesen zu verbessern, sagt Annamarie Müller.

Auch wenn es in Zukunft noch mehr Ausbildungsstellen im Gesundheitswesen gibt: Die Nachfrage nach Fachkräften für Pflege und Betreuung wird die Schweiz auch weiterhin kaum aus eigener Kraft decken.

Lehrstellen unbesetzt

Während es im Gesundheitswesen an Lehrstellen mangelt, klagen andere Branchen über Nachwuchsmangel. Im Bau etwa, in der Landwirtschaft oder in technischen Berufen konnten dieses Jahr nicht alle Lehrstellen besetzt werden.

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36 Kommentare

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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Was bietet ein angenehmeres Leben? 5 Tage/Woche während 8 Stunden/Tag in einer Berufslehre zu geringem Lohn zu lernen, sich über 5 Wochen Ferien/Jahr freuen, nach wenigen Jahren sich den Lebensunterhalt selber verdienen können oder 41/2 Tage/Woche während 5/6 Stunden/Tag in einer Schule zu sitzen, sich über ganz vielen Schul,- Semesterferien freuen & für den Lebensunterhalt sorgt der Staat oder die Eltern bis man 30 ist? Persönlich finde ich richtig gut, was die CVP fördern will.
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    1. Antwort von Tim Lang, Bern
      Da stellen Sie sich die Schule aber zu locker vor! Ich gehe aufs Gymnasium, habe eine 5-Tage Woche und verbringe täglich 8 Stunden in der Schule. Und ja, meinen Lebensunterhalt zahlen meine Eltern, aber mein Geld für Freizeit muss ich mir selber verdienen.
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  • Kommentar von Sabine Bieri, Gutenswil
    an R.Baumgartner: Sie haben recht, wir Teilzeiter brauchen manchmal mehr Zeit, dafür sind wir oft motivierter als die Hochprozentigen, arbeiten viel am Wochenende oder im Spätdienst. Und wer kein Wiedereinsteiger ist, kann fachlich gut mithalten. Wenn man keine Teilzeiter will, gibt es noch die Temporären oder einfach niemanden?
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  • Kommentar von U.E.Romer, Zuerich
    Die Zahl der arbeitslosen Uni-Abgänger ist am Wachsen. Leider schauen die Verantwortlichen zu, wie viele Studentinnen und Studenten in Richtung Arbeitslosigkeit studieren. Sie besitzen einen gefüllten Rucksack mit Wissen für Fachgebiete in denen es keinen Bedarf gibt. Sie landen in subalternen Jobs und blockieren so den Berufsleuten einen möglichen Aufstieg. Eine Umverteilung der Gelder zu Gunsten der Berufslehre ist dringend nötig.
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    1. Antwort von Elli Jones, Schwammendingen
      Man studiert ja auch nicht, um eine Wirtschaftsanforderung zu erfüllen, sondern um sich zu bilden. Ausser vielleicht man wird Anwalt ;P
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