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Schweiz Lehrplan 21 macht Facebook zum Schulstoff

Chatten auf WhatsApp, Fotos austauschen auf Instagram: Die Kommunikation im Netz ist für Kinder und Jugendliche selbstverständlich – aber sie will gelernt sein. Im Lehrplan 21 soll die Medienerziehung darum einen festen Platz erhalten. Das gefällt nicht allen.

Computerbildschirm mit Facebook-Seite
Legende: Lehrplan 21: Der richtige Umgang mit Facebook und Co. soll in den Stundenplan. Keystone

Mit dem Handy Fotos schiessen, die Bilder zu einer Diashow verbinden und als Selbstporträt auf das Videoportal Youtube hochladen: Das war eine Aufgabe für die sechste Klasse bei Silvie Spiess in Volketswil. Die Schüler hätten dabei viel gelernt, sagt die Lehrerin zu «10vor10». «Wie stelle ich mich dar? Möchte ich mich in fünf bis zehn Jahren noch so sehen? Das sind Fragen, die man in der Schule behandelt und reflektiert.»

Im Lehrplan 21, der ab 2014 in der ganzen Deutschschweiz eingeführt werden soll, hat die Medienerziehung einen festen Platz erhalten. Die Schule solle «erwünschte und problematische Auswirkungen» der Mediennutzung thematisieren und den Kindern zu einem «verantwortungsvollen Umgang» verhelfen.

Der SVP-Bildungspolitiker Ulrich Schlüer findet das falsch. Die Neuen Medien hätten im Unterricht keinen Platz. «Das geht auf Kosten der Grundkompetenzen, also das, was Kinder und lebens- und berufstauglich macht.» Die Schule solle sich aufs Lesen, Schreiben und Rechnen konzentrieren.

Kommunikation im Internet als «vierte Kulturtechnik»

Das sieht der oberste Vertreter der Lehrer, Beat W. Zemp, anders: «Lesen, Schreiben und Rechnen sind wichtige Kulturtechniken – aber heute gibt es eine vierte: der Umgang mit dem Internet.» Es werde in wenigen Jahren keinen einzigen Beruf mehr geben, in dem man ohne diese Kompetenz auskomme.

Wie viel darf man auf Facebook von sich preisgeben? Wie schützt man seine Daten? Ulrich Schlüer räumt ein, dass man den Kindern vermitteln müsse, wie sie sich im Internet benehmen sollen. Aber das sei nicht Aufgabe der Schule, sondern der Eltern. Diese müsse man in die Pflicht nehmen und sie auf ihre Verantwortung hinweisen.

Eltern sind überfordert

Der Medienpädagoge Urs Utzinger sagt indes, viele Eltern seien mit der raschen Entwicklung im Medienbereich überfordert. «Vor zwei Jahren kam Facebook auf, heute sind WhatsApp und Instagram gross, in zwei Jahren ist es vielleicht wieder etwas anderes.» Man könne es nicht den Eltern allein überlassen, die Kinder im Umgang mit diesen Medien anzuleiten. Utzinger würde sich darum sogar ein eigenes Fach für den Medienunterricht wünschen, das von Speziallehrkräften unterrichtet würde.

Was genau die Kinder im Medienunterricht lernen sollen, legt der Entwurf des Lehrplan 21 nicht fest. Eine eigens eingesetzte Arbeitsgruppe soll sich in den nächsten Wochen zusammensetzen, um die Inhalte zu präzisieren.

41 Kommentare

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  • Kommentar von Barbara Bürgin, Sigriswil
    Herr Kühn, ich unterrichte Jugendliche und da sieht die vorgesehene Medienerziehung schon etwas anders aus. Ich unterrichtete schon auf allen Stufen und bin auch Erwachsenenbildnerin. Liebend gerne würde ich Sie am Waldrand mit Ihrer Kinderschar besuchen, bestimmt haben die Kinder da viel Spass im Spiel, dies ohne i-Phone. Wer weiss wie dann der nächste Schritt des neuen Lehrplanes aussieht?
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  • Kommentar von Barbara ^Bürgin, Sigriswil
    Wir sitzen ja alle in demselben Boot: Staatsverschuldung, FEDERAL RESERVE, Medienbevormundung,Der Tanz ums goldene Kalb hats seit jeher gegeben. Nur profitieren die einen und die anderen verarmen..... Wenn man weiss, wer heute wirklich die Macht besitzt, so ist das bedenklich im immer gleichen Stil weiterzumachen. Jeder muss mit seinem Gewissen selbst leben und in den Spiegel schauen können!
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  • Kommentar von Matthias Kühn, Meggen
    ...eigenschaften. Es gibt Kinder, die können Eindrücke nicht filtern - was momentan wichtig und was momentan nicht wichtig ist (manche nennen das ADHS). Es ist wohl eher so, dass Schüler durch die Benutzung von smartphones abgelenkt und unaufmerksam sind. Und da müssen Elternhaus und Schule ansetzen: der richtige und verantwortungsvolle Umgang damit. Wir gehen mehrmals im Jahr im nahegelegenen Wald. Sie sollten die Kinder dann mal sehen, was die machen :). Das ist alles andere als seelenlos.
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