Leuthard: «Führerlose Autos in rund zehn Jahren»

Bundesrätin Doris Leuthard geht davon aus, dass bereits in sieben bis zehn Jahren führerlose Fahrzeuge auf Schweizer Autobahnen unterwegs sein werden. Das erklärte die Verkehrsministerin in der Sendung «Schweiz aktuell».

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Bundesrätin Leuthard über den Verkehr in der Schweiz

16 min, vom 13.8.2015

Bundesrätin Doris Leuthard ist der Meinung, dass in sieben bis zehn Jahren führerlose Autos in der Schweiz fahren werden. «Dies wird schneller geschehen als man denkt. Früher bedeutete ein grosses Auto vielleicht noch Prestige.» Dies sei heute bei den Jungen anders. Man wolle einfach mobil sein. So sage man sich dann vielleicht auch vermehrt: Lieber ein kleines Auto, aber dafür ein technisch hervorragend ausgerüstetes Auto oder eines das man mieten kann.

Am Anfang würden diese wohl noch zu teuer sein für die Massen. Es brauche eine gewisse Menge, bis auch ein durchschnittlicher Bürger diese als preislich attraktiv erachtet. «Doch diese Richtung ist unaufhaltsam. Und wenn es dann soweit ist, muss der Staat die nötigen Infrastrukturen bereit stellen», sagte Doris Leuthard.

Mangelnde Kapazität

Auf den gegenwärtigen Verkehr bezogen meint Bundesrätin Leuthard: «Wir können unser Strassennetz nicht endlos ausbauen, können es aber noch optimieren.» Im Gespräch mit Moderator Michael Weinmann an der Raststätte Würenlos setzt sie grosse Hoffnungen in das Verkehrsmanagement mit elektronischen Verkehrstafeln und Informationen per Smartphone in Echtzeit. «Wir müssen versuchen, in den Spitzenzeiten den Verkehr zu reduzieren», so Doris Leuthard.

22‘000 Staustunden sind es momentan jährlich auf dem Schweizer Autobahnnetz. Die Überlastung wird sich offenbar nicht allzu bald auflösen. Die Beseitigung der Engpässe kommt laut Bundesrätin Leuthard nämlich nur schleppend voran: «Wir hinken hintendrein mit dem Ausbau der Autobahn. 85 Prozent des Staus sind heute auf mangelnde Kapazität und Überlastung zurückzuführen.»

«Dafür haben wir ein Engpass-Beseitigungsprogramm. Aber dieses kommt schleppend voran. So haben wir bei vielen Projekten Einsprachen. Das ist ärgerlich und weil der Unterhalt vom bestehenden Netz jedes Jahr mehr Geld beansprucht, bleibt in den Budgets weniger Geld für die Engpassbeseitigungen.»

Der Zersiedelung Einhalt gebieten

Weil die Bevölkerungszahl der Schweiz weiter zunimmt, müsse man bei der Siedlungsentwicklung frühzeitig an die Bewältigung des Verkehrs denken. Zudem müsse die Zersiedelung gebremst werden: «Wir können es uns nicht mehr leisten, in die Breite zu wachsen. Wir dürfen die Schweiz nicht zubetonieren.»

Mit den Kantonen werde bereits geschaut, dass Siedlungsentwicklung und Mobilität vermehrt schon in der Planung kombiniert würden. «Wenn man neue Quartiere plant oder einzont, soll man bereits daran denken, wie man den Verkehr bewältigen kann.» Dies könne man auch mit Modellen simulieren. «Das scheint mit sehr entscheidend für die Zukunft.»

Eine Tunnelgebühr ist kein Tabu

Pro Jahr gibt der Bund rund 2 Milliarden Franken für die Schweizer Strassen aus. Wegen der vielen Bauten aus den 1970er-Jahren gerate man nun in eine teure Sanierungsphase. «Das wird die Kosten in die Höhe jagen.» Die Finanzierung müsse rechtzeitig in Angriff genommen werden «Wer viel nutzt, soll mehr beitragen zu den Kosten des Systems. Wir müssen solche Modelle anpacken», fordert Leuthard.

Autobahn A1

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