Leuthard punktet in der Höhle des Endlager-Löwen

Wo soll dereinst der Schweizer Atommüll gelagert werden? Seit drei Jahren prüft der Bund sechs verschiedene Standorte für ein Endlager für radioaktive Abfälle in der Tiefe. In Feuerthalen appellierte Bundesrätin Leuthard an die Solidarität der Bevölkerung.

Die Zürcher Gemeinde Feuerthalen an der Grenze zu Schaffhausen liegt zwischen zwei möglichen Endlagerstandorten. Der Auftritt von Energieministerin Doris Leuthard dort stiess auf grosses Interesse. 400 Personen sassen an langen Tischen in einer Turnhalle, bereit zur Podiumsdiskussion. «Ein spezieller Dank gehört sicher Ihnen, Bundesrätin Leuthard. Sie haben den Gang in die Höhle des Weinländer und Schaffhauser-Tiefenlager-Löwen nicht gescheut», sagte Markus Späth, der Organisator der Veranstaltung.

Doris Leuthard sagte dazu: «Ich habe versprochen, ich komme. Ich habe Wort gehalten. Ich freue mich, dass sich so viele Leute für die Energiepolitik interessieren.»

Doris Leuthard erklärte zuerst, warum der Bundesrat aus der Atomenergie aussteigen will. Das ändere aber nichts daran, dass die Abfälle, die schon entstanden sind und noch anfallen werden, dereinst irgendwo unter den Boden müssen. Und darum wurde Leuthard an die Adresse der Endlager-Gegner bald ziemlich deutlich: «Wenn jede Region sich weigert, wo kommen wir dann hin?»

Sie machte klar, dass es sich um eine Frage handelt, bei der sich niemand nicht betroffen fühlen könne: «Im Stromnetz fliesst auch Kernenergie. Sie können sich nicht abkoppeln und sagen, es gehe Sie nichts an.»

Umstrittenes Vetorecht der Standortgemeinden

Jener Standort werde am Schluss ausgewählt, der am sichersten sei, unabhängig vom Widerstand der Bevölkerung. Von einem Vetorecht für die Standortregion, wie es der Nationalrat letzte Woche wieder ins Spiel gebracht hat, hält Leuthard gar nichts. «Jedes Parlament würde seine Regierung beauftragen, Gebrauch zu machen vom Vetorecht. Was ist dann die Lösung? Ins Ausland mit den Abfällen?»

Im Publikum waren die Meinungen in dieser Frage geteilt. Jürg Grau, Präsident der Regionalkonferenz Weinland, die sich mit dem möglichen Endlager im Weinland befasst, pflichtete der Bundesrätin bei: «Wenn wir einen Standort in der Schweiz bestimmen wollen, dann darf es kein Veto geben.»

Jean-Jacques Fasnacht dagegen, einer der engagiertesten Kritiker eines Endlagers im Zürcher Weinland, widersprach. «Das Vetorecht, diese Mitbestimmung, die braucht es, damit die Betroffenen darüber entscheiden können, wie ihre Zukunft aussieht.»

«Ich fand das wirklich gut»

Aber auch wenn sich niemand ein Atomendlager vor der Haustür wünscht, Bundesrätin Leuthard hat an diesem Abend in der Höhle des Löwen mit ihrer direkten Art bei vielen punkten können: «Ich habe sie sehr sympathisch gefunden. Sie hat ihre Sache gut verkauft», sagte eine Frau.

Eine andere Interessierte meinte: «Sie hat den Menschen ins Gewissen geredet. Wir sind alle zusammen verantwortlich. Ich fand das wirklich gut.»

In drei Jahren sollen die möglichen Endlager-Standorte auf zwei eingegrenzt werden. Gut möglich, dass es dann hier im Zürcher Weinland wieder Erklärungsbedarf gibt für den Bundesrat.