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Engpässe beim Impfhersteller Moderna
Aus Tagesschau vom 17.04.2021.
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Lieferverzögerungen Moderna Kanton Bern kritisiert Bund wegen Lieferverzögerung – BAG kontert

  • Der Kanton Bern kritisiert das Bundesamt für Gesundheit scharf und fordert, der Bund solle die Impflogistik an Private übertragen.
  • Grund dafür ist ein am Freitagabend kurzfristig mitgeteilter Lieferengpass für den Corona-Impfstoff von Moderna.
  • Die Direktorin des BAG Anne Lévy weist die Kritik entschieden zurück. «Das Problem liegt bei Moderna und nicht beim Bund.»

«Der Kanton Bern fordert den Bund auf, sich personell neu zu orientieren und die Verantwortung für das Lieferungs- und Impfprogramm Fachleuten aus der Wirtschaft zu übertragen, um einen professionellen Ablauf sicherzustellen», heisst es wörtlich in einer Mitteilung der Berner Gesundheitsdirektion.

Der Bund habe am Freitagabend den Kantonen mitgeteilt, dass die angekündigte umfangreiche Lieferung an Moderna-Impfstoff nur in sehr geringem Umfang eingetroffen sei. Und diese Mitteilung erfolge nur einen Tag, nachdem an einem Treffen von Bundesrat Alain Berset, dem BAG und allen kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren von Bundesseite mit Nachdruck verlangt worden sei, die zweite Dosis nicht mehr zur Reserve an Lager zu behalten.

Schnegg ist nachhaltig verärgert

Der Berner Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg (SVP) zeigt sich gegenüber SRF auf Nachfrage nachhaltig verärgert: «Dass es bei so einer grossen Industrie-Operation Probleme gibt, ist mir auch klar. Aber eine solche Kommunikation zerstört das Vertrauen zwischen den Akteuren der Impfkampagne, aber auch jenes der Bevölkerung in die Kampagne.»

Dennoch werde der Kanton Bern in der kommenden Woche alle geplanten Impftermine einhalten können, gleichzeitig werde aber die Terminplanung ab dem 26. April an die neuen Gegebenheiten angepasst. Schnegg sagte weiter, der Kanton Bern werde mit den Reserven für die Zweitimpfung nun vorsichtig bleiben, egal was der Bund fordere.

Auch der Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz, Lukas Engelberger ärgert sich über die Verzögerungen und bestätigt, dass statt 350'000 Dosen offenbar nur 70'000 ankamen. Von der scharfen Kritik am Bund von seinem Kollegen Schnegg hält er aber wenig. Denn das Problem liege in diesem Fall beim Hersteller und nicht beim Bund: «Wir sollten uns deshalb nicht gegenseitig mit Vorwürfen eindecken, sondern uns auf die Arbeit konzentrieren.» Es dürfte aber weiterhin sinnvoll bleiben, für die Zweitimpfungen eine gewisse Reserve zu behalten. «Die Kantone dürfen nicht zu stark unter Zeitdruck gesetzt werden.»

BAG sieht Fehler klar bei Moderna

Die Direktorin des BAG, Anne Lévy, versteht einerseits den Ärger über die Lieferverzögerung: «Wir sind auch empört über die kurzfristige Lieferverzögerung vonseiten Moderna. Wir haben aber sofort interveniert und konnten so wenigstens seine Teillieferung sichern,» sagt sie gegenüber SRF.

Der Bund ist jederzeit in der Lage, die eintreffenden Lieferungen an die Kantone zu verteilen. Das Problem liegt bei Moderna.
Autor: Anne LévyDirektorin BAG

Andererseits weist sie die Kritik des Berner Gesundheitsdirektors Schnegg am Bund und am BAG aber entschieden zurück: «Die Hersteller haben Logistikprobleme und nicht der Bund. Der Bund ist jederzeit in der Lage, die eintreffenden Lieferungen an die Kantone zu verteilen. Das Problem liegt bei Moderna.» Sie stemme sich gegen das Argument, die Impflogistik wäre in privater Hand besser aufgehoben. Den Lieferengpass habe ja ausgerechnet ein privates Unternehmen zu verantworten, sagte Lévy bei Radio SRF. Das Problem liege also beim Hersteller.

Sie bleibt aber dabei, dass die Kantone mit rund einem Drittel aktuell zu grosse Reserven für Zweitimpfungen halten. Denn wenn es bis zur Zweitimpfung einmal etwas länger dauere, sei das kein Problem. Schnellere Verimpfung bedeute aber weniger Krankheitsfälle.

Info3, 17.04.2021, 17 Uhr;

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125 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Hanselmann  (kinkiri)
    Bin ich der einzige den es stört, dass das BAG gleichzeitig den Antrag des Bundesrats auf Öffnung von Fitnesscenter bewilligt, während es den Kantonen keine Impfstoffe mehr liefern kann?

    Der Masterplan des BAG scheint zu sein, jeder schaut für sich selbst unter der Annahme das Gesundheitswesen wird nicht zusammenbrechen. Als Schweizer ist mir aufgefallen, dass die Schweiz Covid nicht kann und 9869 Menschen starben. Wird die Chefin des BAG zurücktreten, falls ihre Spitäler zusammenbrechen?
    1. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      A. Hanselmann denke einfach, dass man aufhören sollte mit Beschuldigungen, egal wer dies betrifft. Denn einfach ist dies in einer solchen unsicheren Situation sicher nicht, Entscheidungen zu treffen. Denke es fehlt ein Krisen-Management wo Fach-, Sachkundig alle Sparten vertritt. Die Verantwortung sollte man aber selber nicht vergessen, jeder Einwohner in der Schweiz hat es in der Hand, dies wäre dann vielleicht eine Möglichkeit, um die Fallzahlen zu reduzieren, als ständig zu resignieren.
  • Kommentar von Jugo Perren  (PJ)
    Moderna und Lonza sind auf den internationalen Warenvwrkehr angewiesen. Denn ein Grossteils für die Produktion und Verpackung kommt aus Asien.
    War da nicht das Problem im Suezkanal.wo ca 150 Schiffe für mehr als eine Woche auf die Durchfahrt warten mussten.
    Wenn eine Firma Produkte für die Produktion nicht rechtzeitig erhält, kann sie auch nicht zum vereinbarten Termin nicht liefern.
    1. Antwort von Daniel Gion  (dgion)
      Das Problem mit dem Suezkanal ist nicht erst seit Freitag bekannt...
    2. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      J. Perren vielleicht zeigt sich doch ein gewisser Mangel an der Selbständigkeit der Schweiz auf. Durch die Globalisierung die für wichtig und richtig gesehen wird, so ist man auf das Ausland immer mehr angewiesen. So kann es zu solchen Verzögerungen kommen. Vielleicht sollte man einfach nicht alles ins Ausland verlagern. Waren auf dem Schiff Produkte zur Herstellung des Impfstoffes, wissen Sie dies? Es geht hier nur um die Verzögerung der Impfstoffe und um gar nichts anderes.
  • Kommentar von Peter Meier  (peme)
    Moderna kann ihre Lieferversprechungen nicht einhalten und wer ist daran schuld??? Logisch das BAG und wie soll das Problem gelöst werden? Die Privatwirtschaft soll das Zepter übernehmen.... Moderna ist doch Privatwirtschaft. Ich verstehe unsere bürgerliche Politiker immer weniger, die sind nicht krisentauglich (Pandemie per Gesetz beenden, Maulkorb für Wissenschaften, Diktatur geschrei...)
    1. Antwort von Daniel Gion  (dgion)
      Können Sie Ihre Vorwürfe konkretisieren oder ist das wieder ein populistische Rundumschlag?
    2. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      P. Meier welche Partei halten Sie dann für Krisentauglich? Keine Partei kann sich gross mit Erfolg brüsten, diese Krise bewältigt zu haben, denn man steckt seit einem Jahr immer noch ziemlich in der gleichen Situation. Virus hat die Menschen im Griff, wie man spürt. Sage es auch Ihnen, mir wäre ein parteiloses Krisen-Management aus allen Sparten die es betrifft, ehrlichgesagt angenehmer, als diese Politischen Konkurrenzkämpfe, wo z.T. über Grundkenntnisse in gewissen Bereichen eventl. fehlen.