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Schweiz Lockerung des Arztgeheimnisses «unnötig und gefährlich»

In den Kantonen Wallis und Genf wird derzeit über eine Lockerung des Arztgeheimnisses diskutiert. Die Frage ist, ob Ärzte über die Gefährlichkeit von Straftätern Auskunft geben müssen. Hintergrund ist die Tötung einer Sozialtherapeutin durch einen Gefangenen im Kanton Genf im letzten Herbst.

Ein Arzt und eine Patientin unterhalten sich im Stehen hinter einer Tür mit einem Schild «Sprechzimmer 1».
Legende: Was der Patient dem Arzt erzählt, unterliegt heute der Schweigepflicht. Egal ob Häftling oder nicht. Keystone

Der Fall Adeline wühlte die Schweiz auf. Ein vorbestrafter Gewalttäter soll die Sozialtherapeutin während eines begleiteten Ausgangs getötet haben. Als Folge davon soll nun in den Kantonen Genf und Wallis das Arztgeheimnis gelockert werden.

Die beiden Gesetzesentwürfe sehen vor, dass Ärzte, die Gefangene betreuen, den Behörden Auskunft über die Gefährlichkeit ihrer Patienten geben müssen. Die Meldepflicht sei unnötig und gefährlich, finden die Ärzteverbindung FMH und die Akademie der medizinischen Wissenschaften SAMW.

Ausnahmen schon heute möglich

Schon heute könnten Ärzte in Ausnahmefällen beantragen, vom Arztgeheimnis entbunden zu werden, argumentieren sie. Ausserdem sei das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient absolut notwendig für die Wirksamkeit einer Therapie.

Die Ärzteorganisationen befürchten einen Dominoeffekt: Wenn das Arztgeheimnis für Straftäter gelockert werde, könnten später andere Meldepflichten folgen. Befürchtet wird zum Beispiel, dass Behörden, Arbeitgeber oder Sozialhilfe-Institutionen auch Informationen über Patienten mit bestimmten Krankheiten verlangen könnten.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    So aehnlich wie das Beichtgeheimnis.. auch das schuetzt Verbrecher... Nun,wenn die Psychiater, darum gehts ja in erster Linie, einen Gefangenen als ungefaehrlich titulieren verletzen sie ja das Arztgeheimnis auch... also was solls????
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  • Kommentar von Charles Halbeisen, Bronschhofen
    Ich glaube nicht, dass uns die Auskunft der Psychiater über die Gefährlichkeit der Straftäter viel nützt. Denn sie irren sich meistens sowieso.
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  • Kommentar von Marlenme Zelger, 6370 Stans
    Für Straftäter sollte das Arztgeheimnis unbedingt gelockert werden, dies zur Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger. Keinesfalls dürften andere Organisationen wie Versicherungen, Behörden und Arbeitgeber und Sozialhilfeinstitutionen auf die Daten zurückgreifen könnten. Um dies zu verhindern, müssten spezielle Schutzmassnahmen ergriffen werden. Aber der Straftäter soll hingegen zum gläsernen Täter für Gerichte werden. Dies sollte abschreckend für Straftaten wirken.
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