Löhne runter? Das kommt nicht einmal bei Arbeitgebern gut an

Die Löhne in der Schweizer Exportindustrie kommen unter Druck, nachdem der Eurokurs auf unter einen Franken gefallen ist. Lohnsenkungen passen den Gewerkschaften überhaupt nicht. Aber auch Wirtschaftsvertreter setzen in erster Linie auf andere Lösungen.

Aufnahme eines Arbeiters mit einem Verstellschlüssel in der Hand.

Bildlegende: Lohnkürzungen, Arbeitszeitverlängerung, Kurzarbeit oder Stellenabbau? Es stehen mehrere Lösungen im Raum. Keystone/Symbolbild

Die einfachste Art, die Lohnkosten zu senken, wäre die Löhne zu senken. Doch gleichzeitig ist es mit Abstand die Schwierigste. Weniger Lohn für die gleiche Arbeit kommt nicht gut an: «Da werden wir sicher nicht Hand bieten», sagt Hansjörg Schmid, Sprecher der Arbeitnehmervertreterin Angestellte Schweiz. Denn die Löhne seien ausgehandelt worden und die Arbeitnehmer müssten sich darauf verlassen können, dass sie dieses Geld auch wirklich erhalten.

Daniella Lützelschwab ist Geschäftsleitungsmitglied des Arbeitgeberverbandes. Sie sieht es ähnlich: «Einfach nur zu raten, die Löhne seien anzupassen, scheint mir nicht richtig. Man muss eine Auslegeordnung machen, schauen wie die Situation aussieht, den richtigen Zeitpunkt bestimmen und dann das entsprechende Mittel ergreifen.»

Länger arbeiten zu gleichem Lohn?

Die zweite Methode, die Lohnkosten runter zu bringen, ist die wöchentliche Arbeitszeit zu verlängern, ohne die Löhne zu erhöhen. Solche Arbeitszeitverlängerungen sind erprobt. Vor dreieinhalb Jahren, als der Euro schon einmal auf den Kurs von ein Franken abgesackt war, erhöhten Industriebetriebe gleich reihenweise die Wochenarbeitszeit – zum Beispiel von 40 auf vorübergehend 42 oder 43 Stunden.

Lützelschwab vom Arbeitgeberverband sieht darin auch für die jetzige Situation eine Lösung. «Diese Arbeitszeiterhöhung wurde in den Branchen ausgehandelt. Es sind Lösungen, die für diese Fälle vorgesehen sind», sagt sie. Es erscheine deshalb verständlich, dass die Branchen sie nun umsetzen wollten.

Kurzarbeit statt Arbeitszeiterhöhung

Für Firmen mit wenigen Aufträgen ist dies allerdings keine Lösung. Das monieren auch die Arbeitnehmer. Stattdessen könnten sie ihre Lohnkosten mit Kurzarbeit runterbringen: Kürzere Arbeitszeit bei etwas weniger Lohn. Dank der Arbeitslosenversicherung erhält ein Vollzeitbeschäftigter bei Kurzarbeitskürzung des Pensums auf 80 Prozent immerhin 96 Prozent seines vollen Lohns.

«  Kurzarbeit hat sich in der Vergangenheit bewährt. Wir würden das unterstützen. »

Hansjörg Schmid
Sprecher Angestellte Schweiz

Mit dieser Lösung sind beide Seiten einverstanden: «Das ist sicher ein gutes Mittel, das sich in der Vergangenheit mehrfach bewährt hat. Wir würden das unterstützen», sagt Angestelltenvertreter Schmid. Und die Vertreterin der Arbeitgeber, Lützelschwab, erachtet das «auch als Lösung».

Früher oder später doch Stellenabbau

Die radikalste Form, die Lohnkosten zu senken, sind Entlassungen. «Es muss jetzt darum gehen, die Stellen in der Schweiz zu erhalten. Dafür muss alles getan werden», sagt Schmid dazu. Für die Arbeitgeber bringen Entlassungen tiefere Personalkosten, allerdings verlieren sie damit auch Know-How. Auch die Arbeitgeber wollen Entlassungen, wenn immer möglich, vermeiden.

Allerdings zeigt die Erfahrung aus vergangenen Krisen auch, dass irgendwann doch Stellen abgebaut werden, wenn die Krise länger dauert. Erst beim nächsten Aufschwung werden dann wieder Leute eingestellt – jüngere, billigere, womit die Lohnkosten dann auch gesunken wären.