Lohndiskriminierung trotz Gesetz

Wer vom Bund Aufträge erhält, muss schriftlich bestätigen, dass er Männern und Frauen gleiche Löhne für gleichwertige Arbeit bezahlt. Doch Kontrollen zeigen, dass dieser Grundsatz oftmals nicht eingehalten wird.

Zwei Männer und eine Frau (Hüfte abwärts zu sehen) betreten einen Lift.

Bildlegende: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Immer noch ein Wunschtraum. Auch bei Bund-Zulieferern. Keystone

In der Schweiz gibt es keine Lohnpolizei. Lohnkontrollen bezüglich Lohngleichheit gibt es nur bei Unternehmen, die einen öffentlichen Auftrag erhalten. Solche Firmen haben per Selbstdeklaration bestätigt, dass sie Frauen und Männern für gleichwertige Arbeit auch gleiche Löhne zahlen. Das eidgenössische Büro für die Gleichstellung kann diese Angaben überprüfen.

Nur wenige Kontrollen

Doch von rund 30'000 Unternehmen, die den Bund jedes Jahr mit Waren und Dienstleistungen beliefern, hat das Gleichstellungsbüro in den letzten sieben Jahren nur gerade deren 28 kontrolliert. Bei 19 der Kontrollen gab es Probleme mit der Lohngleichheit.

Dies widerspiegle die Schweizer Realität bei den Löhnen, erklärt der zuständige Spezialist Patric Aeberhard. Tatsächlich verdienen Frauen im Durchschnitt nach wie vor 20 Prozent weniger als Männer. Doch weniger Berufserfahrung, kürzere Ausbildung oder ein einfacherer Job erklären lediglich die Hälfte des Lohnunterschiedes. Für die andere Hälfte gibt es keine nachvollziehbaren Gründe. Das heisst: Frauen verdienen rund 10 Prozent weniger als Männer, allein weil sie Frauen sind.

Künftig soll es mehr Stichproben geben

Daniella Lützelschwab, Lohnspezialistin des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, befürwortet die Stichprobenkontrollen. Aber die Ergebnisse dürften nicht überinterpretiert werden, betont sie. Denn lediglich bei drei 3 der 28 kontrollierten Firmen sei die Lohndifferenz grösser als 5 Prozent gewesen. Bis zu dieser Limite toleriert das Gesetz über das Beschaffungswesen unterschiedliche Löhne.

Es sei sicher nicht im Interesse der Unternehmen, die Frauen zu diskriminieren, sagt die Vertreterin der Arbeitgeber. Denn schliesslich wollten sie ihre Mitarbeiterinnen behalten.

Die zufälligen Stichproben lassen einen gewissen Interpretationsspielraum zu. Trotzdem ist der Befund eindeutig: Bei vielen der 30'000 Unternehmen, bei denen der Bund Kunde ist, gibt es Probleme mit der Lohngleichheit.

Zwar soll es künftig mehr Stichproben geben. Trotzdem können sich schwarze Schafe in der grossen Herde verstecken. Das Risiko, wegen Lohndiskriminierung ertappt zu werden und einen Auftrag nicht zu erhalten, tendiert gegen Null.