Zum Inhalt springen

Schweiz Lohndumping in den Schweizer Alpen

Obwohl die Subventionen an die Alpwirtschaft steigen, bleiben die Löhne von Hirten und Sennen tief. Laut einer Auswertung der Älpler-Stellenbörse «z‘Alp» bieten nur rund 20 Prozent der Alpbetriebe dem Personal Richtlöhne an. Vielfach werden Tiefst-Löhne oder gar nur «Kost und Logis» angeboten.

Legende: Video Lohndumping auf der Alp abspielen. Laufzeit 9:46 Minuten.
Aus Rundschau vom 24.06.2015.

Der Betreiber der Onlinestellenbörse «z’Alp», Giorgio Hösli, hat für die «Rundschau» rund 1000 Inserate ausgewertet. Gemäss der Auswertung bezahlen nur 20 Prozent der Stellenanbieter Richtlöhne. Das sei einfach zu wenig, betont Hösli: «Diese Leute leisten eine harte Arbeit und müssen auch fair bezahlt werden.»

Die Richtlöhne für Älplerinnen und Älpler werden jedes Jahr vom Kanton Graubünden festgelegt. Die meisten Kantone nehmen die Bündner Löhne als Richtwert. Verbindlich sind die Richtlöhne nicht. Und Arbeitsbedingungen und Löhne der Älpler werden nirgends systematisch erfasst.

Mehr Subventionen, wenig Lohn

Geld für faire Löhne sollte in der Alpwirtschaft eigentlich vorhanden sein. Für die sogenannte Sömmerung von Kühen, Kälbern, Schafen, Pferde und Ziegen flossen 2013 laut Bundesamt für Landwirtschaft insgesamt 101 Millionen Franken Subventionen an Alpbetreiber und Tierhalter.

Mit der neuen Agrarpolitik waren es 2014 gesamthaft 252 Millionen. Das ist mehr als eine Verdoppelung im Vergleich zu 2013. Alpwirtschaftsexperte Giorgio Hösli findet, einen Teil der Subventionen sollte auch an das Alppersonal weitergegeben werden: «Die neue Agrarpolitik will mehr Geld in die Pflege der Alpen fliessen lassen. Diese Arbeit machen meistens die Älpler und darum sollten sie auch einen höheren Lohn bekommen.»

Hohe Kosten auf der Alp

Der Präsident des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbandes, SVP-Nationalrat Erich von Siebenthal, gibt gegenüber der «Rundschau» zu, dass die Löhne des Alppersonals vielfach zu tief sind.

Bis jetzt hätten viele Alpmeister aber einfach nicht mehr Geld bezahlen können: «Man muss einfach sehen, dass in Vergangenheit die Mittel für die Alpwirtschaft gefehlt haben. Und man muss sehen, dass Gebäudeunterhalt, Wagenpark und vieles mehr, sehr hohe Kosten verursachen. Mit der Agrarpolitik 14-17 haben wir jetzt aber eine neue Situation. Jetzt müssen die Mittel an das Alppersonal weitergegeben werden.»

Jeden Sommer gehen in der Schweiz rund 17‘000 Sennen, Hirten und einfache Hilfskräfte zur Alp.

46 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Die Bauern können gar keine höheren Löhne bezahlen, weil die Subventionen gar nicht ausreichen. Selbstverständlich kann der alten, linken Forderung nachgegeben werden - und den Markt einzig über den Preis steuern. Damit würden die Regionen nach und nach von der Infrastruktur abgeschnitten: zuerst die Bergbauern, dann die Täler...usw. Das könnte unrentable Postautolinien, Telefonnetze, usw. betreffen. Wir brauchen die lokale Wirtschaft und die Bauern für einen gesunden Ausgleich im Land.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von J.Baltensperger, Zürich
      @Mitulla: Erklären Sie uns doch mal warum das Verlochen von Milliarden, von denen nur ganz wenige profitieren und mit denen mal wesentlich sinnvollere Dinge für mehr Menschen machen könnte, ein "gesunder Ausgleich" sein sollen. Was ist so schlimm daran wenn ein Tal nicht bewohnt ist? Keine Infrastruktur mehr nötig, keine Lawinenverbauung, Hochwasserschutz, Strom, Abwasser, Strasse, Müllentsorgung... viel weniger Kosten und erst noch gut für die Umwelt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    P. Preller, 25.6./8:19, ich meine auch, "der Mensch ist das dümmste Tier auf Erden", sozusagen ein Evolutionsflop. Aber er ist nunmal da, kurzsichtig denkend und handelnd, sich widernatürlich reproduzierend und erfahrungsgemäss lernresistent, das beweist unsre Geschichte. Er wohnt, arbeitet und ernährt sich idR nicht mehr im Wald. Sie vielleicht? Durch seine Existenz entstanden Strukturen,entwickelten sich Spezialisten mit Abhängigkeiten in der Tier-+Pflanzenwelt, auch in den Bergen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Reto v.Gunten, Thun
    Ich finde, das hat was. Denn genau diese Leute, die da Älpler, Hirten usw. zu Niedrigstlöhnen anstellen (und vermutlich bedauern, dass es keine Verdingkinder mehr gibt), hocken dann am Stammtisch und fluchen mit anderen SVP`lern über die PFZ, Dumpinglöhne, "die in Bern unten" (wo die Subventionen her kommen) über Touristen, Flachländer und Städter und überhaupt über alles. Ein schönes Beispiel, wie es eben läuft, besonders bei den ganz strammen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Marlies Artho, Schmerikon
      Reto v. Gunten erstaunlich Ihr Kommentar, was Sie nicht alles wissen von diesen Menschen, die eine Andere Meinung haben als Sie. Können Sie mir Beweisen welche bedauern, dass es keine Verdingkinder mehr gibt, dass es nur SVPler gibt die, die PFZ verfluchen, MEI wurde nicht nur von SVPler angenommen.Wie sieht es aus mit den Subventionen in der Sozialpolitik, leisten da Sozialbezüger auch einen Beitrag an die Allgemeine Bevölkerung? Es ist doch müssig, ständig diese Verallgemeinerung finde ich.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @M. Artho: Also mich wundert immer, dass es ein Thuner ist, welcher immer gegen die SVP her zieht. Dabei blendet er völlig aus, dass erst durch die Behörden diese traurige Geschichte um Verding-Kinder möglich wurde. Indem diese willkürlich Eltern ihre Kinder weg genommen haben & sie fremd platzierten. Und diese Beamten waren sicher nicht alle bei der SVP, genauso nicht alle Bauern SVP waren & sind. Traurig, dass R. v G. das traurige Schicksal dieser Kinder als Propaganda gegen die SVP benützt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen