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Schweiz Lohngleichheit: Schweiz schneidet schlechter ab als die EU

In Sachen Lohngleichheit zwischen Mann und Frau ist die Schweiz alles andere als eine Musterschülerin. Hierzulande verdient der Grossteil der Frauen für die gleiche Arbeit rund 20 Prozent weniger als der Arbeitskollege. Lohngleichheit war das Thema am Frauenkongress in Bern.

Dieselbe Arbeit, aber fast ein Fünftel weniger Lohn im Monat als der männliche Berufskollege. Das ist beim Grossteil der Frauen in der Schweiz Realität. Gemäss den neusten Zahlen der europäischen Statistikdatenbank eurostat beträgt die geschlechterspezifische Lohndifferenz hierzulande 17,8 Prozent. Zum Vergleich: In der EU, der 27 Staaten angehören, beträgt der Unterschied 16,2 Prozent.

Am höchsten sind die Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau in Estland. Dort verdienen die Frauen rund einen Drittel (27,3 Prozent) weniger. Am tiefsten liegt der Unterschied laut eurostat im Balkanland Slowenien, dort sind es 2,3 Prozent.

«Wütend und enttäuscht»

Das Thema Lohngleichheit nahm auch der Frauenkongress vom Schweizerischen Gewerkschaftbundes (SGB) in Bern auf. Rund 250 Frauen nahmen bis jetzt an dem zweitägigen Anlass teil. In Bern forderten sie endlich verbindliche Instrumente. Corinne Schärer, SGB-Gewerkschaftssekretärin, findet in der «Tagesschau» von SRF klare Worte: «Wir sind wütend und enttäuscht», sagt sie. Schliesslich sei die Gleichstellung in der Schweizer Verfassung festgeschrieben. Also müsse sie auch für die Frauen gelten.

Zwar versuchen der Bund, Gewerkschaften und Arbeitgeber seit 2009, das verfassungsmässige Gebot mit freiwilligen Massnahmen durchzusetzen. Nach gut vier Jahren bezeichnet Justizministerin Simonetta Sommaruga das Experiment aber als gescheitert. Die SGB hat in ihrem Bestreben denn auch Sommarugas Unterstützung: «Mein Departement prüft, mit welchen staatlichen Massnahmen man die Lohngleichheit durchsetzten kann», sagt sie in der «Tagesschau». 2014 werde sie dem Bundesrat konkrete Vorschläge unterbreiten.

Gute Nachricht: Unterschiede nehmen seit 2008 ab

Immerhin: Die Zahlen von eurostat besagen, dass der Lohnunterschied zwischen Mann und Frau seit 2008 sowohl in der Schweiz als auch in den EU-Ländern abnimmt. Waren es vor fünf Jahren noch 18,4 Prozent Frauen in der Schweiz, die für dieselbe Arbeit weniger als ihr männlicher Kollege verdiente, beträgt der Anteil 2011 17,8 Prozent. Bei der EU waren es 2008 17,3 respektive 16,2 Prozent.

Geschlechterspezifische Lohnunterschiede EU Schweiz

Daten: eurostat/2011- steht für «keine Angaben»20072008200920102011
Euroraum (17 Länder)-16.816.916.516.4
Europäische Union (27 Länder)-17.317.216.216.2
Schweiz-18.418.417.817.9
Polen14.911.48.04.54.5
Irland17.312.612.613.9-
Luxemburg10.29.79.28.78.7
Griechenland-22---
Island-----
Malta7.89.27.77.26.0
Italien5.14.95.55.35.8
Slowenien5.04.1-0.90.92.3
Portugal8.59.210.012.812.5
Belgien10.110.210.110.210.2
Litauen22.621.615.314.611.9
Rumänien12.58.57.48.812.1
Bulgarien12.112.313.313.013.0
Frankreich17.316.915.215.614.8
Lettland13.611.813.115.513.6
Schweden17.816.915.715.415.8
Norwegen15.617.016.516.115.9
Spanien18.116.116.716.216.2
Dänemark17.717.116.816.016.4
Zypern22.019.517.816.816.4
Kroatien---15.517.6
Niederlande19.318.918.517.817.9
Ungarn16.317.517.117.618.0
Finnland20.220.520.820.318.2
Vereinigtes Königreich20.821.420.619.520.1
Slowakei23.620.921.919.620.5
Tschechische Republik23.626.225.921.621.0
Österreich25.525.124.324.023.7
Estland30.927.626.627.727.3

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17 Kommentare

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  • Kommentar von G.Riedo, Bern
    Frau Keller, Sie haben Recht, der Artikel ist nur über die Entlohnung aber man muss das Ganze ansehen um zu sehen, dass Frauen nicht die armen benachteiligten Wesen sind. Die Lebenserwartung ist um einiges höher ca. 5 Jahre als beim Mann, das Rentenantrittsalter dafür früher. Ist das nicht eine Ungleichheit? Jetzt 1 Jahr früher 3 Jahre. Das heisst, das eine Frau zirka 6-8 Jahre mehr Pension erhält. Bei 45 Arbeitsjahren 13,3-17,7% mehr. Männer leisten 300-400 Diensttagen in der Armee, Frauen 0.
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  • Kommentar von Emmanuela Ganzi, Hintertupfingen
    In der anderen News heisst es noch, dass der Faktor Anstellungs-Prozent nicht berücksichtigt sei und dann der Unterschied "nur" noch 9% ist, wenn man das miteinberechnet. Das sind zwar immer noch viel, aber nicht ganz so viel.
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  • Kommentar von M.Hufschmid, Kt. Zürich
    Ich kann mir vorstellen wenn JETZT die Walhl für die "direkte Bundesratswahl" käme würden über 50% der Stimmbürger dafür stimmen. Es war noch nie so offensichtlich, dass wir durch unsere Bundesrätinnen so viel nachhaltigen Schaden für die schweizer Bürger erfahren müssen. Mir tun die Nachkommen leid die die ganze Suppe löffeln werden müssen.
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