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Schweiz Lohngleichheit: Strengere Regeln für Arbeitgeber

Im Kampf um Lohngleichheit will der Bundesrat Arbeitgeber dazu verpflichten, regelmässig Lohnanalysen durchzuführen. Allerdings: Veröffentlichen müssten die Unternehmen allfällige Lohnunterschiede nicht.

Legende: Video Bundesrätin Sommaruga zu den neuen Massnahmen abspielen. Laufzeit 0:46 Minuten.
Aus News-Clip vom 22.10.2014.

Seit 33 Jahren sei in der Verfassung verankert, dass Männer und Frauen Anspruch auf den gleichen Lohn haben, begann Justizministerin Simonetta Sommaruga die Medienkonferenz zur Lohngleichheit. Frauen verdienten im Durchschnitt jedoch immer noch 677 Franken weniger pro Monat als Männer.

Es habe sich gezeigt, dass freiwillige Lösungen alleine nicht zu Lohngleichheit führten, so Sommaruga weiter. Es brauche zusätzliche staatliche Massnahmen, um den verfassungsrechtlichen Anspruch zu verwirklichen.

Ergebnisse erscheinen im Jahresbericht

Konkret schlägt der Bundesrat vor, Arbeitgeber mit 50 und mehr Mitarbeitenden gesetzlich zu verpflichten, «rund alle drei Jahre» eine interne Lohnanalyse durchzuführen und ihre Lohnpraxis so zu überprüfen. Die Kontrolle sollen die Arbeitgeber wahlweise «gemäss des Vieraugen-Prinzips» den Sozialpartnern, einer Revisionsstelle oder einer staatlich anerkannten Prüfungsorganisation übertragen.

Der Vorschlag des Bundesrats verpflichtet die Unternehmen aber nicht dazu, allfällige Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen zu veröffentlichen. Die Arbeitnehmer müssten in ihrem Jahresbericht lediglich erwähnen, dass sie die Lohnanalyse korrekt durchgeführt haben und «dass keine unzulässigen Lohnunterschiede festgestellt worden sind», sagte Sommaruga.

Sollte sich zeigen, dass die Unternehmen bei vorhandener Lohndiskriminierung keine Massnahmen ergreifen, dann können die Betroffenen – wie bisher – die Lohngleichheit gerichtlich einfordern. «Anders als heute wissen sie dann aber dank der Berichterstattungspflicht, ob die Firma die Lohngleichheit seriös überprüft hat», so Sommaruga. Für den Fall, dass ein Unternehmen die Diskriminierung weiterführt, prüft der Bundesrat, eine subsidiäre Meldepflicht für die Revisionsstellen einzuführen.

«Es soll keine Lohnpolizei geben»

Der Bundesrat möchte einen «verhältnismässigen Schritt» machen, ohne jedoch selber direkt einzugreifen, sagte Sommaruga zu den Massnahmen. «Der Bundesrat hat sich gegen umfassende Kontrollen entschieden. Es soll keine Lohnpolizei geben».

Der Gewerkschaftsbund hatte eine nationale Behörde gefordert, um die Lohngleichheit durchzusetzen. Der Bundesrat aber stellt die Selbstkontrolle und die Verantwortung der Unternehmen ins Zentrum, wie Sommaruga erklärte. «Jedoch ist das Ganze nicht mehr freiwillig, sondern gesetzlich vorgeschrieben.»

Das Justizdepartement, das Innendepartement und das Wirtschaftsdepartement sollen bis Mitte nächsten Jahres eine entsprechende Vernehmlassung ausarbeiten.

Unterschiedliche Reaktionen

Die Gewerkschaften begrüssen die geplanten Massnahmen als Schritt in die richtige Richtung. Angesichts des grossen Handlungsbedarfs seien die Vorschläge aber «noch zu zahnlos», kritisiert etwa der SGB. Wenig Freude lösten die geplanten Lohnkontrollen beim Arbeitgeberverband aus. Eine Meldepflicht sei nicht der richtige Weg.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Halbeisen, Bronschhofen
    Wenn diese Kontrollen in die Tat umgesetzt werden, dann muss zeitgleich das Rentenalter der Frauen auf 65 Jahre, dem Rentenalter der Männer angepasst werden. Auf den obligatorischen Militärdienst der Frauen können wird verzichten. Sollen sie dafür eine gewisse Zeit gratis in Kinderkrippen arbeiten, wo die meisten der Befürworterinnen ihre Kinder ja sowieso hinbringen.
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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Leider werden heutige Löhne oft nur noch anhand der Ausbildung bezahlt oder eingefordert. Die Erfahrung, welche man für einen Job mitbringt wird ausgeblendet. Das sollte eben auch berücksichtigt werden. Was wichtiger wäre ist, dass Frauen nach der Babypause leichter wieder einen Job finden. Doch wenn sie sofort denselben Lohn wie ihre männlichen Arbeitskollegen einfordern wird es schwierig. Damit legen sie sich selber Steine in den Weg. Es jetzt durch den Staat regeln lassen ist total verkehrt.
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  • Kommentar von H. Wach, Luzern
    Die Lohngleichheit für Mann & Frau lässt sich relativ leicht lösen. Wegen den Quoten & weil der Dienstleistungssektor in der CH bereits bei ca. 75% liegt (=leichte Arbeiten) sollten Arbeitgeber/Arbeitnehmer folgende Gleichstellung ausarbeiten: Männerlöhne ca. 20-25% kürzen & Frauenlöhne lassen. Damit sollte sowohl die Wirtschaft als auch BR S. Sommaruga & vor allem die Linken zufrieden sein. Warum nicht?? (P.S. Ich bringe mich jetzt schon in Deckung, damit ich nicht gesteinigt werde.)
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    1. Antwort von Marie- Luise Reck, Turbenthal
      Wen ich höre Kindererzieherinen und Lehrerinen wollen mehr Lohn weiss man wohin der Wind bläst ganz sicher nicht zur Fabrikarbeiterin dort findet man dann wieder einen Grund nur noch Jüngere einzustellen um die Kosten wieder zu senken.
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    2. Antwort von H. Wach, Luzern
      Nachtrag: 10vor10 meldete, dass der statistische Lohnunterschied, statt wie immer von den Linken kolportiert, nicht 30% sondern nur 18,5% ist. Somit müssten insbesondere alle linken Arbeitnehmerorganisationen dafür kämpfen, dass die Männerlöhne zugunsten der Frauenlohnerhöhung um ca. 15% (wegen der Quote) gekürzt werden. Somit wäre die 33-jährige Ungerechtigkeit paritätisch gesetzeskonform. Zuerst müssen sich die Linken bewegen und nicht die Arbeitgeber. Logisch.
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