Luzern: Jetzt gehts ans Eingemachte

Der Kanton Luzern muss sparen und will unter anderem die renommierte Fachklasse Grafik abschaffen. Doch der Widerstand ist heftig: Innert Tagen sind über 13'000 Unterschriften gegen die Schliessung zusammen. Das Gezerre ist symptomatisch für die verfahrene finanzielle Situation im Kanton Luzern.

Fünf Personen mit Pappmasken der Luzerner Regierungsräte posieren mit einer abgesägten Tanne und einer Motorsäge.

Bildlegende: Protest gegen den «Kahlschlag» im Luzerner Budget. Keystone

Die Luzerner Fachklasse Grafik, früher als Kunstgewerbeschule bekannt, ist die älteste Grafikschule der Deutschschweiz. Sie wurde vor rund 140 Jahren gegründet. Ihr guter Ruf beruht auch auf bekannten Persönlichkeiten, die an der Schule ihre Ausbildung gemacht haben.

Bekannte Ehemalige

Dazu gehören Hans Erni, Emil Steinberger oder Niklaus Troxler aus Willisau, wie Melk Imboden erklärt. Er ist Dozent und Präsident des Vereins, der die Schule retten will. Auch Jüngere seien durchaus erfolgreich: So etwa Manuela Pfrunder, die zurzeit gerade die neuen Banknoten der Schweiz gestaltet.

Die Berufsmittelschule für Grafik dauert vier Jahre, inklusive Berufsmatura, und deckt das ganze Spektrum von der klassischen Plakatgestaltung bis zum modernen Webauftritt ab. Zum Grafikerberuf führen auch andere Wege wie jener über eine Ausbildung an einer Fachhochschule oder über eine Berufslehre.

Allerdings gebe es zu wenige Lehrstellen, betont Imboden. «Es ist sehr schwierig, noch eine Lehrstelle zu finden». Es werde bald nicht mehr möglich sein, in einer Lehre den Grafikerberuf zu erlernen.

Wirtschaft soll Grafiker selber ausbilden

Das sieht der Luzerner Finanzdirektor Marcel Schwerzmann anders. Gerade das Mittelschul-Angebot der Fachklasse Grafik führe dazu, dass es nur wenige Lehrstellen gebe. Die Arbeitgeber seien deshalb nun gefordert, selber Ausbildungsplätze anzubieten. «Ich bin überzeugt, wenn die Unternehmen gute Mitarbeiter brauchen, sind sie auch bereit, entsprechende Lehrstellen zu schaffen», sagt Schwerzmann.

Dieses Argument lassen nicht alle gelten: «An der Schule kann man von Anfang an die eigenen Projekte verfolgen und einen eigenen Stil entwickeln», sagt eine Schülerin. Das sei in einem Grafik-Unternehmen kaum möglich, dort müsse man das machen, was ein Kunde verlange.


Gezerre um die Luzerner Fachklasse Grafik

7:20 min, aus Echo der Zeit vom 27.10.2015

Parlament debattiert Sparvorschläge

Die gestalterischen Fähigkeiten der Schüler zeigen sich jetzt auch im Kampf gegen die Sparmassnahme des Kantons. Mit Plakaten und Grafiken, die sie via Internet unter die Leute bringt, wehrt sich die Schule gegen die Schliessung. Bereits haben über 13'000 Personen eine Petition für den Erhalt der Fachklasse Grafik unterschrieben.

Ob sie Erfolg hat, wird sich nächsten Monat zeigen, wenn das Luzerner Kantonsparlament über das Budget befindet.

Tiefsteuerstrategie funktioniert nicht

Seit Jahren jagt in Luzern ein Sparpaket das andere, inzwischen gibt es keine Massnahmen mehr, die nicht weh tun. Alle Bereiche sind betroffen, so etwa auch das Sozialwesen, die Gesundheit oder die Polizei. Die Regierung steht bei der Suche nach Sparpotenzial nahe an der Verzweiflung. Luzern hat vor rund zehn Jahren eine Tiefsteuerstrategie eingeschlagen, angespornt durch die umliegenden Zentralschweizer Kantone. Für Unternehmen gelten im Kanton Luzern inzwischen die tiefsten Steuern der Schweiz. Doch die Steuerausfälle konnten nicht vollumfänglich mit der angestrebten Neuansiedlung von Firmen kompensiert werden. Trotzdem ist Finanzdirektor Schwerzmann nach wie vor überzeugt davon, dass die Strategie aufgehen wird. Bislang hat ihm die bürgerliche Mehrheit im Parlament den Rücken gestärkt, doch bei der CVP zeigen sich erste Ermüdungserscheinungen. Sie hat bereits durchblicken lassen, dass Steuererhöhungen kein Tabu sein sollten.

Luzerner Millionenloch

Mit der Schliessung der Fachklasse Grafik will die Luzerner Regierung über die kommenden drei Jahre rund eineinhalb Millionen Franken sparen. Diese Massnahme ist aber nur eine unter vielen. Bis 2019 will die Regierung insgesamt über 350 Millionen Franken weniger ausgeben.