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Luzerner Fahrplan ungenügend Bundesrat rügt die SBB

Es braucht mehr direkte Züge ab Luzern durch den neuen Basistunnel. Die Landesregierung unterstützt die Zentralschweiz.

Legende: Audio Passagiere ab Luzern wollen mehr Platz abspielen. Laufzeit 3:00 Minuten.
3:00 min, aus Rendez-vous vom 01.12.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Bundesrat ist mit der Fahrplangestaltung der SBB unzufrieden.
  • Er fordert mehr Direktverbindungen von Luzern via Gotthard-Basistunnel ins Tessin.
  • Die Passagiere aus der Zentralschweiz finden beim jetzigen Konzept oft keinen Sitzplatz in den Zügen, die schon ab Zürich fahren.

Ungewohnt scharf wird der Bundesrat, wenn es um die SBB-Direktverbindungen ab Luzern ins Tessin geht. Das Fernverkehrsangebot auf dieser Strecke erachte er schlicht als «ungenügend», schreibt er in einer Antwort auf einen Vorstoss. Die SBB solle «rasch eine Verbesserung» realisieren.

Ich betrachte dies als wirklich sehr deutliche Aufforderung – um nicht zu sagen als Schelte – an die SBB.
Autor: Konrad GraberLuzerner Ständerat/CVP

Der Luzerner CVP-Ständerat Konrad Graber, der den Vorstoss eingereicht hatte, kommentiert: «Ich betrachte dies als wirklich sehr deutliche Aufforderung – um nicht zu sagen als Schelte – an die SBB, jetzt in dieser Frage voranzugehen.»

Es brauche mehr Direktverbindungen durch den neuen Gotthardbasis-Tunnel ab Luzern. Denn die Passagiere aus der Zentralschweiz, die in Arth-Goldau auf den Zug aus Zürich umsteigen müssten, hätten meist ein Problem und zwar, dass «die Züge, die vor allem von Zürich kommen, vollständig überfüllt sind.» Er habe dies schon mehrmals selber erlebt: «Dann steht man auf dem Perron, und dann kommt ein praktisch gefüllter Zug, und man findet keinen Platz.»

SBB versucht zu beschwichtigen

Bei der SBB antwortet Sprecher Reto Schärli auf die Rüge des Bundesrats. «Die SBB berücksichtigt alle Regionen gleich und möchte jeweils für möglichst viele Kunden das Optimum herausholen. Das schaffen wir bei diesem Fahrplanwechsel, indem wir eine neue Direktverbindung einführen.»

So biete die SBB ab Fahrplanwechsel nächste Woche eine neue Direktverbindung ins Tessin am Morgen ab Basel und Luzern an. Nur tröstet das Luzernerinnen und Basler nur am Wochenende, denn der neue Direktzug fährt lediglich von Freitag bis Montag.

Die SBB wollte diesen Zug ursprünglich täglich anbieten, wurde dann aber vom Bundesamt für Verkehr (BAV) zurückgepfiffen. Von Montag bis Freitag sei die Strecke zu dieser Zeit für den Güterverkehr reserviert, entschied das BAV. Das Bundesamt äussert sich heute nicht dazu, verweist aber auf seine Mitteilung vor zwei Monaten.

Zu stark auf Zürich fokussiert

Die SBB sei zuständig für den Fahrplan, schrieb das Amt damals, also liege es auch in der Kompetenz der SBB, häufiger ab Luzern zu fahren. Wie er sich das vorstellt, dazu äussert sich nun der Bundesrat in seiner Antwort auf einen Vorstoss ebenfalls: Er schreibt, der aktuelle Fahrplan der SBB «fokussiert stark auf Zürich».

Der Bundesrat bringt so ins Spiel, die SBB könne auf einen Zug ab Zürich verzichten und dafür ab Luzern fahren. Für die SBB ist das aber keine Option, wie Sprecher Reto Schärli erklärt. «Ab Zürich müssten 300 Personen in Arth-Goldau in einen Zug umsteigen, in dem nur 100 Personen sitzen. An Spitzentagen wären es sogar bis zu 600 Umsteiger ab Zürich. Das wäre kundenunfreundlich.»

An Spitzentagen wären es bis zu 600 Umsteiger ab Zürich. Das wäre kundenunfreundlich.
Autor: Reto SchärliSprecher der SBB

Entspannung bringe die Eröffnung des Ceneri-Basistunnels, die für Ende 2020 vorgesehen sei. Dann stellt die SBB nochmals eine frühere Direktverbindung ab Luzern in Aussicht.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Patrick Eberling (Patrick Eberling)
    Also was wird hier eigentlich kommentiert? Es geht im Artikel darum, dass ab Luzern zu wenig Züge direkt ins Tessin verkehren. Vom 1 Stundentakt von Luzern nach Bern und dem steten Engpass mit 2 Gleisen zum Bahnhof Luzern, in eine Agglomeration mit über 100‘000 Einwohnern mal abgesehen... Es wäre schlau von den SBB nicht immer nur auf Zürich zu setzen. Das wird aber zweifellos gemacht, wenn man die Bauten vergleicht. Ein Netz funktioniert besser und flexibler als immer nur der Fokus auf Zürich.
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  • Kommentar von Hans-Peter Graf (hampi.graf)
    Mehr Lastwagen auf der Schiene kommt auch den Menschen zugute – weniger Schadstoffe!
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  • Kommentar von Hans-Peter Graf (hampi.graf)
    Zur Erinnerung: Die Neat (Basistunnels durch Gotthard und Lötschberg) wurde primär für die Verlagerung des Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene gebaut – im Vordergrund stand in keiner Weise der Personenverkehr! Dazu ein spezieller Fonds (Finöv) geschaffen, primär finanziert über die Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA); zusätzliche Mittel kamen von Mineralsteuerabgabe und durch die Erhöhung der Merwertsteuer um 1 Promille.
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