Zum Inhalt springen

Schweiz Malaria aus Eritrea? Keine Panik, sagt der Experte

Trotz der Zunahme von Dengue-Fieber in der Schweiz gibt es keine Epidemie-Gefahr, sagt Mediziner Christoph Hatz vom Tropeninstitut. Andere Tropenkrankheiten sind praktisch nicht existent. Eine Ausnahme ist Malaria. Doch der Anstieg ist erklärbar, und die Übertragung in der Schweiz nahezu unmöglich.

Mücke saugt Blut aus Haut
Legende: Zmittag für die Anopheles-Mücke, welche Malaria überträgt. In der Schweiz gibt es diese Mückenart nicht. Reuters
Arbeiter in Schutzanzügen sprühen Desinfektion in Strasse
Legende: Desinfektion gegen die Aedes-Aegypti-Mücke in Buenos Aires. Die Mücke überträgt Gelbfieber, Dengue-Fieber und Zika. Reuters

In der Schweiz ist die Epidemie-Gefahr von Tropenkrankheiten praktisch nicht vorhanden. Dies sagt Christoph Hatz vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut, Link öffnet in einem neuen Fenster. Der Mediziner beschäftigt sich unter anderem mit Fragen der öffentlichen Gesundheit und mit Tropenkrankheiten.

Zwar stiegen die Fälle von Dengue-Fieber, Link öffnet in einem neuen Fenster in der Schweiz an, bestätigt der Experte. «Dengue nimmt dann in Europa zu, wenn es in Südostasien und Südamerika grosse Epidemien gibt.» Er mahnt aber zu vorsichtiger Interpretation der Zahlen:

Das Bewusstsein ist grösser geworden, deswegen diagnostiziert man eher.
Autor: Christoph HatzTropeninstitut
Frau spannt Mückennetz über Bett
Legende: Eine Kolumbianerin spannt ein Netz über ihr Bett: Die Aedes-Aegypti-Mücke überträgt Dengue-Fieber und das Zika-Virus. Reuters

Das Dengue-Fieber wird wie Fieber bei Grippe , Link öffnet in einem neuen Fensterbehandelt, früher einfach ohne Diagnose.Konkret: Mit Paracetamol. Die Krankheit, deren Virus durch Stechmücken übertragen wird, komme in der Schweiz vor allem bei Touristen und Reisenden vor, erklärt Hatz.

Eine Impfung gibt es nicht, die einzige Prävention ist laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) der Schutz vor Mückenstichen. Im Gegensatz zur Zika-Erkrankung ist das Dengue-Fieber und auch das Chikungunya-Fieber, Link öffnet in einem neuen Fenster in der Schweiz meldepflichtig.

Gelbfieber und Cholera in Slums – keine Touristendestinationen

Andere Tropenkrankheiten wie Gelbfieber, Link öffnet in einem neuen Fenster und Cholera, Link öffnet in einem neuen Fenster sind hierzulande sehr selten. Der letzte Gelbfieber-Fall in der Schweiz datiert von 1996. «Die Krankheit tritt vor allem in ländlichen Gebieten und im Wald auf. Wie Cholera kommt sie aber auch in Slums vor. Und da gingen Touristen eher selten hin, erklärt der Tropenmediziner.

Das Gelbfieber-Risiko sei für Touristen klein, die Impfung aber empfehlenswert und auch sehr wirksam. Cholera tritt bei Touristen sehr selten auf – laut BAG gibt es jährlich nicht mehr als einen Fall.

Cholera ist vor allem in Slums auf allen Kontinenten verbreitet.
Autor: Christoph HatzTropeninstitut
Cholera-Patientin wird von zwei Pflegerinnen gepflegt
Legende: Eine Cholera-Patientin wird in der Dominikanischen Republik gepflegt. Die Krankheit tritt bei verschmutztem Wasser auf. Keystone

Die Impfung wird in der Schweiz nur bei Personal im humanitären Sektor vorgenommen: «Bei Menschen, die in der Entwicklungshilfe täglich in entsprechenden Gebieten arbeiten.»

In der Schweiz bestehe keine Epidemie-Gefahr.

Amöbenruhr: Unangenehm, aber nicht lebensgefährlich – meistens

Verschmutztes Wasser und schlechte Hygiene fördern auch die Übertragung der Amöbenruhr. Je länger die Reise in betroffenen Gebieten dauert, desto höher ist das Risiko. «Die Krankheit ist wegen des Durchfalls sehr unangenehm, aber eigentlich nicht lebensgefährlich», so Hatz vom Tropeninstitut.

Wenn die Parasiten aber vom Darm in die Leber wandern, kann dort ein Abszess entstehen. «Wenn dieser platzt, ist das gefährlich.» In der Schweiz gebe es pro Jahr nur fünf bis zehn solche Leberabszesse, konkretisiert der Mediziner.

Mann entnimmt einem Finger Blut
Legende: Malaria-Bluttest in Burma: Weltweit konnte die Zahl an Malaria-Toten zwischen 2000 und 2014 nahezu halbiert werden. Reuters

Malaria-Anstieg aus Eritrea

Ein etwas anderer Fall ist Malaria: Tendenziell gehe die Krankheit in den meisten Ländern der Welt zurück. Auch bei zurückkehrenden Touristen nähmen die Infektionen dank gutem Schutz ab.

«In der Schweiz ist mehr als die Hälfte der sprunghaften Anstiege der letzten zwei Jahre auf Flüchtlinge, hauptsächlich aus Eritrea, zurückzuführen», erklärt der Experte. Eine andere Risikogruppe sind in der Schweiz lebende Menschen mit afrikanischem Hintergrund, die vom Verwandtenbesuch zurückkommen.

Der Tropenmediziner gibt jedoch Entwarnung:

Bei geflüchteten Menschen aus Eritrea ist es meistens eine schwächere Form der Krankheit.
Autor: Christoph HatzTropeninstitut

«Dieser Parasit löst mehrere Schübe aus – ist also nicht die gefährliche tropische Malaria.» Warum gerade bei dieser Gruppe? «Womöglich führt der Stress einer Flucht eher zum Ausbruch, dafür haben wir aber noch keine Beweise.»
Panik sei aber fehl am Platz:

In der Schweiz gibt es die Mücke, welche die in Afrika verbreitete Malaria überträgt, nicht.
Autor: Christoph HatzTropeninstitut

Selbst wenn jemand aus Eritrea in der Schweiz an Malaria erkranke, komme es nicht zu einer Übertragung auf andere Menschen. Dies bestätigt auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG): «Malaria ist nich von Mensch zu Mensch übertragbar», sagt Catherine Cossy.

«Somit ist dies keine Gefahr für die Allgemeinheit», ergänzt Hatz. Eine Epidemie muss man also auch bei erhöhten Malariafällen durch Immigration hierzulande nicht befürchten.

Legende: Video Mehr Dengue-Fieber in der Schweiz abspielen. Laufzeit 03:25 Minuten.
Aus 10vor10 vom 17.02.2016.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

10 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von W. Helfer (W. Helfer)
    Es ist logisch, dass mit der Masseneinwanderung nicht nur immer mehr Menschen, sondern auch mehr Krankheiten importiert werden. Diese Fakten zu verharmlosen ist brandgefährlich. Eine Mücke, welche bei einem infizierten Menschen saugt, kann sehr wohl den Erreger beim nächsten Stich auf einen gesunden Menschen übertragen. Die Verharmlosung "nicht von Mensch zu Mensch übertragbar" ist ganz dumme Augenwischerei.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von SRF News
      Guten Tag, gerade weil der Durchblick bei komplizierten medizinischen Themen wie Virologie für «Laien» (zu denen ich mich übrigens in dem Bereich auch zähle) durchaus nicht einfach ist, habe ich mich bei einem Mediziner informiert, der sich täglich und seit Jahren mit Tropenkrankheiten beschäftigt. Er sagt ganz klar: «In der Schweiz gibt es die Mücke, welche die in Afrika verbreitete Malaria überträgt, nicht.» (siehe Artikel). Mücke ist eben nicht gleich Mücke, und Virus nicht gleich Virus, das habe ich auch gelernt. Deswegen: Nein, keine Augenwischerei, sondern sachliche Information auf Basis medizinischer Fakten. Beste Grüsse, Marguerite Meyer
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von W. Helfer (W. Helfer)
      Schade Frau Meyer, dass Ihr Mediziner noch nie etwas von importierten Mücken (z.B. Tiegermücken, Plage im Tessin) und Anpassung (Mutationen) der Viren gehört hat. Finde es übrigens auch Schade, dass mein Betrag betr. Hygine in gewissen Kulturen zensuriert wurde. Sind nämlich auch Fakten.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von SRF News
      Guten Tag, vielen Dank für Ihre sachliche Antwort. Betreffend Tigermücken im Tessin haben wir hier bereits berichtet: http://www.srf.ch/news/schweiz/immer-mehr-schweizer-mit-dengue-fieber-angesteckt Diese sind für die Verbreitung von Dengue-Fieber verantwortlich. Malaria wird durch die Anopheles-Mücke weiterverbreitet, diese kommt jedoch in Europa und Nordafrika überhaupt nicht vor. Dengue und Malaria, die in der Schweiz eine gewisse Anzahl an Infektionen aufweisen, werden jedoch nicht durch schlechte Hygiene ausgelöst. Beste Grüsse, M. Meyer
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von W. Helfer (W. Helfer)
      Sehr geehrte Frau Meyer. Es geht nicht um Heute, sondern um die Zukunft. Und wenn Sie im Beitrag dem Herr Koch vom BAG zuhören, schliesst auch er eine Verbreitung bei uns nicht aus. Ich schätze mal, dass auch Ch. Hatz von Heute u nicht von der Zukunft gesprochen hat und dass Sie das im Beitrag einfach weggelassen haben.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    5. Antwort von SRF News
      Guten Tag, im obigen Artikel sind sehr wohl die weltweiten Tendenzen angesprochen, nämlich, dass Dengue-Fieber weltweit etwas zunimmt und Malaria weltweit etwas abnimmt. «Einfach weggelassen» stimmt also einfach nicht. Der Artikel ist durchaus als grober Überblick für die Schweizer Bevölkerung gedacht, unter anderem auch für solche, die z.B. als Touristen oder berufshalber Reisen in andere Länder unternehmen. Weiterführende Informationen finden Sie unter den Links zum Bundesamt für Gesundheit. Hier anbei für Sie auch nochmals der Gesamtüberblick des BAG zu Infektionskrankheiten: http://www.bag.admin.ch/themen/medizin/00682/index.html?lang=de Anbei ebenso auch die Seite der Weltgesundheitsorganisation WHO: http://www.who.int/csr/disease/en/ Beste Grüsse, M. Meyer
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    6. Antwort von W. Pip (W. Pip)
      warum muss dich SRF eigentlich nicht an die 500 Zeichen halten...? Ich glaube, das wäre ganz nützlich...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Aha, wollen uns gewisse Leute ruhig stellen und Sand in die Augen streuen, in der Hoffnung, dass die Durchsetzungsinitiative Schiffbruch erleidet? Sollen wir warten, bis eine Epidemie ausbricht? Doch dann wird es zu spät sein und die Tropeninstitute wü erden überfordert sein. Deshalb sollte JETZT präventiv gehandelt werden, indem alle, Einheimische wie Touristen, bei der Einreise in die Schweiz untersucht werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von roland goetschi (pandabiss)
      Einen Zusammenhang zwischen Durchsetzungsinitiative und Malaria kann ich beim besten Willen nicht erkennen. PS: Malaria ist nicht von Mensch zu Mensch übertragbar.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Keine Angst vor Malaria Frau Zelger. Betroffen kann man nur sein, wenn man in Malariagebiete reist oder aus einem Malariagebiete kommt. Es gibt sehr gute Chenin-Mittel zum Vorbeugen. Der Zahlen-Anstieg bei den Betroffenen zeigt ja auch, dass es einer Reisetätigkeit bedarf. (smile)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen