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Schweiz «Man spricht Deutsch» auf Schweizer Baustellen

Bauarbeiter, die in ihrer Freizeit einen Deutschkurs besuchen, sollen eine Entschädigung erhalten. Nach einigem Hin und Her unterstützt der Baumeisterverband eine entsprechende Forderung der Gewerkschaften.

Umkleidekabine auf Baustelle: Mineralwasserflasche, gelber Helm und ein Ledergürtel auf einer Bank.
Legende: Helm ab, Stift zur Hand: Bauarbeiter erhalten eine Entschädigung für den Besuch von Deutschkursen. Keystone

Bisher hatte das Projekt «Deutsch auf der Baustelle» bloss Pilot-Charakter. Einige Hundert Bauarbeiter büffelten während der bezahlten Arbeitszeit Deutsch in ihren Baubaracken. Jetzt sollen die Sprachkurse definitiv weitergeführt werden.

Nico Lutz, Leiter Sektor Bau bei der Gewerkschaft Unia freut das. «Wir hatten den Vorschlag vor den Sommerferien gemacht, dass Deutschkurse entweder während der Arbeitszeit stattfinden. Oder dass sie, wenn sie in der Freizeit besucht werden, finanziell unterstützt werden.» Die Baumeister hatten dies zunächst abgelehnt. «Es ist begrüssenswert, dass sie nun auf diesen Entscheid zurückgekommen sind.»

Genügend Geld vorhanden

Finanziert werden die Kurse durch den paritätischen Weiterbildungsfonds, in welchen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam einzahlen. An Geld fehlt es also nicht. Wer will, soll einen Deutschkurs – 50 Lektionen à 50 Minuten – besuchen können. 750 Franken gibt es nach erfolgreichem Abschluss des Kurses dafür. Das ist nicht der volle Lohnersatz. Zudem finden die Kurse nur noch an Samstagen statt.

Arbeitnehmer und Baufirmen könnten damit aber leben, sagt Martin Senn vom Baumeisterverband SBV. «Es hat sich herausgestellt, dass der Besuch von Deutschkursen während der Arbeitszeit sehr schlecht klappt. Kommt dazu, dass die Leute in den seltensten Fällen von derselben Baustelle kommen.»

Mehr und besseres Deutsch auf der Baustelle: Die Sozialpartner wollen damit einen Beitrag zur Integration der ausländischen Arbeitskräfte in der Schweiz leisten. Eine gute Verständigung auf den Baustellen sei wichtig, sagt SBV-Präsident Werner Messmer. «Rund zwei Drittel der Arbeiter sind Ausländer.»

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Auf welchen Baustellen wird eigentlich noch Deutsch gesprochen ?
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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Also ehrlich, wenn man mir 750 Franken für einen Kurs anbieten würde, in dem ich tatsächlich etwas lernen kann, würde auch ich nicht nein sagen. Dass die Einheimischen sich manchmal ver...scht vorkommen müssen, ist nicht neu. Ich hatte einst eine ausländische Bekannte, die während ihrer Arbeitslosigkeit für das Absolvieren eines Deutschkurses sogar 2'000 Franken bekam, wie sie sagte. Immerhin bezahlt ja ein Fonds und es wird für die Integration etwas getan, heisst es.
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    1. Antwort von W. Helfer, Zürich
      J. Stump. Ich habe einige Jahre in der Baubranche mit vielen Ausländern gearbeitet. Bei uns bekam nur jemand einen Job, wenn er sich verständlich ausdrucken konnte und auch verstand, was man ihm sagte. Beim Ausfüllen von Formularen und bei Kommunikationen mit Behörden habe ich ihnen geholfen. Wenn wir sahen, dass sich Mitarbeiter wirklich bemühen, haben wir ihnen Weiterbildungsmöglichkeiten im Beruf ermöglicht.
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    2. Antwort von Juha Stump, Zürich
      @W. Helfer: Gut, akzeptiert, offensichtlich sind Sie vom Fach. Ich selber habe als kleiner Bub noch Zeiten mit Italienern erlebt, als nur der Vorarbeiter, der meistens selber auch ein Italiener war, gut Deutsch konnte und sozusagen der Vermittler zwischen der "Baubrigade" und dem Baumeister oder was auch immer war, weil die einfachen Arbeiter nur ganz wenige Wörter Deutsch sprachen. So wie Sie es beschreiben, ist das Anstellungsverfahren heute offensichtlich nicht mehr so wie damals.
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  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Ein Schlag ins Gesicht für jeden Schweizer. Müsste es nicht umgekehrt sein: jeder der hier arbeiten will, muss zuerst mal beweisen, dass er Deutsch versteht! Die Arbeitgeber und Politiker sind derart weltfremd und arrogant, ein Wunder, dass die Schweizer noch nicht auf die Strasse gehen. Heute sind die Messlatten für uns Schweizer dermassen hoch angesetzt, dass nicht mal mehr ein Putzjob ohne Diplome erreichbar ist. Aber Ausländer müssen nichts vorlegen, die nimmt man so. Schaut mal dahinter!!!
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Die Schweizer auf die Strasse gehen? Auch nach meinen eigenen Erfahrungen gibt es hier nichts Unsolidarischeres als die Schweizer Arbeitnehmer, damit meine ich vor allem die Deutschschweizer. Unser übertriebener individualistischer Charakter zeigt sich auch darin, dass fast jeder nur für sich selber schaut - nach dem Motto: Hauptsache, mir selber geht es gut. DAS müssen wir den Ausländern lassen: Die einzelnen Nationen halten auch über das Buschtelefon viel besser zusammen als wir.
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