«Manchmal glaube ich, man will die Noten nicht sicherer machen»

Hans-Jürgen Kuhl hat 2007 Geldscheine im Wert von 16 Millionen Dollar gefälscht. Der 74-jährige Künstler wird auch oft als «Deutschlands bester Geldfälscher» bezeichnet. Mit SRF News sprach Kuhl über die neue Schweizer Banknote und wie man das Problem des Fälschens einfach lösen könnte.

Ein Entwurf der neuen Fünfziger-Note der Nationalbank.

Bildlegende: Hans-Jürgen Kuhl: «Der Franken mit seinem kleinen Markt ist für Fälscher nicht sehr verlockend.» Keystone

SRF: Herr Kuhl, wie fälschungssicher sind die neuen Schweizer Banknoten?

Im Prinzip sind sie sicher. Es gibt jedoch keine Note, die nicht zu fälschen ist. Es geht nur darum, wie viel Aufwand der Fälscher betreiben will. Die bisherige Schweizer Note beispielsweise hat viele Farben, das bedeutet für den Fälscher Mehraufwand. Dazu kommt es darauf an, ob der Fälscher sich die Mühe gibt, beispielsweise Siebdruck zu verwenden oder Bronze in die Note zu integrieren. Es ist alles eine Frage der Arbeit.

Worauf muss die SNB achten, wenn sie die neuen Banknoten in Umlauf bringt?

Meiner Meinung nach müsste man das Hologramm grösser machen. Das ist das glänzende Folienelement mit der Zahl der Note. Kein Fälscher konnte dies bisher nur halbwegs imitieren. Allerdings sind diese Hologramme mit etwa 1cm Länge viel zu kurz.

Warum werden denn keine grösseren Hologramme verwendet?

Als ich Reinhold Gerstetter, dem Entwickler der zweiten Euronoten-Serie, vorgeschlagen habe, man solle diese Hologramme doch 5cm lang machen, meinte er dazu nur, das würde grafisch nicht passen. Dabei würde jeder Laie auf Grund des Kipp-Effekts gleich erkennen, ob die Note richtig oder gefälscht ist. Manchmal glaube ich, man will die Noten gar nicht sicherer machen.

Die Nationalbank wird zuerst nur die 50er-Note herausgeben. Danach lässt sie sich bis zu drei Jahre Zeit für die Herausgabe weiterer Noten. Und auch das Design kennt man bisher nicht. Bringt das etwas gegen Fälscher?

Das ist nur eine Verzögerung. Profis brauchen ungefähr ein halbes Jahr, um eine Note nachzumachen. Genauso beim Design: Wenn die SNB dieses jetzt preisgeben würden, könnten sich Fälscher etwas früher darauf vorbereiten, langfristig gesehen macht das aber keinen Unterschied.

Wie häufig werden denn Banknoten heute gefälscht?

Ich habe das Gefühl, dass viel weniger häufig gefälscht wird als früher. In Deutschland etwa Banknoten im Gegenwert von drei bis vier Millionen Euro pro Jahr, was prozentual ja enorm wenig ist. Bei Fälschungen von Kredit- und Debitkarten verschwindet viel mehr Geld, aber das wird von den Banken vertuscht.

Haben Sie schon von Geldfälschern aus der Schweiz oder gefälschten Schweizer Banknoten gehört?

Nein. Man muss aber sehen, dass der Franken mit seinem kleinen Markt für Fälscher nicht sehr verlockend ist. Euros sind viel einfacher unter die Leute zu bringen. Zum Fälschen ist alles dasselbe.

Ihnen wurden bereits 2007 «exzellente Fälschungen» attestiert. Was hat sich für die Fälscher seither verändert?

Gewisse Vorteile gibt es heute schon. Zum Beispiel ist heutzutage ein Stahlstrich – ein graphisches Tiefdruckverfahren – mit Hilfe einer Maschine und dem Computer in kurzer Zeit machbar. Allerdings gibt es für Fälscher immer noch Hindernisse. Zum Beispiel an die Leuchtfarben zu kommen, die nur unter der UV-Lampe leuchten.

Das Interview führte Jeremy Weill.