Mark Pieth geht – Fifa verliert ihr demokratisches Feigenblatt

Er sollte dem Fussball-Weltverband korruptionsfrei machen und zu mehr Glaubwürdigkeit verhelfen. Doch nun verlässt Mark Pieth die Fifa wieder. Kritik übt der Basler Strafrechtler aber nicht nur am Blatter-Imperium.

Der Antikorruptionsexperte Mark Pieth will sein Amt als Kontrolleur am Ende des Jahres aufgeben. «Es sind jetzt in die Fifa unabhängige Governance-Strukturen gepflanzt worden, die aus meiner Sicht funktionieren können», sagte der Schweizer Jurist und Kriminologe der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

Angeblich liege dem Rücktritt keinerlei Frustration zu Grunde. «Es war nie angedacht, dass ich das bis in alle Ewigkeit tun werde», sagte Pieth gegenüber Radio SRF. Er habe sich immer in einer Geburtshelferrolle gesehen.

Ein erster Teilschritt sei bereits gegangen, so Pieth. «Wir haben vor allem in den Bereichen, wo die Fifa eher einem multinationalen Unternehmen gleicht – also Finanzaufsicht, Transparenz der Bücher – viel erreicht.»

Pieth während einer PK. Im Hintergrund der Schriftzug FIFA.

Bildlegende: Mark Pieth: «Wir haben bei der Finanzaufsicht und der Transparenz der Bücher viel erreicht.» Keystone

«Grosse Verbände sind schwerfällig»

Der Basler Strafrechtprofessor Pieth war Vorsitzender der Kommission für Good Governance. Er sollte die von Skandalen geplagte Fifa reformieren und ihr mit neuen Strukturen zu mehr Glaubwürdigkeit verhelfen. Anfang des Jahres hatte er zahlreiche hochrangige Funktionäre beschuldigt, die Erneuerung in der Fifa massiv zu behindern.

Im Interview mit SRF wollte er den Vorwurf so nicht explizit wiederholen, verwies aber auf die generellen Probleme eines grossen Verbandes. Denn diese seien in der Regel schwerfällig und behinderten zum Teil die verbandsinterne Demokratie.

Regulierung der Verbände wäre für die Schweiz möglich

Deutliche Kritik übte Mark Pieth hingegen an der Schweiz. «Sie könnte ohne weiteres mit ihrem Steuerrecht für verbandsinterne Demokratie und Transparenz sorgen. Dass zum Beispiel die Löhne offengelegt werden, wäre etwas, was die Schweiz verlangen könnte.» Da sie das aber nicht tue, verlagere sie die Regulierung der Verbände in diese selbst hinein.

So riskiert die Schweiz laut Pieth, dass nach der Diskussion um das Waschen von Drogengeldern und der gescheiterten Rohstoffregulierung hier unnötigerweise eine weitere Front eröffnet wird.