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Andy Müller: «Auch der Bund befürchtet einen Engpass im Winter»
Aus Tagesschau vom 22.07.2021.
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Martullos Atomkraft-Debatte Forderung nach neuen AKW kommt zu früh

Der Schweiz drohe eine Stromlücke, warnt SVP-Vizepräsidentin Magdalena Martullo-Blocher im «Blick». Der Bundesrat müsse längerfristig den Bau eines neuen Atomkraftwerks prüfen. Die Grünen reagieren entsetzt, die Forderung nach neuen AKW sei «absurd».

Doch die Befürchtung einer Stromlücke ist weit mehr als ein bürgerliches Hirngespinst. Auch das Bundesamt für Energie geht mittlerweile davon aus, dass es mit der Abschaltung der letzten Kernkraftwerke zu Engpässen im Winter kommen könnte.

Abkommen mit EU in weite Ferne gerückt

Die vier Schweizer Atommeiler haben zwar keine fixen Laufzeiten. Sie können Strom produzieren, solange sie von der Aufsichtsbehörde als sicher eingestuft werden. Der Bund geht davon aus, dass das letzte AKW 2034 vom Netz geht. Vielleicht lassen sich die neueren Kraftwerke aber auch bis 2044 sicher betreiben.

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Diskussion um Stromversorgung
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Ob die Schweiz dann immer genügend Strom importieren kann, bezweifeln auch die Experten des Bundes. Ein Strommarktabkommen mit der EU, das Importe vereinfachen würde, ist nach dem Scheitern des Rahmenabkommens in weite Ferne gerückt.

Gaskraftwerke als Alternativen

Deshalb will der Bundesrat im revidierten Energiegesetz den Wasserkraftwerken eine «Strom-Bevorratung» vorschreiben. Die Speicherseen sollen die Schweiz 22 Tage lang mit Strom versorgen können. Das revidierte Gesetz, das bald ins Parlament kommt, sieht vor, grosse Speicherkraftwerke mit einem «Winterzuschlag» zu finanzieren.

Der Bundesrat schreibt in seiner Botschaft zum neuen Energiegesetz aber auch: Sollte sich bis 2030 abzeichnen, dass nicht genügend Reserven für den Winter aufgebaut werden können, dann brauche es Alternativen. Eine solche Alternative könnten Gaskraftwerke sein.

Keine Mehrheit für AKW

Spätestens dann wird es wohl zu einer neuen AKW-Diskussion kommen. Sind Gaskraftwerke, die enorme Mengen an CO2 ausstossen, wirklich besser als der Bau eines neuen Atomkraftwerks?

Im Moment würde der Bau eines neuen Atomkraftwerkes keine Mehrheit finden im Parlament. Denn erst vor vier Jahren hat sich die Stimmbevölkerung mit der Annahme der Energiestrategie deutlich gegen den Bau neuer AKW ausgesprochen.

Diskussion kommt viel zu früh

Doch das Gesetz beinhaltet kein Technologieverbot. Sollte es dereinst eine neue, viel sicherere Generation von Kernkraftwerken geben, könnte die Atomkraft auch in der Schweiz wieder salonfähig werden. Die ETH Zürich forscht an sicheren Atommeilern, und in den USA fördert Bill Gates den Bau solcher Kraftwerke.

Doch bis diese neue Generation von AKW funktioniert, werden wohl noch 20 Jahre und mehr vergehen. Und ob die Elektrizitätsunternehmen dann überhaupt bereit sein werden, Milliarden in eine solche Technologie zu investieren, steht in den Sternen. Denn bis dann dürfte der Strom aus erneuerbaren Energien noch billiger werden. Die AKW-Diskussion, angestossen von Magdalena Martullo-Blocher, kommt viel zu früh.

Andy Müller

Andy Müller

SRF-Bundeshausredaktor

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Andy Müller ist Bundeshausredaktor des Schweizer Fernsehens. Zuvor war er Themenplaner und stellvertretender Redaktionsleiter von 10vor10. Er arbeitet seit 2007 für SRF.

SRF 1, Tagesschau, 22.7.2021, 19:30 Uhr

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284 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Bucher  (DE)
    Es wird erst reagiert, wenn die ersten Blackouts eingetroffen sind. Dann kommt die Forderung nach neuen Kernkraftwerken rasch auf. Nur blöd, dass der Bau anschliessend noch Jahre dauert. Es ist jedenfalls nicht unklug sich einen Generator anzuschaffen. Ohne Strom läuft keine Heizung und das Handy ist rasch leer.
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    1. Antwort von Reto Frischknecht  (refrisch)
      Das ist ein Steilpass für eine eigene PV-Anlage. Mit einer eigenen Solaranlage, kombiniert mit einem Speicher, hat man auch Strom, wenn das Netz ganz ausfällt.
    2. Antwort von Daniel Bucher  (DE)
      @refrisch
      Wofür bezahle ich noch Steuern, wenn der Staat keinen Service public leistet?
      Dann doch eher einen Benzingenerator anschaffen. Das ist effizienter.
      Auf dem Dach ist schon die Warmwasserheizung für den Pool und beim anderen Haus lässt es die Denkmalpflege und Bauart des Daches nicht zu.
  • Kommentar von Hermann Roth  (Dr. Wissenschaftler)
    Mir ist es ein Rätsel, weshalb nicht jeder einzelne der neuen Pensionskassen- und Millionärsbauern-Wohnblöcke mit Solarzellen ausgestattet wird. Wenn die aus dem bodengestampften, seelenlosen Blockquartiere schon nicht wohnlich sind, sollten sie immerhin selber Strom produzieren.
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  • Kommentar von Reto Frischknecht  (refrisch)
    Das Potential von Photovoltaik-Anlagen ist riesig. Der Stromendverbrauch der Schweiz liegt aktuell bei 55 TWh. Schätzungen gehen davon aus, dass alleine durch Photovoltaik-Anlagen auf gut geeigneten Dächern und an Fassaden in der Schweiz 67 TWh Elektrizität pro Jahr erzeugt werden können. Hinzu kämen freistehende Anlagen über Autobahnen oder in den Alpen. Letztere überzeugen einerseits mit hohen Einstrahlungswerten, andererseits sind deren Erträge im Winter in etwa gleich hoch wie im Sommer.
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