Kirchenzehnt für Pastorenwohl Massiver Spendendruck: Kritik an tamilischer Freikirche PMC

Die grösste tamilische Freikirche in der Schweiz steht in der Kritik. Innerhalb der evangelikalen Philadelphia Missionary Church (PMC) herrscht laut Insidern ein überstarker Spendendruck. Gemeinde-Mitglieder nahmen gar Kredite auf, um genug Spenden zu können. PMC weist die Vorwürfe zurück.

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Massiver Spendendruck auf Tamilen

9:33 min, aus Rundschau vom 8.2.2017

Das Wichtigste in Kürze

  • Tamilische Familien zahlen zehn Prozent ihres Lohnes an die Freikirche PMC.
  • Wer nicht mehr bezahlen kann, wird ausgegrenzt.
  • Der leitende Pastor Paul Satkunarajah will sich dazu nicht äussern.
  • Der Pastor fällt aber durch seinen aufwändigen Lebensstil auf.
  • Beim PMC wird das sogenannte Wohlstands-Evangelium gepredigt.
    Wer spendet, erhält nicht nur Erlösung, sondern auch Wohlstand.

Das Ehepaar P. zeigt der «Rundschau» die Belege für die regelmässigen Zahlungen: Jeden Monat überwiesen die zwei in der Schweiz lebenden Tamilen je zehn Prozent ihres Lohnes in die Freikirche Philadelphia Missionary Church (PMC): insgesamt über 500 Franken. Die zwei ehemaligen PMC-Mitglieder spendeten daneben auch für ausserordentliche Sammlungen der evangelikalen Gemeinde.

Schliesslich geriet die Familie in Finanznot und stoppte die Zahlungen. «Man hat dann einfach nicht mehr mit uns gesprochen. Wir galten als unreine Menschen. Das ist sehr schlecht, wenn man bei uns als unrein bezeichnet wird. Man hat uns gesagt, Gott möge Kinder wie uns nicht», sagt Ehefrau A.P. Sie will nur anonym Auskunft geben, aus Angst vor Repressalien.

Sektenexperte: «Letztes Geld hingegeben»

PMC ist die grösste und älteste evangelikale Tamilenkirche in der Schweiz. Finanziert wird sie, wie bei Freikirchen üblich, durch Spenden der Gläubigen. Bei der tamilischen PMC scheint der Spendendruck aber besonders stark zu sein. Für tamilische Gläubige, die in der Regel wenig Geld verdienen, kann das zum Problem werden.

Religions- und Sekten-Experte Georg Schmid kennt PMC und die Predigten von Pastor Paul Satkunarajah: «Das häufigste Problem mit PMC ist, dass es überbordende Spendenforderungen gibt. Dass man 10 Prozent und mehr zahlen soll. Das höre ich von Menschen, die ihr letztes Geld hingegeben haben. Menschen, die andere finanzielle Verpflichtungen gehabt hätten, stattdessen aber solche Gemeinden unterstützt haben.»

Spendendruck, der zu solchen Situationen führe, sei ethisch problematisch und sicher nicht christlich, sagt Georg Schmid, Leiter der evangelischen Informationsstelle Relinfo.

PMC: «Alle Spenden freiwillig»

Was sagt die Philadelphia Missionary Church zu den Vorwürfen? Trotz Anfragen kommt ein Interview mit dem leitenden Pastor Paul Satkunarajah nicht zustande. Der Senior Pastor sei zu beschäftigt, heisst es bei PMC.

Die Fragen der «Rundschau» werden vom Treuhänder der PMC beantwortet, dem Berner Finanzberater Alfons Hubmann. Er weist den Vorwurf der überrissenen Spendenforderungen zurück. Die PMC nimmt laut Jahresrechnung jährlich über 350'000 Franken an Spenden ein. Freiwillige Spenden, betont Hubmann.

«Ich habe zum Thema Spenden intern Gespräche geführt. Ich weiss, dass Familien den Zehnten bezahlen und zwar absolut freiwillig. Ich darf noch erwähnen, dass Pastor Paul Satkunarajah und seine Familienmitglieder auch den Zehnten abliefern.»

Luxuriöser Lebensstil?

Die PMC steht aber auch wegen seines leitenden Pastors in der Kritik. Neben seiner religiösen und wohltätigen Mission fällt Pastor Paul Satkunarajah durch einen Lebensstil auf, den sich nur wenige in seiner Gemeinde leisten können. In Sri Lanka hat er neben einer PMC-Kirche ein eigenes Wohnhaus mit Umschwung erstellt.

In der Umgebung von Bern lässt er gerade ein Mehrfamilienhaus für sich und seine Angehörige bauen. Und er fährt einen Mercedes, der ihm die PMC-Gemeinde zur Einweihung einer neuen Kirche in Bern schenkte, heisst es.

Auch der leitende Pastor der Tamilenkirche «Word of God Church», Pastor Shankar Piyadasa, der bis 2004 Pastor bei PMC war, kritisiert Pastor Paul Satkunarajah: «Ich war wütend auf ihn. Viele Leute spenden und bringen dafür grosse Opfer. Und gleichzeitig führt er ein Leben im Luxus. Wie geht das?»

PMC-Berater Alfons Hubmann weist auch diesen Vorwurf zurück. Der leitende Pastor lebe nicht im Luxus. Er würde nur einen bescheidenen Monatslohn von 5000 Franken bei PMC beziehen. Spendengelder würden in keinem Fall in private Projekte des Pastors fliessen.

Umstrittenes Wohlstands-Evangelium

Der Lebensstil von Pastor Paul Satkunarajah hat nach Meinung von Religionsexperte Georg Schmid eine eigene Logik. Denn bei PMC werde das sogenannte Wohlstands-Evangelium gepredigt. Wer spendet, erhalte nicht nur Erlösung, sondern auch Wohlstand. «Das heisst, der Pastor muss auch im Wohlstand leben, und diesen auch zeigen», sagt Schmid.

Aber gemäss PMC-Treuhänder Hubmann wird bei PMC kein Wohlstands-Evangelium gepredigt. «Das ist bei PMC kein Thema.»