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Schweiz Maurer entschuldigt sich für Botschaft zum Holocaust-Gedenken

Für seine Botschaft zum Holocaust-Gedenktag hat der Bundespräsident viel Kritik geerntet. Vor den Delegierten des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes zeigte Maurer nun Reue. Der Präsident des Gemeindebundes wünscht sich auch von der Bevölkerung eine breite Diskussion.

Bundespräsident Ueli Maurer hat sich vor der Dachorganisation der Juden in der Schweiz für seine umstrittene Botschaft zum Holocaust-Gedenktag von Ende Januar entschuldigt. Maurer sagte vor der Delegiertenversammlung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes in St. Gallen, er bedaure das «Nicht-Gesagte» in dem Text. 

«Ich kann ihnen nur erklären, wie das gegangen ist», sagte Maurer. «Wir haben ein Communiqué veröffentlicht, das entstand, als ich am WEF in Davos war. Ich habe es kurz überflogen und gefragt, ob man das immer so mache. Man hat mir das bestätigt. Und so wurde das in dieser Form publiziert.»

Er habe danach sehr viele Reaktionen erhalten, meinte Maurer weiter. «Ich habe wieder einmal etwas gelernt: Es kommt nicht nur darauf an, was man sagt. Sondern auch auf das, was man nicht sagt. Es war keineswegs Absicht. Ich möchte mich schlicht und einfach entschuldigen.»

Der Bundespräsident hatte in seiner Botschaft am 27. Januar – dem Holocaust-Gedenktag – geschrieben, die Schweiz sei «in jener dunklen Epoche» ein Land der Freiheit und des Rechts geblieben – dank des Einsatzes einer ganzen Generation mutiger Frauen und Männer. So sei das Land für viele Bedrohte und Verfolgte zur «rettenden Insel» geworden.

Kritik der jüdischen Gemeinschaft

Seine Botschaft hatte für Kritik gesorgt – unter anderem bei den Juden in der Schweiz. Vertreter jüdischer Organisationen beklagten, Maurer habe die «Schwächen und Irrtümer» der Politik der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs ausser Acht gelassen.

Der Bundespräsident habe zwar zu Recht erwähnt, dass die Schweiz während des Krieges eine «Insel für viele Bedrohte und Verfolgte» geworden sei. Vergessen worden seien aber jene Flüchtlinge, die wegen der Haltung der Schweiz in den «sicheren Tod» abgeschoben worden seien, sowie die mutigen Fluchthelfer. 

Schweizer Juden befriedigt

Herber Winter, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes zeigte sich zufrieden mit der Entschuldigung Maurers: «Ich habe gehofft, aber nicht erwartet, dass sich Bundespräsident Maurer äussern wird.» Er kenne nur wenige Politiker, die sich für etwas entschuldigten. «Ich rechne das Herrn Maurer hoch an.»

In der Sache selbst wünscht sich Winter allerdings noch mehr Sensibilisierung in der Bevölkerung: «Wir kämpfen dafür, dass das, was geschehen ist, positiv wie negativ rezipiert wird.»

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72 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Nef, Hemberg
    Seit den "Schäfli Plakaten" und anderen taktlosen Aussprüchen der SVP bin ich negativ eingestellt gegen diese Partei. Die Reaktion Ueli Maurers hilft mir gegen solche Gefühle anzugehen und nicht alle in einen Topf zu werfen.
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Wieso, was ist Schlimmes an weissen und schwarzen Schäfli? Schwarzes Schaf nennt man jemanden, welche sich in Familie oder Gemeinde negativ bis kriminell abhebt. Das hat doch nichts mit Ausländer zu tun! War selber ein Leben lang das schwarze Schaf in meiner eigenen Familie und in Schulen, und das ohne Migrationshintergrund.
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  • Kommentar von Katharina Müller, 8400 Winterthur
    Der Weg, den unsere Vorfahren gegangen sind, war der richtige Weg, denn wir wurden vom Krieg verschont. Es galt, die Schweizer Bevölkerung und die aufgenommenen Flüchtlinge zu schützen, das ist ihnen gelungen. Was ausserhalb unserer Grenze passiert ist, sind wir nicht verantwortlich, Massenvernichtung war nicht unsere Idee und ist nicht in unserm Lande passiert.
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  • Kommentar von Katharina Müller, 8400 Winterthur
    @ Kunz Was dazu geführt hat, dass die Schweiz "verschont" geblieben ist damals im 2. Weltkrieg, kann man nicht klar feststellen. Es war eine unglaublich schwierige Zeit, dass Fehler gemacht wurden, kann durchaus sein. Aber letztendlich zählt die Tatsache, dass die Schweiz nicht aktiv in den Krieg gezogen wurde und dass dadurch unzähligen Menschen, nicht nur Juden, das Leben gerettet wurde. Dies allein zählt.
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    1. Antwort von Lucas Kunz, Sallneck
      Frau Müller, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg - also wenn man wirklich wollte, könnte man's sehr wohl feststellen - Quellenmaterial gäbe es zur genüge. Die Zeit war tatsächlich prekär... das heisst aber noch lange nicht, dass man die Geschichte vergolde. Aufnahme der Flüchtlinge: der humanitäre Aspekt war sichtlich dem finanziellen untergeordnet - kürzlich schrieb jemand, seine Familie musste pro Nase 10'000 sFr dafür bezahlen - das war damals eine sehr hohe Summe, also nur für Reiche!
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    2. Antwort von M. Keller, Thurgau
      L. Kunz: sie sollten wirklich mal ein paar Geschichtsbücher lesen (nicht nur den "gefärbten Bergier Bericht"!); dort lesen Sie mit Quellenangaben von Drohungen an die CH **, Invasionsplänen usw. Nazi-D hatte sehr wohl Interesse an der CH (Gotthardtunnel!!), und die Invasion war näher als heute gedacht... Ferner: Sie lasten der damaligen Regierung "sofortiges Einknicken gegenüber der benachbarten Grossmacht" an. Sehen SIE, L. Kunz (EU-Druck-Befürworter), keine Paralellen zur heutigen Zeit?
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    3. Antwort von M. Keller, Thurgau
      L. Kunz (Teil 2): ** versuchen Sie doch mal rauszufinden, warum die CH-Luftwaffe nach 1940 bei Luftraumverletzungen nicht mehr aufsteigen _DURFTE_, und/oder Stein am Rhein und Schaffhausen bombardiert wurden... (es war nicht alles Grundlos, wie es seit Bergier in den Büchern steht... Fragen Sie nur alte Schaffhauser... Die sagen Ihnen schon, warum die Amis bombardierten, und warum dieser Grund in der CH war... (nein, GELD war's nicht)... Finden Sie es selber raus, ist ein riesen Erlebnis!)
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    4. Antwort von Lucas Kunz, Sallneck
      Frau Müller, das Forum hier mit 500 Zeichen ist leider eine schlechte Plattform, irgend wie ein winzig klein wenig in ein Thema einzusteigen. "gefärbter B..." - immerhin wissenschaftl. fundiert und weniger gefärbt als Geschichte à SVP. "Bergier" ist nur ein Mosaikstein - interessant sind die deutschen Quellen. Nach der Bes. Frankreichs gab's für die CH eine schwer einschätzbare Bedrohung, ab dem 22.6.41 nicht mehr. Die CH hatte sich gefügt und kooperierte nun als Vasall für Nazideutschland.
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