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Medienkonzentration nimmt zu «Mit Gratiszeitungen lässt sich politisch etwas bewegen»

Christoph Blocher trennt sich im Tausch gegen Gratiszeitungen von der Basler Zeitung. Sinnvoll, findet ein Experte.

Legende: Video Mark Eisenegger zur Attraktivität der Gratiszeitungen abspielen. Laufzeit 0:43 Minuten.
Aus News-Clip vom 18.04.2018.

Der Zürcher Medienkonzern Tamedia kauft die «Basler Zeitung» (BaZ). Dafür geht unter anderem das «Tagblatt der Stadt Zürich» an die Zeitungshaus AG, deren Mitbesitzer alt SVP-Bundesrat Christoph Blocher ist. Medien-Experte Mark Eisenegger sagt, was der Deal für die Schweizer Medienlandschaft bedeutet.

Mark Eisenegger

Mark Eisenegger

FöG-Präsident

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Eisenegger ist Präsident des Forschungsinstituts Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög) der Universität Zürich. Das Institut publiziert das Jahrbuch «Qualität der Medien».

SRF News: Herr Eisenegger, Tamedia übernimmt die BaZ. Ist Christoph Blocher damit mit seiner Zeitungsstrategie in Basel gescheitert?

Mark Eisenegger: Tatsächlich hat die «Basler Zeitung» dramatisch an Auflage verloren. Seit 2010 nahm diese um rund 50 Prozent von 83'000 auf 46'000 ab. Das ist ein grosser Rückgang. Allerdings ist zu sagen, dass die «Basler Zeitung» mit seinem starken rechtskonservativen und rechtsbürgerlichen Kurs in der Region einen schweren Stand hatte. Basel-Stadt ist bekanntermassen sozialdemokratisch, eher linksalternativ ausgerichtet. Nun hat sich gezeigt, dass das nicht der geeignete Humus ist, um mit dieser Zeitung erfolgreich zu sein.

Welches Interesse hat die Tamedia an der «Basler Zeitung»?

Sie kann dann neben Zürich und Bern eine weitere städtische Agglomeration mit ihren Inhalten bedienen. Zudem kann Tamedia Synergien innerhalb der Redaktionen nutzen. Wir wissen, dass alle diese Standorte mit gleichförmigen Inhalten im Bereich Inland, Ausland, Kultur und Wirtschaft bestückt werden.

Darüber hinaus ist es auch ein interessantes ökonomisches Gebiet – insbesondere deshalb, weil man davon ausgehen muss, dass sich der politische Kurs der Basler Zeitung nun ändern wird. Tendenziell wird sich die Zeitung in Richtung Mitte bewegen und das wird in Basel vermutlich auf grössere Resonanz stossen.

Wir wissen, dass alle diese Standorte mit gleichförmigen Inhalten im Bereich Inland, Ausland, Kultur und Wirtschaft bestückt werden.

Tamedia baut ihre Marktmacht aus. Welche Gefahren lauern dabei?

In der Deutschschweiz kontrollieren Tamedia, Ringier und die NZZ rund 80 Prozent des Printmarktes, und dieser Trend wird sich fortsetzen. Wir werden tendenziell weniger Vielfalt erleben im Bereich Inland, Ausland und Wirtschaft. Aus demokratietheoretischer Perspektive ist das nicht das, was wir wollen. Es ist zu hoffen, dass wenigstens in der regionalen Berichterstattung eine gewisse Vielfalt erhalten bleibt.

Und was bezweckt Christoph Blocher mit den Gratiszeitungen?

Gratiszeitungen sind offenbar sehr interessant. Sie sind so aufgestellt, dass man ein geringes ökonomisches Risiko tragen muss und sie funktionieren aus ökonomischer Sicht immer noch relativ gut. Zudem kann man mit den erhaltenen Gratiszeitungen rund eine Million Haushalte erreichen. Damit lässt sich politisch durchaus etwas bewegen. Christoph Blocher hat ja auch in der Vergangenheit mit der Lancierung einer Gratis-Sonntagszeitung geliebäugelt.

Das Gespräch führte Marcel Anderwert

Legende: Video Christoph Blochers Zeitungsimperium abspielen. Laufzeit 4:38 Minuten.
Aus 10vor10 vom 18.04.2018.

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38 Kommentare

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  • Kommentar von Tobias Weiss (Weiss)
    Die Grünen haben schon tausende Kleber gedruckt wo man haben kann wenn man kein Tagblatt will. Propaganda Zeitung Blochers nennen sie dies. Das Lustige dabei bevor man überhaupt einmal eine Zeitung gelesen hat seit der Uebernahme. Das zeigt es geht nicht um Inhalt. Nur um Polemik und Angst das Volk könnte mit einer anderen Ansicht als der SP und Grünen genehm aufwachen und selbständig denken. Medienvielfalt ist aber etwas wichtiges in einer Demokratie
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  • Kommentar von Tobias Weiss (Weiss)
    Es ist schon ernüchternd, weil nun auch die BAZ in die Hände der Tamedia fällt. Eine durch und durch linke Organisation welche auch deren Zeitungen so macht. Siehe das Grünen Parteiblatt Tagi oder das SP-Instrument Berner Zeitung. Es braucht Vielfalt. Wenigstens hat Herr Blocher nun ein paar wenige Gratiszeitungen erhalten. Es muss unterschiedliche Meinungen geben. Es ist bezeichnend wie die SP und Grünen Angst vor unterschiedlicher Meinungen haben und dagegen opponieren. Typisch.
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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Damit separieren sich die politischen Lager in Leute, die ihre Info aus Kurzmeldungen und Tweets beziehen, und solche, denen Infobeschaffung etwas Zeit- und Geldaufwand wert ist. Damit werden Interessengruppen mit unterschiedlichem Hintergrundwissen aufeinandertreffen. Schlagwortpolitik gegen intellektualisierte Politik - mit klar besseren Siegchancen für erstere. Nachhaltige Lösungen sind m.E. dabei nicht zu erwarten.
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