Medikamente: Preissenkungen in Millionenhöhe stehen bevor

Apotheken, Ärzte und Spitäler verdienten zu viel am Verkauf von Medikamenten, finden die Krankenkassen. Und zwar eine satte halbe Milliarde zu viel. Ein ähnlicher Vorwurf kommt auch von anderer, entscheidender Stelle: Der Bund will die Medikamentenpreise um mehrere Millionen Franken senken.

Ein Geldschein von 200 Franken und mehrere Pillen zeigen, wie teuer Medikamente sind.

Bildlegende: Medikamente werden wohl bald billiger. Keystone

Die Krankenkassenprämien steigen Jahr für Jahr, gerade Familien geben einen substanziellen Teil ihres Einkommens dafür aus. In dem Ausmass müsste das nicht sein, findet der Krankenkassenverband Santésuisse.

Allein im Jahr 2014 hätten laut Santésuisse 489 Millionen Franken eingespart werden können – das entspricht immerhin zwei Prämienprozenten. Und zwar, wenn Apotheken, Ärzte und Spitäler tiefere Margen beim Verkauf von Medikamenten hätten.

Der Bund ist bereits an der Arbeit

Schweizer Apotheker zum Beispiel kassieren laut Santésuisse deutlich mehr für Medikamente als ihre Kolleginnen und Kollegen in den meisten europäischen Ländern (siehe Grafik).

So viel schlugen Apotheken 2014 drauf auf die Fabrikpreise von Medikamenten Die unterschiedliche Kaufkraft in den einzelnen Ländern ist im Vergleich der Handelsmargen berücksichtigt. Santésuisse

Dabei, sagt Santésuisse, müssten die Margen gemäss Gesetz ähnlich hoch sein wie im Ausland. Jetzt sei deshalb der Bundesrat dran, er habe die Regeln für Apotheken, Spitäler und Ärzte zuletzt vor Jahren, nämlich 2004, angepasst.

Tatsächlich rennen die Krankenkassen beim Bund offene Türen ein: Im Moment arbeitet das Bundesamt für Gesundheit nämlich daran, die Margen bei den Medikamenten zu senken. Man gehe davon aus, «dass Einsparungen von mehreren Millionen Franken möglich sind», sagt eine Sprecherin.

2017 soll es so weit sein

Wie viele Millionen es sein werden, ist noch offen. So weit gehen, wie sich das die Krankenkassen wünschen, dürfte der Bund aber nicht. Denn die Apotheken und Ärzte werden sich wohl heftig wehren gegen eine Senkung der Margen.

Ihre Argumente: Tiefere Margen gefährdeten die Versorgungssicherheit bei den Medikamenten. Kleine Apotheken ausserhalb der Städte und Ärzte auf dem Land könnten nämlich nicht überleben, sollten sie weniger Geld verdienen mit dem Verkauf von Arzneimitteln.

Bald schon wird klar sein, wie vehement der Widerstand ausfällt, denn der Bund dürfte die neuen Regeln in nächster Zeit bekannt geben. Er will sie nämlich bereits 2017 in Kraft setzen, und politische Prozesse nehmen nun einmal einige Zeit in Anspruch. Bis diese Zeit um ist und die neuen Vorschriften gelten, verdienen Schweizer Apotheken, Ärzte und Spitäler weiterhin deutlich mehr als die meisten Kollegen im europäischen Ausland.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Der Preisüberwacher will nächstes Jahr alle Medikamente auf Preissenkungen hin prüfen lassen.

    Medikamentenpreise sinken dieses Jahr nicht

    Aus Rendez-vous vom 26.2.2016

    Die Preise für rezeptpflichtige Medikamente werden erst wieder im 2016 überprüft und sinken somit sicher nicht dieses Jahr: Das hat der Bundesrat entschieden. Er setzt damit ein Bundesgerichtsurteil um. Das freut die Pharmaindustrie. Doch den Preisüberwacher ärgert es.

    Gaudenz Wacker

  • Medikamentenpreise fallen vorerst nicht

    Aus Tagesschau vom 24.2.2016

    Die Medikamentenpreise in der Schweiz werden weniger rasch nach unten angepasst als geplant. Dieses Jahr fallen Preissenkungen und damit Einsparungen von rund 100 Millionen Franken gemäss Bundesrat wegen eines Bundesgerichtsurteils ganz aus.

  • Der therapeutische Vergleich mit ähnlichen Medikamenten müsse noch stärker berücksichtigt werden, sagt der Bundesrat.

    Medikamentenpreise - der Bundesrat will erneut neue Regeln

    Aus Echo der Zeit vom 24.2.2016

    Das Bundesamt für Gesundheit berechnet, was rezeptpflichtige Medikamente kosten und orientiert sich dabei vor allem an den Medikamentenpreisen im Ausland. Das gehe so nicht, urteilte das Bundesgericht vor ein paar Wochen. Nun reagiert der Bundesrat - zur Freude der Pharmabranche.

    Elisabeth Pestalozzi