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Nach Aufruf der Behörden Mehr ehemalige Verdingkinder und Weggesperrte melden sich

Der öffentliche Aufruf zeigt Wirkung: Deutlich mehr Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen stellen einen Antrag auf finanzielle Entschädigung.

Legende: Audio Hilfe für Verdingkinder und andere Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen abspielen.
1:55 min, aus HeuteMorgen vom 21.08.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen haben Anrecht auf eine finanzielle Entschädigung.
  • Es leben schätzungsweise noch bis zu 20'000 Betroffene. Gesuche für Entschädigungen wurden bis Anfang Juli jedoch nur 2500 eingereicht.
  • Die Behörden gingen deshalb an die Öffentlichkeit – die Zahl der Gesuche ist seither angestiegen.
  • Es wird ausserdem eine neue Informationskampagne lanciert, die sich an die Betroffenen richtet.

Heute leben schätzungsweise noch 10'000 bis 20'000 Betroffene von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen. Es handelt sich um frühere Verdingkinder, um Zwangssterilisierte, um ehemalige misshandelte Heimkinder oder um Menschen, die weggesperrt wurden, weil ihr Lebenswandel den Behörden nicht passte.

Die bis zu 20'000 Betroffenen reichten jedoch bis Anfang Juli nur 2500 Gesuche für eine finanzielle Entschädigung ein. Deshalb gingen Behördenvertreter und Guido Fluri, der Kopf hinter der «Wiedergutmachungsinitiative», an die Öffentlichkeit, um die Opfer nochmals daran zu erinnern, dass sie Anspruch auf eine Entschädigung haben.

Mehr Gesuche

Das scheint nun Wirkung zu zeigen, wie Luzius Mader erklärt, der Delegierte des Bundes für die Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen. Seit dem öffentlichen Aufruf habe die Anzahl Gesuche «spürbar» zugenommen. «Im Moment sind wir bei annähernd 3000 Gesuchen, und die kantonalen Anlaufstellen haben uns mitgeteilt, dass die Kontaktaufnahmen deutlich angestiegen sind.»

Dass sich bislang viele anspruchsberechtigte Opfer noch nicht gemeldet haben, dürfte verschiedene Gründe haben. Einige schämen sich, einen Antrag auf finanzielle Entschädigung zu stellen. Andere glauben, es sei sehr kompliziert, einen solchen Antrag zu stellen, und lassen es deshalb gleich bleiben.

Neue Informationskampagne

Laut Mader ist der Antrag jedoch nicht besonders kompliziert. Ausserdem können die kantonalen Anlaufstellen die Betroffenen beim Ausfüllen der Formulare unterstützen. Um das deutlich zu machen, gibt es demnächst eine Informationskampagne. Man habe einen Flyer vorbereitet, sagt Mader. «Diesen werden wir in den nächsten Wochen an Alterszentren, Altersheime, Hausärzte, Spitex-Organisationen, Pro Senectute und so weiter abgeben.»

Im Moment sind wir bei annähernd 3000 Gesuchen, und die kantonalen Anlaufstellen haben uns mitgeteilt, dass die Kontaktaufnahmen dort deutlich angestiegen sind.
Autor: Luzius MaderDelegierter des Bundes für die Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen

Mit dem Flyer sollen möglichst viele anspruchsberechtigte Betroffene erreicht werden. Denn die Zeit drängt. Gesuche können nur noch bis März nächsten Jahres eingereicht werden.

Infos zum Solidaritätsbeitrag

Eine Wegleitung zum Solidaritätsbeitrag sowie das Gesuchsformular und eine Adressliste finden Sie auf der entsprechenden Seite des Bundesamtes für Justiz.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Die "Anlaufstellen" der Kantone verweisen die seelisch oft ganz gekeulten Verdingkinder und deren darunter lebenslang mitleidenden Kinder an die Gemeinden, statt alle Akten ins Staatsarchiv einzuziehen und von dort unaufgefordert allen noch direkten Opfern oder ihren "Erben" in Kopie zuzustellen. Zudem sind Almosen im Betrag von weit weniger als einem heutigen Fraenkli pro Zwangsarbeitsstunde eine hoffentlich letzte Watsche mehr statt eine "Wiedegutmachung"....
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  • Kommentar von Karl Suter (glaubenstreu)
    Das Rad dreht sich und schon bald wird es einen Fond geben müssen, für die heute mit Zwangsmassnahmen wegesperrten benachteiligten Kinder, eine finanzielle Gutmachung zu erreichen. So wird es immer sein und bleiben mit Sonnen- und Schattenseiten. Doch die bürokratischen Zwangsmassnahmen nehmen seinen Lauf - siehe KEBS, ohne eine wirklichen Hilfe den betroffenen Menschen .geben zu können.
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Das für "Fürsorgerische Zwangsmassnahmen" eine Meldefrist besteht, ist falsch. Es sollte jederzeit möglich sein solche Vergehen zu melden. Ebenfalls sollte eine Beschwerdestelle eingerichtet werden, die die Leute unterstützt. Dauerhaft und nicht auf ein Datum begrenzt.
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    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Wenn man die "Aufarbeitung" von Kindersklaverei von 0,5 auf 0,3 Mia. abschmuerzelt (derweil man innert Tagen fuer eine Bank mit gestaendig kriminellen Kadern 70 Mia. Volksvermoegen riskiert), muss man auch eine Frist fuer den Auswurf der Almosen setzen. Denn bei 0,3 Mia. ist Matei am Letzten fuer alle weiteren direkten Opfer. Die indirekten gehen eh leer aus....
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