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Mehr Geld für Asylsuchende «Diese Investitionen rechnen sich ganz sicher»

Legende: Audio Mehr Sprachförderung bringt etwas abspielen. Laufzeit 03:49 Minuten.
03:49 min, aus SRF 4 News aktuell vom 01.05.2018.

Der Bund und die Kantone wollen Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene schneller in den Arbeitsmarkt integrieren. Deshalb wurde eine gemeinsame Integrationsagenda erstellt. Die Ziele der Agenda sollen unter anderem mit einer höheren Integrationspauschale des Bundes an die Kantone erreicht werden. Das führt zu jährlichen Mehrausgaben von rund 130 Millionen Franken. Die Fachfrau des Integrationszentrums in Bern, Ursula Heitz, sieht den konkreten Nutzen dieser Gelder.

Ursula Heitz

Ursula Heitz

Leiterin des Kompetenzzentrums Integration in Bern

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Heitz führt das Kompetenzzentrum Integration (KI) der Stadt Bern. Das Zentrum berät ausländische Personen, die neu in die Stadt Bern gezogen sind sowie Personen des Asylbereichs. Ausserdem führt das KI Arbeitsintegrationsprogramme für Asylsuchende und weitere Personen der Migrationsbevölkerung durch.

SRF News: Geht in Ihren Augen die Rechnung des Bundesrates «Höhere Integrationspauschale – tiefere Sozialhilfekosten» auf?

Ursula Heitz: Ich bin sicher, dass diese Rechnung aufgeht. Am Anfang wird es mehr kosten, aber das sind Investitionen, die sich rechnen, weil man Zeit sparen kann. Die Integration kann rasch vonstattengehen, von Anfang an. Das ist ganz klar ein Vorteil.

Es gibt Leute, die haben ein grosses Potenzial. Sie können schneller vorwärts kommen, wenn man sie besser erfassen kann.

In welchen Bereichen fehlte bisher das Geld für die Integration in den Arbeitsmarkt?

Wir konnten nicht genug Sprachförderung anbieten. Sehr viele Massnahmen haben wir bereits. Aber in manchen Bereichen braucht es spezifische Unterstützung. Es gibt Leute, die haben ein grosses Potenzial. Sie können schneller vorwärts kommen, wenn man sie besser erfassen, vertiefter und systematischer beraten kann und wenn es nicht mehr so lange Wartelisten gibt. Manchmal muss jemand auf ein Programm ein halbes Jahr oder ein Jahr warten.

Können Sie uns ein typisches Beispiel geben, bei dem mit mehr Mitteln mehr erreicht wird?

Da sind zum Beispiel eben die Wartelisten. Junge Leute, 16-, 18-, 25-jährige, haben Potenzial. Wir haben mehrere solche Personen, die beispielsweise mit einer Lehre beginnen könnten. Doch die Lehren fangen im August an. Wenn man diesen Zeitpunkt aufgrund von Wartelisten verpasst, wartet man wieder ein Jahr. Auch die Arbeitgeber wären froh darüber. Es gibt nämlich noch viele offene Lehrstellen.

Personen, die noch keinen Asylentscheid erhalten haben, waren bislang von der Sprachförderung ausgeklammert.

Das neue Bundesgeld fliesst an die Kantone. Was werden Sie als Integrations-Fachstelle nun von diesem Geld spüren?

Die Stadt Bern ist nur für einen Teil zuständig. Wir spüren jetzt schon, dass der Kanton Bern recht viel investiert hat. Wir haben seither mehr Geld für Beratung, das bedeutet, für Personal zur Verfügung. Es gibt auch mehr Mittel für spezifischere Massnahmen und für Sprachförderung, insbesondere auch bei Personen, die noch keinen Asylentscheid erhalten haben. Diese Personen waren bislang von der Sprachförderung ausgeklammert.

Der Bund hat einerseits Geld gesprochen, andererseits auch eine Integrationsagenda mit verbindlichen Zielen beschlossen. Hilft das?

Das hilft auf jeden Fall. Das bedeutet, dass alle dieselben Ziele haben und dass man die Anstrengungen über die Kantonsgrenzen hinaus mehr oder weniger vergleichen kann. Das war bislang schwierig, weil die Kantone die Vorgaben verschieden umgesetzt haben oder weil die Aufträge nicht ganz klar waren. Ich finde es hilfreich, wenn man weiss, was man zu tun hat. Man kann mitgestalten. Die Arbeit wird professioneller und systematischer. So spart man wiederum Zeit.

Das Gespräch führte Andreas Lüthi.

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38 Kommentare

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  • Kommentar von Katharina Regli (Kathareina)
    Z.B. ist Eritrea ein Diktatur ( sagt auch Bundesrätin S. Sommeruga); weil der Präsident einen obligatorischen Dienst der Bevölkerung am Land verordnet. Sie verordnet Investitionen (ohne Einverständnis der Bevölkerung). Wir haben aber unser Demokratieverständnis auch nicht ohne Widerstände erhalten (vorab das finstere Mittelalter bis zur französischen Revolution mit den Gefolterten und Schafott. Ist heute nicht so schlimm bei uns, aber Meinungen werden zensuriert.
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  • Kommentar von Edi Steinlin (Chäsli)
    Gewissen Politikern/innen ist gar nicht bewusst was das Wort "Integration" heisst. Es heisst, dass sich vor allem die Betroffenen anstrengen müssen, die Sprache lernen, unsere Sitten und Gebräuche verstehen, usw. Einen grossen Teil dieser Einwanderer wird so oder so in der Fürsorge landen, was natürlich gewissen Leuten gefällt. Unsere Sozial-Industrie ist nach wie vor ausbaufähig, nur bald nicht mehr bezahlbar. Welche Investitionen sich lohnen und welche nicht, sehen wir in ein paar Jahren.
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    1. Antwort von Stefan Pfister (Stefan Pfister)
      Leben Sie in einer Beziehung, Herr Steinlin? Finden Sie dort auch, dass sich vor allem Ihre Frau/Freundin anstrengen muss? Zu einer Beziehung gehören zwei. Und zur Integration gehören auch zwei Seiten. Die Neuankömmlinge, die Teil der Schweiz sein wollen, und die Alteingesessenen, die die Neuen als Teil der Schweiz akzeptieren. Bei Integrationsproblemen gibt es jeweils auch zwei Seiten, auch wenn es für uns natürlich bequemer ist, allein die Ausländer zu beschuldigen.
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  • Kommentar von Daniel Bucher (DE)
    Tagesschau von Gestern: Dort wird ein Migrant vorgestellt, der bereits einen persönlichen Coach hat. Zum Programm wird erklärt, dass jeder Vierte, der ins Programm kommt (nur Gesunde, Jüngere, Motivierte etc.) erfolgreich eine Ausbildung macht. Also brechen 75% trotz persönlichem Coach ab und leben lieber von der (grosszügigen) Sozialhilfe. Damit müssen sie auch nicht zu schwer arbeiten und haben mehr Freizeit. Ich finde die Erfolgsquote sehr bescheiden und offensichtlich nicht wirksam genug.
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    1. Antwort von Stefan Pfister (Stefan Pfister)
      1,. ist die Sozialhilfe nicht grosszügig, 2. bekommen Asylbewerber noch weniger Sozialhilfe als alle anderen.
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