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Schweiz Mehr Menschen beanspruchen Hilfe der Caritas

Jeder Dreizehnte in der Schweiz hat weniger als 2200 Franken im Monat zur Verfügung. Diese Zahlen des Bundesamts für Statistik beziehen sich aufs Jahr 2012. Sie zeigen auch: Seit 2007 ist die Armutsquote von 9,3 auf 7,7 Prozent gesunken. Davon spürt die Caritas allerdings nichts.

Frontscheibe eines Caritas-Marktes, Caritas-Schriftzug in weiss. Im Innern eine Reihe von Einkaufwagen.
Legende: Weniger Leute leben unter der Armutsgrenze. Aber viele leben laut Caritas Schweiz nur knapp darüber. Keystone

Zu den Läden, die vergünstigte Ware für Arme wie etwa Sozialhilfe-Empfänger verkaufen, gehören die Caritas-Märkte. Diese setzen ständig mehr ab. «2013 wurde zum ersten Mal ein Umsatz von über zehn Millionen erreicht. Wir haben mittlerweile 25 Märkte schweizweit», sagt Bettina Fredrich von Caritas Schweiz. Der Umsatz in den Caritas-Märkten stieg letztes Jahr um sechs Prozent.

Ein anderes Beispiel ist die Schuldenberatung: «Wir hatten 2012 ein Viertel mehr Dossiers, also mehr Leute, die diese Schulden- und Sozialberatung in Anspruch genommen haben.»

Und auch die Kultur-Legi, eine Rabattkarte, die Menschen mit kleinem Budget vergünstigte Eintritte in Konzerte oder billigere Jahresgebühren in der Bibliothek ermöglicht, wurde markant häufiger bestellt. «Im Jahr 2012 stieg deren Anzahl von 31'000 auf 45'000», fährt Fredrich fort.

Enttabuisierung der Bedürftigkeit

Ein widersprüchliches Bild: Gemäss Statistik sinkt die Armutsquote seit 2007. Die Angebote der Caritas hingegen werden immer stärker nachgefragt. Zu erklären ist das zum einen mit dem Angebot: Die Caritas hat stetig ausgebaut. Zum anderen ist das Wachstum für Fredrich ein Zeichen dafür, dass immer mehr Menschen an der Armutsschwelle leben. Und möglicherweise ist es auch ein Mentalitätswandel: Bedürftig zu sein, galt – und gilt für viele noch immer – als ein Tabu.

Fredrich hofft, dass es in den letzten Jahren gelungen ist, der Enttabuisierung der Armut Vorschub zu leisten: «Wir setzen uns dafür ein, dass man nicht die Armen, sondern die Armut bekämpft». So schämten sich Leute weniger, Hilfe in Anspruch zu nehmen oder das Shampoo oder die Teigwaren im Caritas-Markt einzukaufen.

13 Kommentare

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  • Kommentar von Resi Weber, Lausanne
    "Zu erklären ist das zum einen mit dem Angebot: Die Caritas hat stetig ausgebaut". Caritas täte besser Kurse durchzuführen, damit die Leute selber in der Natur kräftige, sehr nahrhafte Kräuter, Wurzeln, Pilze, Beeren, Baumblätter, sogar Arznei, usw. für ihre täglichen Mahlzeiten sammeln könnten. Draussen vor der Tür in der Natur findet man alles was man zur Ernährung braucht! Wegen den Hunden muss man etwas weiter gehen. Das bringt zudem Bewegung und frische Luft.
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  • Kommentar von W. Helfer, Zürich
    Das grosse Problem für Menschen welche auf Unterstützung angewiesen sind, ist, dass sich die angeblichen selbstlosen Unterstützer immer mehr in den Vordergrund drängen u aus jedem Fu..z Geld machen wollen. Der Staat verhindert sogar immer mehr direkte Hilfe. Man darf ja kaum noch mehr direkt helfen, ohne mit einer Klage zu rechnen.
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Non profit Organisationen müssen sich nun mal in den Vordergrund drängen weil sie auf Spenden angewiesen sind, und, Hand aufs Herz, wann haben sie das letzte Mal für Bedürftige gespendet?
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  • Kommentar von j. von hettlingen, schwyz
    An manchen Orten in der Schweiz leben noch viele Menschen wie diejenigen, die von Gottfried Keller im Roman "Kleider machen Leute" liebevoll geschildert wurden. Für viele Bedürftige, ist es schwierig, sich zur Armut zu bekennen. Der Druck, Schritt mit Nachbarn halten zu müssen, ist gross. Der Schein muss gewahrt bleiben! Gewisse Leute würden einer streunenden Katze mehr Liebe entgegenbringen als einen Menschen, der in Lumpen herumstreift, mit Achtung und Respekt zu behandeln.
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