Mehr private Sicherheitsleute als Polizisten in der Schweiz

«Die einen können sich mehr Sicherheit leisten, die anderen nicht.», sagt Markus Mohler. Der Sicherheitsexperte warnt davor, dass die öffentliche Sicherheit zu einem Luxusgut wird.

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Einbruch-Paradies Schweiz

11 min, aus Rundschau vom 22.5.2013

In der Schweiz gibt es heute mehr privates Sicherheitspersonal als Polizisten. Konkret seien es bereits 17'000 sogenannte Sicherheitsagenten gegenüber rund 16'500 Polizisten, sagt der ehemalige Kommandant der Kantonspolizei Basel-Stadt und Lehrbeauftragte für Sicherheits- und Polizeirecht Markus Mohler. «Das führt zu einer weiteren Verstärkung einer Zweiklassengesellschaft», so Mohler: «Die einen können sich mehr Sicherheit leisten, die anderen nicht.»

Hausbesitzer rüsten auf

Wegen steigender Einbruchsraten und niedriger Aufklärungsquote investieren viele Hausbesitzer in teure Alarmanlagen und bieten private Sicherheitsfirmen auf. In der Schweiz haben die Einbrüche letztes Jahr um 16 Prozent zugenommen, im Kanton St. Gallen um einen Drittel und in der Stadt Zürich gar um 40 Prozent.  

Weil die Polizei das Sicherheitsbedürfnis in der Bevölkerung teilweise nicht mehr abdecken kann, versuchen private Sicherheitsdienste, diese Lücke zu schliessen. Ihren Kunden versprechen sie, schnell und jederzeit vor Ort zu sein. Mohler ist skeptisch: «Von den Sicherheitsfirmen werden wahnsinnige Leistungen angeboten, die in dieser Art gar nicht erbracht werden können.»

Polizei unter Spardruck

Zum Boom der Sicherheitsfirmen hat auch der Spardruck in den Kantonen geführt.  «Wir haben zu wenig Personal, um an jeden Tatort sofort jemanden zu schicken», gesteht beispielsweise Gian Andrea Rezzoli von der Kantonspolizei St. Gallen ein.