«Meine Chance liegt unter 50 Prozent»

Der ehemalige Zuger Nationalrat der Grünen, Jo Lang, könnte 2015 in die Grosse Kammer zurückkehren – für den Kanton Bern. Doch der Weg zurück ist noch lang. Auch die Versammlung der Grünen der Stadt Bern brachte keine Klarheit.

Eine Porträtaufnahme des ehemaligen Zuger Nationalrats der Grünen, Jo Lang.

Bildlegende: Jo Lang: Wird er 2015 wieder für die Grünen im Nationalrat politisieren? Keystone/Archiv

Für den ehemaligen Zuger Nationalrat der Grünen, Jo Lang, gibt es theoretisch eine Möglichkeit für eine Rückkehr in den Nationalrat. Denn seit rund zwei Jahren wohnt er im Kanton Bern. Der Weg zurück in die Grosse Kammer ist aber ein unsicherer. Auch nach der Mitgliederversammlung der Grünen der Stadt Bern vom Mittwochabend ist die Lage nicht klarer. Probleme gibt es gleich mehrere.

«  In meinem Innersten würde es mich wurmen, wenn ich nicht gewählt würde »

Jo Lang
Ehemaliger Zuger Nationalrat der Grünen

Einer der drei Nationalratssitze der Grünen im Kanton Bern gilt als gefährdet. Alle bisherigen Vertreter kommen aus der Stadt. Sie bekämen jetzt prominente Konkurrenz, denn Lang wohnt auch in der Stadt. Zudem wären die Chancen Grüner Kandidaten vom Land noch kleiner, als sie es ohnehin schon sind. Auf der Liste gibt es nur noch einen freien Platz. Dieser wird direkt vom Vorstand der Berner Grünen vergeben. Käme Lang zum Zug, könnte das als Bevorzugung empfunden werden.


Rückkehr in den Nationalrat? Jo Lang im Gespräch

3:39 min, aus SRF 4 News aktuell vom 11.09.2014

SRF: Die grüne Partei und vor allem auch das grüne Bündnis hat ein grosses Potenzial im städtischen Raum, in der Stadt Bern und in der Agglomeration. Trotzdem sagen Sie, Sie wollten nicht gegen das Land antreten. Weshalb diese Rücksichtnahme?

Jo Lang: Es gibt zwei Gründe. Erstens kommen die drei bisherigen Vertreter alle aus der Stadt. Zweitens hat das Land 2003, 2007 und 2011 Dramen erlebt, wo gut positionierte Landfrauen von Städtern überholt wurden. Vor dieser Erfahrung habe ich Respekt.

Sie haben gesagt, Ihr oberstes Ziel sei die Sicherung der drei Sitze der Grünen im Nationalrat. Nun wird dieses Problem ja nicht gelöst, wenn Sie auf einem anderen Weg auf die Liste kommen.

Ich bin überzeugt, dass ich viel beitragen kann, viele Panaschierstimmen bringen kann – vor allem auf den Listen der SP und der Grünliberalen.

Der Vorstand der bernischen Grünen kann den 25. Platz auf der Liste der Kantonalpartei von sich aus vergeben. Wie beurteilen Sie Ihre Chancen, diesen Platz zu ergattern?

Wenn sich die Stimmung der Mitgliederversammlung vom Mittwochabend auf den kantonalen Vorstand überträgt, wenn das auch in der Agglomeration und auf dem Land gehört wird, dann habe ich gute Chancen. Der Entscheid fällt im Dezember. Bis da läuft noch viel Wasser die Aare runter.

Fühlen Sie sich aufgenommen von den Berner Grünen?

Ja, ich fühle mich sehr gut aufgenommen. Das hat auch der Applaus nach meiner Rede gezeigt.

Was denken Sie, sind Sie im Oktober 2015 wieder Nationalrat?

Meine Chance, Nationalrat zu werden, liegt unter 50 Prozent. Aber die Chance, dass ich dazu beitrage, dass die drei Sitze der Grünen erhalten bleiben, die ist grösser als 50 Prozent.

Als «Animal Politique» wäre es eine herbe Niederlage, wenn Sie es nicht schaffen würden.

Es wäre dann eine Niederlage, wenn ich nicht dazu beitragen könnte, die drei Sitze zu halten. Wenn ich aber als fünfter oder sechster sagen kann, dass es auch dank mir weiter drei Sitze gibt, dann wäre das keine Niederlage – auch wenn es mich in meinem Innersten doch wurmen würde.

Das Gespräch führte Jörg André.

Platz 25

Er strebe den Platz auf der 25. Linie der Liste der Kantonalpartei an, für die der Vorstand der bernischen Grünen den Delegierten einen Vorschlag machen darf, sagte Jo Lang an der Mitgliederversammlung des Grünen Bündnisses der Stadt Bern. Der Vorstand hat dafür von den Delegierten eine Art Carte Blanche erhalten.