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Schweiz MEM-Industrie erhält Mindestlöhne

Die Arbeiter in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie erhalten einen neuen Gesamtarbeitsvertrag. Historisch daran: Erstmals werden darin Mindestlöhne festgeschrieben. Zudem haben Väter künftig Anrecht auf bezahlten Vaterschaftsurlaub.

Ein Arbeiter verarbeitet in der Giesserei Von Roll in Emmenbruecke Gusseisen.
Legende: 560 Betriebe mit 95'500 Mitarbeitenden sind dem neuen GAV unterstellt. Keystone

Die Einigung zwischen den Sozialpartnern erfolgte nach einem achtmonatigen Verhandlungsmarathon und einer Mediation durch den ehemaligen Seco-Direktor Jean-Luc Nordmann.

Knackpunkt bei den Verhandlungen war die Forderung der Gewerkschaften nach einem Mindestlohn. Und sie setzten sich durch: Im neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) werden erstmals Mindestlöhne festgeschrieben.

«Historischer Durchbruch», freut sich denn auch die Gewerkschaft Unia. 75 Jahre lang hätten sich die Arbeitgeber «resolut gegen Mindestlöhne im GAV gesperrt».

Flexibilität für die Betriebe

Der neue GAV soll aber am 1. Juli in Kraft treten und bis zum 30. Juni 2018 gültig sein. Gemäss Nordmann bringt er neben den Mindestlöhnen eine erhöhte Flexibilität für die Betriebe sowie eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit.
 
Zudem können Arbeitgeber neu flexibler auf Auftragsschwankungen reagieren. Im Gegenzug erhielten die Angestellten einen Vaterschaftsurlaub. Der GAV empfehle auch Unterstützung bei der Familienbetreuung und einen Elternurlaub. Weiter wird die Zahl der Bildungstage erhöht.

Weitere Details zum neuen GAV werden gemäss Nordmann bis am Donnerstag
keine bekannt gegeben. Denn die Sozialpartner – Unia, KV Schweiz, Angestellte Schweiz, Syna, die Schweizer Kader Organisation auf Arbeitnehmerseite und der Arbeitgeberverband Swissmem – müssen noch ihre Mitglieder informieren.

Swissmem-Präsident Hans Hess zum Verhandlungserfolg:  «Ich bin froh und erleichtert, dass wir eine Einigung erzielen konnten.» Es sei eine gute Nachricht für die Mitarbeitenden und die Unternehmen der MEM-Industrie. «Es ist auch eine gute Nachricht für den Werkplatz Schweiz.»

Löhne je nach Region

Die Angestellten erhalten künftig mindestens 3'300 CHF im Monat. Je nach Region und Qualifikation garantiert ihnen der neue GAV bis zu 4'150 CHF. Die höchsten Mindestlöhne gelten in wirtschaftsstarken Kantonen wie Zürich und Genf, die tiefsten im Tessin und im Jurabogen.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Ein Vergleich: unsere Behinderten Mitarbeiter in der (voll) produktiven technischen Abteilung erhalten nur maximal 400.- Und das für gleiche Arbeit wie ein festangestellter Arbeiter. Das Argument, sie hätten ja noch die IV Rente zieht nicht. Es geht um die Arbeit an sich die entlöhnt werden müsste. Ein Parlamentarier verzichtet ja auch nicht auf sein Sitzungsentgelt, nur weil er nebenbei noch Verwaltungsratmitglied ist und dort auch abkassier. Sklavenarbeiter sind heute die IV Rentner!
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  • Kommentar von Adrian Flükiger, Bern
    Erfreuliches Ergebnis. Gratuliere der UNIA. Endlich wird der seit langer Zeit ständig zunehmenden, massiven Verschlechterung der Arbeitsbedingungen ein wenig die Spitze gebrochen, insbesondere dem weit verbreiteten Lohndumping. Andere Branchen, wie der Bau oder der öffentliche Verkehr - z.B. Postauto mit unterschiedlichen Kategorien von Chauffeuren - haben dringenden Nachholbedarf. Den gilt es, falls notwendig, halt auch auf der Strasse durchzusetzen! Leute wehrt euch - es lohnt sich!
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    1. Antwort von Diego Frieden, Freiburg
      @Adrian Flückiger. Das Ergebnis ist tatsächlich erfreulich, doch nur Unia zu gratulieren wäre falsch. Wir waren ja (ich gehöre dazu) 5 Sozialpartner auf AN-Seite...
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