Mentholzigaretten: Wird Schweiz zum Schmugglerparadies?

Die EU verbietet bis 2022 Mentholzigaretten. In der Schweiz hingegen will man die Aromastoffe in Zigaretten nicht untersagen. Öffnet das Schmugglern Tür und Tor?

Marlboro-Päckchen werden zum Verkauf angeboten.

Bildlegende: Mentholzigaretten sind auch in der Schweiz beliebt. Reuters

Der Duft der weiten Welt, Geschmacksrichtung Menthol. Das gibt es in der EU schon bald nicht mehr. Das EU-Parlament hat entschieden, die beliebten Mentholzigaretten bis 2022 zu verbieten.

Mentholzigaretten gelten unter Gesundheitsexperten
als Einstieg – unter anderem für Jugendliche – in den Tabakkonsum. Die ebenfalls umstrittenen Slim- und E-Zigaretten bleiben hingegen auf dem Markt.

Das Ende der Mentholzigarette?

Die Lungenliga Schweiz begrüsst die Entscheidungen der EU. «Die Geschmacks- und Zusatzstoffe werden von der Tabakindustrie bewusst und gezielt beigefügt, um Nichtraucher zu Rauchern zu machen», sagt Barbara Weber, Mediensprecherin der Lungenliga. «Ich kann mir vorstellen, dass mit dem EU-Verbot das Ende der Mentholzigaretten eingeläutet wird.»

Auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) verfolgte die Debatte in Strassburg mit grossem Interesse. In der Schweiz sei aber ein Verbot von Mentholzigaretten «aktuell kein Thema». BAG-Mediensprecherin Katrin Holenstein zu «SRF News Online»: «Es besteht kein Auftrag seitens des Gesetzgebers, in diesem Punkt aktiv zu werden. Eine Massnahme wird erst ein Thema, wenn im Rahmen einer Vernehmlassung darüber diskutiert und entschieden wurde.»

«Zigaretten-Schmuggel denkbar»

Das EU-Verbot von Mentholzigaretten hat für die Schweiz keine direkten rechtlichen Konsequenzen. Trotzdem könnte das EU-Mentholverbot hierzulande zum grossen Problem werden. Dann nämlich, wenn die Schweiz zur Drehscheibe des europäischen Mentholzigaretten-Schmuggels würde.

«Die Auswirkungen auf die Schweiz sind noch nicht absehbar. Das Verbot der beliebten Mentholzigaretten könnte aber zu erhöhtem Schmuggel dieser Produkte führen», warnt Kevin Suter von Japan Tobacco International, einem Hersteller von Zigaretten in der Schweiz.

Auch beim BAG ist man sich bewusst, dass die Schweiz ab 2022 ins Zentrum des Menthol-Interesses rücken würde: «Der Einkaufstourismus für dieses Produkt könnte zunehmen, falls in den EU-Ländern keine Mentholzigaretten mehr verkauft würden», schreibt Holenstein.

Weniger Raucher in der Schweiz

Die Vorlage der neuen Regeln für Mentholzigaretten hatte sich wegen des massiven Widerstands der Tabakindustrie immer wieder verzögert. Laut Insidern investierte die Tabaklobby Millionen, um die EU-Abgeordneten beeinflussen zu können. Ziel war es, die entscheidende Paragrafen im letzten Moment zu kippen oder zu verwässern.

Die Glimmstengel-Branche hat seit Jahren einen schweren Stand: Viele Länder haben die Tabakindustrie mit Werbe-, Sponsoring- und Rauchverboten stark reguliert – mit zunehmendem Erfolg. Auch in der Schweiz. Laut Suchtmonitoring Schweiz rauchten 2011 24,8 Prozent der Bevölkerung. Zehn Jahre zuvor rauchten noch satte 33 Prozent. Die tabakbedingten Todesfälle in der Schweiz hingegen blieben im selben Zeitraum konstant.

Gefährliches Menthol

Menthol gilt bei der Verwendung in Lebensmitteln und Kosmetika als grundsätzlich unbedenklich. Bei Zigaretten jedoch nicht. Beim Rauchen verbrennt eine geringe Menge von Menthol und kann dabei Substanzen wie Benzo(a)pyren und Benzol bilden. Diese Substanzen werden beim Menschen als krebserzeugend eingestuft. (Quelle: BAG)

Mentholzigaretten als Einstieg

Studien zeigen, dass Mentholzigaretten unter Jugendlichen weit verbreitet sind und dass Jugendliche oftmals Mentholzigaretten als Einstiegszigarette wählen. Menthol betäubt den Rachen. Dies überdeckt die Schärfe des Tabaks. Aufgrund des kühlenden Effekts des Menthols neigen Rauchende von Mentholzigaretten dazu, tiefer zu inhalieren. (Quelle: BAG)