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Schweiz Migrationsamt sucht verzweifelt nach Tigrinisch-Dolmetschern

Immer mehr Flüchtlinge gelangen in die Schweiz. Allein im Juni sind über 2200 neue Asylgesuche registriert worden – ein Drittel mehr als im Vormonat. Vor allem Eritreer suchen in der Schweiz Schutz. Das stellt die Behörden vor Probleme: Denn es fehlt an Übersetzern für die tigrinische Sprache.

Legende: Video Asylbewerber aus Eritrea abspielen. Laufzeit 2:19 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.07.2014.

Je ein Viertel aller Asylgesuche bis Ende Juni stammten von Syrern und Eritreern. Das stellt die Behörden nicht nur bei den Unterkünften vor logistische Probleme. Damit sich die Verfahren bei den Eritreern nicht verzögern, sucht das Bundesamt für Migration mit allen Kräften Dolmetscher für die tigrinische Sprache.

Erste Anlaufstelle für tausende Asylsuchende ist das Empfangs- und Verfahrenszentrum in Chiasso (TI). Ein Wirrwarr aus verschiedensten Sprachen ist dort zu hören. Heraus sticht das Tigrinische, die Sprache der eritreischen Flüchtlinge. Allein in Chiasso wurden von Mitte April bis Ende Juni über 500 Asylgesuche aus Eritrea registriert, sagt Antonio Simona, Leider des Empfangszentrums, der «Tagesschau».

Bislang noch kaum Verzögerungen

Wenn die Flüchtlinge in Chiasso ankommen, werden sie zunächst befragt – sofern tigrinische Dolmetscher verfügbar sind. Denn diese sind sehr schwer zu finden. Nebst besten Sprachkenntnissen müssen sie einen tadellosen Leumund haben und verschwiegen sein. Das Bundesamt für Migration sucht deshalb auf allen möglichen Kanälen, teilweise sogar im Ausland.

Allerdings hat der Mangel an geeigneten Dolmetschern bislang nur zu geringen Verzögerungen geführt, sagt Antonio Simona. Man lasse die Dolmetscher auch samstags arbeiten, damit der Pendenzenberg möglichst klein bleibe. Alle seien schon zu 100 Prozent ausgelastet – eine Person mehr wäre also sehr willkommen.

Obwohl die Behörden die Zahl der Tigrinisch-Dolmetscher dank der Rekrutierungsaktion fast verdoppelt haben, sucht das Bundesamt für Migration weiter. Denn im Herbst werden die Asylbewerberzahlen saisonal bedingt wohl erneut ansteigen.

Die tigrinische Sprache

Tigrinisch ist eine semitische Sprache, die in Äthiopien und Eritrea gesprochen wird. Weitere semitische Sprachen sind etwa Hebräisch oder Arabisch. Weltweit gibt es rund neun Millionen Sprecher des Tigrinischen – davon 4,5 Millionen in Äthiopien und 2,5 Millionen in Eritrea.

14 Kommentare

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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Flüchtlinge aus Eritrea sind keine Wirtschaftsflüchtlinge. Es sind mehrheitlich traumatisierte Menschen, traumatisiert an Leib und Seele. Sie wollen alle auswandern, was auch verständlich ist. Trotzdem kann die Schweiz vermutlich nicht alle Ausreisewilligen integrieren. Die Lösung sollte international geregelt werden können, am besten in Zusammenarbeit mit anderen Staaten. Aber dafür bräuchte es Gesprächsbereitschaft und internationale Vernetzungen, welche gültige Regeln formulieren können.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger, Orpund
    Hoffentlich lesen all die Befürworter einer ewigen und unbeschränkten Einwanderung von reinen Wirtschaftsflüchtlingen diese klare Aussage vom untenstehenden "G.Keller" ebenfalls, ohne sofort wieder die Rassismuskeule gegen sachliche Meinungen zu schwingen! Uns allen bleibt es ein Anliegen, dass die Schweiz aus Kriegsgebieten an Leib und Seele verfolgte Menschen vorübergehend als Flüchtlinge Schutz bietet. Diese Völkerwanderung aus Afrika hat mit unserem Flüchtlingsgedanken aber nichts zu tun!
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    1. Antwort von D. Thrum, Zürich
      "Eritreas repressives System treibt seine Bürger in die Flucht. Das Regime von Isaias Afewerki duldet keinen Widerspruch. Militärdienst müssen viele faktisch lebenslang leisten." Klingt nicht wirklich nach Wirtschaftsflüchtlingen. Einfach mal so nebenbei erwähnt. Ich würde da jedenfalls auch nicht leben wollen.
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  • Kommentar von G. Keller, Zürich
    In Eritrea herrscht kein Krieg! In Eritrea hat jeder genügend zu essen! In Eritrea kann jeder zu Schule. In Eritrea funktioniert sogar das Gesundheitswesen. In Eritrea herrscht einzig und allein ein "übertriebener" Sozialismus, welche unsere linksextreme Schweizer/Innen ebenfalls bei uns einführen möchten!!! All diese Eritreas sind waschechte Wirtschaftsflüchtlinge in Reinkultur, welche den echten Flüchtlingen einen Bärendienst erweisen.
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